Laub-, Ried- und Beutelfrösche

Schmied

Kolbenfinger-Laubfrosch (Hypsiboas faber) im Tierpark Chemnitz Kolbenfinger-Laubfrosch (Hypsiboas faber) im Tierpark Chemnitz
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)

Familie: Laubfrösche (Hylidae)
Unterfamilie: Eigentliche Laubfrösche (Hylinae)

D LC 650

Schmied, Kolbenfinger-Laubfrosch

Hypsiboas faber • The Blacksmith Treefrog • La grenouille-forgeron

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"Kolbenfuß (Hyla palmata" = Hypsiboas faber. Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Approximative Verbreitung des Schmieds (Hypsiboas faber)

 

 

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Der dem Europäischen Laubfrosch relativ ähnliche Kolbenfuß ist eine in ihrer Heimat nicht gefährdete südamerikanische Art, die in europäischen Zoos nur ausnahmsweise zu sehen ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Der 8-9(-10) cm lange Kolbenfuß wird so genannt wegen seiner breiten Zehenballen. Seine Gestalt ist plump, der Kopf platt, die Extremitäten kräftig. Die Weibchen werden leicht größer als die Männchen. Das Auge ist groß mit goldener Iris und horizontaler Pupille, das Trommelfell sehr deutlich. Drei der Finger sind zur Hälfte und die Zehen fast ganz durch Schwimmhäute verbunden. Ein gleichmäßiges blasses Lehmgelb, welches durch einen längs der Rückenmitte verlaufenden Streifen und einzelne unregelmäßige, feine, schwarze oder olivbraune Züge gezeichnet wird, ist die Färbung der Oberseite, ein gleichmäßiges Gelblichweiß die der Unterseite [3; 7].

Verbreitung

Zentrales Südamerika: Argentinien (Misiones), Südost-Brasilien (Bahia, Espírito Santo, Minas Gerais, Paraná, Rio de Janeiro, Rio Grande do Sul, Santa Catarina, São Paulo), Südost-Paraguay [6]

Lebensraum und Lebensweise

Der Kolbenfuß besiedelt tropische Feuchtwälder und Waldränder in Höhenlagen von 150-800 m [2; 6]. Der Name "Schmied" kommt vom Paarungsruf der Männchen der ähnlich dem Hämmern eines Schmieds ist. Die Art ist vor allem wegen ihrer Brutpflege bemerkenswert: Die Männchen bauen zur Paarungszeit am Gewässerrand kraterartige, mit Wasser gefüllte Nester von 20-30 cm Durchmesser und 7-9 cm Tiefe, die sie mehrere Tage lang vehement gegen andere Männchen verteidigen. Dies ist nötig, weil die sauerstoffbedürftigen Eier an der Wasseroberfläche schwimmen und absterben, sobald sie durch äußere Einflüssen auf den Boden sinken. Bei den Kämpfen kann es zu erheblichen Verletzungen durch die großen Daumendornen kommen [5]. Das Weibchen legt bis zu 4'000 Eier hinein, die einen Oberflächenfilm bilden. Die Larven werden bis zu 11 (!) cm lang, die Jungfrösche sind 3.5 cm groß. Die Art lebt vor allem im Primärregenwald, kommt aber auch mit anderen, modifizierten Habitaten zurecht [4]

Gefährdung und Schutz

Der Schmied hat eine weite Verbreitung und ist durchwegs häufig. Seine Bestände werden als stabil angesehen. Nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 gilt er daher nicht als gefährdet [6].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Keine Angaben.

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird nur vereinzelt und sporadisch in europäischen Einrichtungen gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Kolbenfinger gehalten werden (Beispiel): Vivarium im Tierpark Chemnitz siehe ZOOLEX Gallery.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art hieß bis 2005 noch Hyla faber, so wie sie 1821 von Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied in seiner Veröffentlichung "Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817" genannt worden war. 2017 wurde als Ersatz für Hypsiboas die Gattungsbezeichnung Boana vorgeschlagen [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THR WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. BREHM, A. E. (1882-1887)
  4. HERRMANN, H. J. (2005)
  5. KWET, A. (2004)
  6. LAVILLA, E. et al (2010). Hypsiboas faber. The IUCN Red List of Threatened Species 2010: e.T55479A11303155.  http://www.iucnredlist.org/details/55479/0. Downloaded on 10 December 2017.
  7. NIETZKE, G. (1969)

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