Kamele

Trampeltier

Trampeltierstute Aila (im Vordergrund) Trampeltierstute Aila (im Vordergrund)
Pressefoto H. Will, Tierpark Chemnitz

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
Familie: Kamele(Camelidae)
Tribus: Altweltkamele (Camelini)

Red list status Critically endangered

Trampeltier

Camelus bactrianus • The Bactrian Camel • Le chameau à deux bosses

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Junges Trampeltier in der Wilhelma Stuttgart - Pressefoto Wilhelma
Trampeltiere sind nicht nur äußerst populäre Zootiere, sondern wegen ihrer anatomischen und physiologischen Besonderheiten, ihrer Lebensweise und kulturellen Bedeutung auch von hohem zoopädagogischem Wert. Obwohl Haustiere, können sie als Botschafterarten für den Schutz von Grasländern und anderen ariden Lebensräumen dienen.

Gefährdung und Schutz: Das Trampeltier ist eine Haustierform. Seine Wildform des Trampeltiers, das Wildkamel, ist in Kasachstan bereits ausgestorben und mit einem kontinuierlich abnehmenden Totalbestand von gegenwärtig weniger als 1000 Tieren in China und der Mongolei vom Aussterben bedroht (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED).
    
Die Hauptgefahren sind Hybridisierung mit Hauskamelen und Konkurrenzierung durch die Haustierherden der Nomaden.

Verbreitung: Das Trampeltier wird hauptsächlich in Iran, Afghanistan, Pakistan, Kasachstan, der Mongolei und China gehalten, kommt aber bis in die Türkei und Ostsibirien vor.

Körperbau und Körperfunktionen: Das zweihöckerige Trampeltier gehört mit einer Kopf-Rumpflänge von bis zu 345 cm, einer Höhe (mit Höcker) von bis zu 230 cm und einem Gewicht von bis zu 1000 kg zu den größten Huftieren. Neben den aus Fettgewebe bestehenden Höckern weisen sie noch eine Reihe weiterer anatomischer Besonderheiten auf: die Oberlippe ist gespalten und dient als Greiforgan, die Nasenlöcher sind 119-004-001-002 camelus bactrianus stuttgart presse2
Trampeltierstute mit Fohlen in der Wilhelma Stuttgart - Pressefoto Wilhelma
verschliessbar, im Oberkiefer fehlen die mittleren Schneidezähne, die 2. und 3. Schneidezähne sind nach hinten verlagert, am Hinterkopf befinden sich bei Stuten und Hengsten ein Paar Brunstdrüsen, beim Hengst ist das Gaumensegel als "Brüllsack" ausgebildet, der Magen ist, anders als bei den "echten" Wiederkäuern, dreihöhlig (der Psalter fehlt), am Oberschenkel hat es keine Spannhaut (Kniefalte), die Zehenknochen verlaufen nicht in einer geraden, sondern einer gebrochenen Linie. Das Nagelendglied trägt einen kleinen Nagel mit gekrümmter Hornwand, der Fuss ist mit einem hochelastischen Sohlenpolster aus Binde- und Fettgewebe versehen und weist eine breite Auftrittsfläche auf.

Zu den physiologischen Besonderheiten gehört der geringe Wasserbedarf, der darauf beruht, dass die Tiere ihre Körpertemperatur von 34 °C auf über 40 °C erhöhen können. So wird die extreme Hitze im Körper gespeichert und während der Nacht bei kühleren Temperaturen abgegeben, ohne dass die Tiere Wasser verlieren. Erst nach Erreichen der maximalen Körpertemperatur beginnt ein Kamel zu schwitzen. (TVT, 2005)

Wirtschaftliche Bedeutung: Kamele sind für das Leben der Nomaden der asiatischen  Wüsten und Trockensteppen lebenswichtig. Sie werden als Reit- und Lasttiere eingesetzt, im arabischen Raum gar zur Veranstaltung von Rennen, und liefern Fleisch, Milch, Wolle, Leder und Dung als Brennstoff. Die Milch hat nicht nur einen großen Nährwert, sondern auch einen Vitamin-C-Gehalt, der vier- bis sechsmal so hoch ist, wie der von Kuhmilch und daher oft die wichtigste Vitamin-C-Quelle für die Bevölkerung darstellt.

Kulturelle Bedeutung:
Das Kamel ist Gegenstand mehrerer Fabeln:

Aesop: Das Kamel
Aesop: Zeus und das Kamel

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 320 Zoos gehalten, von denen sich gegen ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Wildkamele wurden noch nie nach Europa eingeführt. Domestizierte Trampeltiere werden nicht nur in Zoos, sondern auch von vielen kleineren Tierparks, Zirkussen und Privatpersonen gehalten.

Taxonomie und Nomenklatur: Wissenschaftlich beschrieben wurden zuerst die Haustierformen, nämlich 1758 durch Carl von LINNÉ, der dem Trampeltier den Namen Camelus bactrianus gab, obwohl in Baktrien, der Gegend um Buchara, nicht Trampeltiere sonder Dromedare gehalten werden.
            
Das Wildkamel wurde von Nikolaj Michajlowitsch PRZEWALSKI 1878 in der Lop-Nor- Wüste entdeckt und mit dem Namen Camelus ferus versehen. Da das Trampeltier vermutlich vom Wildkamel abstammt, müsste es nach BOHLKEN (1958) Camelus ferus forma bactriana heissen.

Trampeltier und Dromedar lassen sich kreuzen. Die Nachkommen werden Tulus genannt. Sie haben nur einen eingedellten Höcker und sind fruchtbar.

Literatur und Internetquellen:

  1. BOHLKEN , H. (1958)
  2. EICHNER, M. (1999)
  3. FRANCKE, R. (1989)
  4. GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
  5. MÜNCHAU, B. (1980)
  6. WEDDING, S. (1979)
  7. WILSON, & MITTERMEIER (2011)

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Gelesen 802 mal Letzte Änderung am Dienstag, 20 November 2018 18:27
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx