Giraffen und Gabelböcke

Okapi

Weibliches Okapi (Okapia johnstoni) im Kölner Zoo Weibliches Okapi (Okapia johnstoni) im Kölner Zoo
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Giraffenartige (Giraffidae)
Unterfamilie: Waldgiraffen (Palaeotraginae)

D EN 650

EEPOkapi

Okapia johnstoni • The Okapi • L'okapi

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Okapibulle (Okapia johnstoni) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Okapis (Okapia johnstoni)

 

 

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Okapikuh (Okapia johnstoni) im Bronx-Zoo, New York © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Okapipaar (Okapia johnstoni) im Zoo Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Okapibulle (Okapia johnstoni) im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Okapis (Okapia johnstoni) im Regent's Park Zoo, London © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Okapikuh (Okapia johnstoni) mit Kalb im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

 

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Okapikuh (Okapia johnstoni) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

 

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Sich mit der Zunge putzender Okapibulle (Okapia johnstoni) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Okapikuh (Okapia johnstoni) im Passgang im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Okapikalb (Okapia johnstoni) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Vertrauensvoller Umgang des Tierpflgers mit einem Okapi (Okapia johnstoni) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Okapikuh (Okapia johnstoni) mit anderthalb Monate altem Kalb (*26.02.2013) im Zoo Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

 

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Okapikalb (Okapia johnstoni) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Okapi-Anlage im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Das als letzte afrikanische Großtierart entdeckte Okapi ist in Zoos nicht häufig, was einerseits dadurch bedingt ist, dass die Zahl der Importe stets relativ gering war  und andererseits Haltung und Zucht anspruchsvoll sind. Für die stark gefährdete Art wurden ein internationales Zuchtbuch und regionale Zuchtprogramme eingerichtet, und die haltenden Zoos beteiligen sich finanziell an den Kosten für den Schutz der Tiere in ihrem Ursprungsland.

Körperbau und Körperfunktionen

Okapis erreichen eine Kopf-Rumpflänge von rund 200-210 cm, eine Schwanzlänge von 30-42 cm, eine Schulterhöhe von 150-170 cm und ein Gewicht von 180-320 kg, wobei Kühe im Schnitt etwas größer und schwerer werden als Bullen. Die Bullen haben auf der Stirn zwei bis zu 15 cm lange, behaarte Scheitelbeinhörner, die sich mit etwa 2 Jahren entwickeln. Diese fehlen bei den Kühen oder sind nur rudimentär ausgebildet. Die bis auf einen kleinen Nasenspiegel mit Haaren bedeckten Lippen sind beweglich und dienen zusammen mit der langen blauen Zunge dazu, Blätter und Knospen von den Zweigen der Bäume abzupflücken. Die Augen sind mittelgroß, die Ohren sehr groß, tütenförmig und haben am Rand schwarze Fransen. Der Hals ist relativ lang und schlank und bei Jungtieren mit einer kurzen Stehmähne versehen. Die Rückenlinie ist abschüssig. Bei den Extremitäten sind nur der 3. und 4. Strahl voll entwickelt, Afterklauen fehlen. Der Schwanz trägt eine kurze Endquaste. Das Euter der Kühe hat 4 Zitzen. Die Grundfarbe des Fells ist rötlich-braun bis fast schwarz, die Wangen sind mattgrau, auf jeder Seite des Hinterteils befindet eine variable Anzahl (meist 14-17) weiße Querstreifen, die unteren Teile der Extremitäten sind kontrastreich dunkel und weiß gezeichnet. [1; 2; 13].

Verbreitung

Zentralafrika: Dem. Rep. Kongo. In Uganda ausgestorben. Bis vor Kurzem waren rezente Vorkommen nur östlich bzw. nördlich des Kongoflusses bekannt mit einem Schwerpunkt im Ituri-Wald. Dank molekular-genetischer Untersuchungen von Losung konnte kürzlich auch ein Vorkommen im Lomami-Nationalpark südwestlich des Kongo bestätigt werden [8; 11].

Lebensraum und Lebensweise

Die Verbreitung des Okapis beschränkt sich auf geschlossene Hochwälder, d.h. primären Regenwald und alte Sekundärwälder im Höhemlagen von 450-1'500 m. Die Tiere gehen zwar in periodisch überschwemmte Wälder, nicht aber in Sumpfwälder, Galeriewälder oder Wald-Savannenmosaike und meiden die Umgebung von Siedlungen bzw. werden dort rasch ausgerottet. Sie sind überwiegend tagaktive Einzelgänger, die sich vom Blattwerk des Unterwuchses oder junger Bäume in Windfallschneisen ernähren. Kühe haben Streifgebiete von 300-500 ha, Bullen bis zu 1'300 ha. Sie unterhalten ein System von Wechseln und festen Kotplätzen. Angaben zur Territorialität sind widersprüchlich. Dass beide Geschlechter Bäume mit einem öligen Hautsekret markieren und die Bullen Urin-Duftmarken setzen, spricht dafür dass sie territorialsind. Die Fortbewegung erfolgt im Passgang [8; 13].

Nach einer Tragzeit von 430-457 (419-473) Tagen wird im Ursprungsgebiet meist von August bis Oktober ein einzelnes Kalb mit einem mittleren Gewicht von 22.5 kg geboren. Zwillinge sind sehr selten. Das Junge wird mit etwa 6 Monaten entwöhnt. Kühe werden mit 2 Jahren geschlechtsreif, Bullen gelangen erst später zur Fortpflanzung [2; 13].

Gefährdung und Schutz

Mit einem auf 10 bis 35'000 Individuen geschätzten, nur in einem Land vorkommenden Bestand galt das Okapi als potenziell gefährdete Tierart. Eine Neubeurteilung im Jahr 2013 kam zum Schluss, dass die Bestände viel tiefer sein müssen und abnehmen. Dies wurde 2015 bestätigt. Die Art wird daher nun als stark gefährdet beurteilt (Rote Liste: ENDANGERED) [8].

Die Art fällt nicht unter CITES, die Einfuhr aus Afrika ist aber aus tierseuchenrechtlichen Gründen kaum noch möglich.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt: Alle Okapihalter in Europa und Nordamerika, gut 40 Zoos, leisten jährlich einen finanziellen Beitrag an das von Gilman International Conservation betriebene Okapi-Schutzprojekt im Ituriwald (Demokratische Republik Kongo). mehr ...

Bedeutung für den Menschen

Traditionell wurde das Okapi, gejagt um Fleisch und Häute für den Eigenbedarf oder den lokalen Markt zu gewinnen. Heute ist es zwar auf dem Papier geschützt, der Schutz lässt sich aber in dem Bürgerkriegsland DR Kongo nicht durchsetzen, und die Tiere werden gebietsweise gezielt mit Schlingen oder Fallgruben gefangen um den "Bushmeat"-Markt zu alimentieren [8; 13].

Haltung

Seit 1966 gibt es ein Internationales Zuchtbuch, das am Zoo Antweroen geführt wird. Dieses umfasst 171 lebende Individuen in 53 Einrichtungen [IZY 52, Daten bis Dezember 2014].

WEIGL gibt als Höchstalter 33 Jahre und 6 Monate für ein im Rotterdamer Zoo geborenes männliches Nachzuchttier an [16].

Haltung in europäischen Zoos: 1919 gelangte das erste lebende Okapi, ein junges Weibchen, nach Europa, wo es während 51 Tagen im Zoo von Antwerpen lebte [3]. Das zweite Okapi kam 1928 ebenfalls nach Antwerpen, wo es 15 Jahre lebte, bis es während des Zweiten Weltkriegs wegen Mangel an Futter starb [2]. Antwerpen war auch der erste Zoo, dem 1954 die Zucht des Okapis gelang. Das Jungtier starb allerdings gleich am ersten Lebenstag. Erstmals erfolgreich aufgezogen wurde ein Okapi, das 1956 im Zoo von Paris geboren worden war [2].

Das erste Okapi in der Schweiz war der Bulle „Bambe“, der am 16. Juni 1949 im Zoo Basel ankam, dort aber bereits nach 66 Tagen an einem Befall mit dem Leberparasiten Monodontella starb. Die Haltung des von Basel 1955 bzw. 1956 importierten Paares „Nanouk“ und „Bibi“ war erfolgreicher und führte 1960 zur ersten Okapigeburt in der Schweiz. Das erste Okapi in Deutschland war der Bulle „Costy-Epulu“, der 1954 durch den Zoo Frankfurt importiert wurde, und dem 1958 das Weibchen "Safari" folgte. 1960 gelang dem Zoo Frankfurt die deutsche Erstzucht [1].

Heute wird die Art in rund zwei Dutzend Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt seit 1985 ein vom Zoo Antwerpen koordiniertes Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP).

Forschung im Zoo: Okapis dienen immer wieder als Studienobjekte für Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten. Dabei kann es um Grundlagenforschung gehen, meistens aber um die Prüfung und gegebenenfalls Optimierung der Haltungsbedingungen und somit zur Erhöhung des Tierwohls. Zu den bearbeiteten Themen gehören Untersuchungen über die, zum Teil haltungsbedingte, Variabilität im Verhalten, den Einfluss von Verhaltensanreicherung auf Stereotypien, Ernährung und Nahrungsaufnahme im Zoo, die Verfolgung der Sexualfunktion durch Progesteron- und Östrogenbestimmung aus dem Kot, oder über Immobilisation, Physiologie und Pathologie [4; 5; 6; 7; 9; 14].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten’96 sah für ein einzelnes Okapi ein Außengehege von 250 m² vor, in dem zeitweilig auch eine Paarhaltung möglich sein soll, ferner ein Innengehege von 10 m² pro Tier. Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL fordert für bis zu zwei Tiere ein Außengehege von mindestens 500 m² und für jedes weitere Tier 25 % der Fläche (also 125 m²) zusätzlich. Innen sind den Tieren Boxen von 15 m² pro Tier bereitzustellen sowie ein gemeinsamer Innenlaufbereich von 50 m².

Die Tierschutzsachverständigen der Zoos stellten sich auf den Standpunkt, dass die Fläche des Außengeheges auf ein einzelnes Tier bezogen werden sollte, weil Okapis solitär lebende Tiere sind. Das Gehege um jeweils 25% zu vergrößern, um weitere Tiere unterzubringen, ist bei solitären Tieren Unfug. Für weitere Tiere sind grundsätzlich weitere Gehege vorzusehen. Ferner verfügt keine einzige Okapihaltung in Deutschland über einen Innenlaufbereich von 50 m². Es sind jedoch als Folge der aktuell angebotenen Flächen keine tierschutzrelevanten Sachverhalte bekannt. Die im vorliegenden Gutachten vorgegebenen Flächen sind also weder wissenschaftlich begründet noch entsprechen sie tiergärtnerischer Erfahrung und sind daher abzulehnen. Eine Angleichung der Gehegeabmessungen an jene der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2013) hielten die Sachverständigen dagegen für vertretbar.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung schreibt für die Haltung von 2 Okapis in bereits vor dem 1. September 2008 bestehenden Anlagen ein unterteilbares Gehege von 300 m² und für jedes weitere Adulttier 100 m² zusätzlich vor. Pro Tier ist eine Innenbox von 15 m² erforderlich. Bei Neubauten müssen allfällige neue Erkenntnisse einfließen.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für ein Okapi eine Mindestgehegefläche von 150 m² und eine Innenbox von 15 m² zusätzlich. Bei der ergänzenden Vorschrift "Für jedes weitere Tier sind zusätzlich 10% der Fläche vorzusehen. Ein ganzjähriger Zugang zur Außenanlage ist zumindest tagsüber zu gewährleisten" hat sich der Verordnungsgeber wohl nicht viel gedacht...

Taxonomie und Nomenklatur

Die Unterfamilie der Waldgiraffen umfasst nur eine rezente Art. Das Okapi ist die letzte afrikanische Großtierart, die der Wissenschaft bekannt wurde. Es wurde 1901 durch den damaligen Sekretär der Zoologischen Gesellschaft London, Sir Edwin Ray LANKESTER, auf der Grundlage einiger Fellstücke, die der britische Gouverneur von Uganda, Sir Henry Johnston der Gesellschaft geschickt hatte, als "Equus (?) johnstoni sp.nov., eine offenbar neue Zebraart aus dem Semliki-Wald" beschrieben. 1904 sah der Basler Geologe Dr. J. J. DAVID als erster Europäer ein lebendes Okapi und schoss es im Namen der Wissenschaft auch gleich tot. Die Haut und das Skelett dieses Tieres werden heute noch im Naturhistorischen Museum Basel aufbewahrt [2; 3; 13].

Literatur und Internetquellen

  1. GIJZEN, A. (1959)
  2. GRZIMEK, B. (1954)
  3. HEDIGER, H. (1949)
  4. HEROLD, G. (1997)
  5. HUMMEL, J. (1998)
  6. HUMMEL, J. (2004)
  7. LETZNER, G. (1987)
  8. MALLON, D. et al. (2015). Okapia johnstoni. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T15188A51140517. http://www.iucnredlist.org/details/15188/0. Downloaded on 26 May 2018.
  9. MÜLLER, A. (2005)
  10. OKAPI CONSERVATION PROJECT
  11. STANTON, D. W. G, HART, J., VOSPER, A., KÜMPEL, N. F., WANG, J., EWEN, J. G. & BRUFORD, M. W. (2016)
  12. WEIGL, R. (2005)
  13. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  14. WOLF, H. (1995)

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