Schweine, Pekaris und Flusspferde

Pinselohrschwein

Pinselohrschwein (Potamochoerus porcus) im Zoo Duisburg Pinselohrschwein (Potamochoerus porcus) im Zoo Duisburg
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Nonruminantia) bzw. Schweineartige (Suina)
Familie: Schweine (Suidae)
Tribus: Buschschweine (Potamochoerini)

Red list status Least concern

EEPPinselohrschwein

Potamochoerus porcus • The Red River Hog • Le potamochère d'Afrique

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Pinselohrschwein (Potamochoerus porcus) im Zoo Krefeld © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Pinselohrschweins (Potamochoerus porcus)

 

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Pinselohrschwein (Potamochoerus porcus) im Zoo Landau © Zoo Landau

 

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Pinselohrschwein (Potamochoerus porcus), Bache und Überläufer im Zoo Schmiding © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Pinselohrschweine (Potamochoerus porcus), Paar mit Ferkel im Zoo Duisburg © Achim Winkler, Duisburg

 

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Pinselohrschwein (Potamochoerus porcus) im Zoo des Sables d'Olonne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Pinselohrschwein-Paar (Potamochoerus porcus) im Zoo des Sables d'Olonne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rennendes Pinselohrschwein (Potamochoerus porcus) im Zoo Duisburg © Zoo Duisburg

 

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Pinselohrschweine (Potamochoerus porcus) beim Baden im Zoo Duisburg © Jochen Reiter, Duisburg

 

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Pinselohrschweinschwein-Frischlinge (Potamochoerus porcus) im Zoo Landau © Zoo Landau (Pressefoto)

 

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Pinselohrschweinschwein-Frischlinge (Potamochoerus porcus) im Zoo Landau © Zoo Landau (Pressefoto)

 

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Pinselohrschweinschwein-Frischling (Potamochoerus porcus) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Pinselohrschweinschwein-Bache (Potamochoerus porcus) mit Überläufern im Allwetterzoo Münster © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Adultes Pinselohrschwein (Potamochoerus porcus) und Überläufer im Zoo Landau © Jens-Ove Heckel Zoo Landau

 

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Gehege für Pinselohrschweinschweine (Potamochoerus porcus) im Zoo des Sables d'Olonne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Das Pinselohrschwein ist die am attraktivsten gefärbte Schweineart. Die selbst nicht gefährdete Art findet großen Anklang beim Publikum und ist deshalb ein geeigneter Botschafter für die Erhaltung der Biodiversität der West- und zentralafrikanischen Waldgebiete. Das Pinselohrschwein ist nach dem eurasischen Wildschwein die am häufigsten in Europa gezeigte Schweineart.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Pinselohrschwein ist eines der farbenprächtigsten Säugetiere überhaupt. Die Grundfarbe ist ein sattes, leuchtendes mahagonirot. Der Kopf trägt eine schwarz-weiße Maske, die Ohrpinsel, die Backenbärte und der Rückenkamm sind weiß, die Beine und die Schwanzquaste sind schwarz. Die Keiler haben relativ kleine, scharfe Hauer und zwei Gesichtswarzen unterhalb der Augen. Die Kopf-Rumpflänge beträgt 100-145 cm, die Schwanzlänge 30-45 cm, die Schulterhöhe bis 55-80 cm und das Gewicht von 45-115 kg [4; 10].

Verbreitung

West- und Zentralafrika: Äquatorial-Guinea, Benin, Elfenbeinküste, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Demokratische Republik Kongo (Zaire), Kongo, Liberia, Mali, Nigeria, Senegal, Sierra Leone, Südsudan, Togo, Uganda, Zentralafrikanische Republik [7].

Lebensraum und Lebensweise

Typischerweise besiedeln Pinselohrschweine Regen- und Galeriewälder, treten aber auch in anderen Lebensräumen wie Trockenwäldern oder Feuchtsavannen auf und gehen zur Futtersuche auf Agrarland. Die Tiere sind sozial, werden meist in kleineren Trupps festgestellt, können aber während der Mastperiode in Gruppen von bis zu 60 Individuen auftreten. Sie sind hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktive Allesfresser, die sich überwiegend von pflanzlichem Material ernähren, vorzugsweise von Wurzeln und Knollen, aber auch schon beim Fressen von Kleintieren und Aas beobachtet wurden [7; 10].

Nach einer Tragzeit von 120-127 Tagen werden in einem mit Pflanzenmaterial gepolsterten Nest im Mittel meist 1-4, selten bis 6 Frischlinge mit einem Gewicht von 650-900 g geboren, die ein für gelb-braun längsgestreiftes Erstlingskleid tragen. In guten Mastjahren kann es zu zwei Würfen kommen. Die Jungen bleiben etwa 10-14 Tage im Nest, werden mir 2-4 Monaten entwöhnt und  im Freiland mit 18-24 Monaten geschlechtsreif [6; 10].

Gefährdung und Schutz

Wegen seiner weiten Verbreitung gilt das Pinselohrschwein aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), obwohl die Bestände abnehmen.

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Die Einfuhr aus den Ursprungsländern ist wegen der restriktiven Veterinärbestimmungen der EU so gut wie ausgeschlossen.

Bedeutung für den Menschen

Das Pinselohrschwein wird je nach Land mit unterschiedlicher Intensität zur Fleischgewinnung für den Eigenbedarf oder für den in seinem Ursprungsgebiet weit verbreiteten "Bushmeat"-Handel gejagt. Gebietsweise werden die Schweine auch wegen der Schäden bekämpft, die sie an Maispflanzungen anrichten [7].

Haltung

Eine Gemeinschaftshaltung mit anderen Tierarten ist grundsätzlich möglich, so z.B. mit Mangaben, Löffelhunden, Zebras, Watussirindern, Bongos sowie Hausschafen und -ziegen [6].

WEIGL gibt als Höchstalter für eine im Frankfurter Zoo gehaltene Wildfang-Bache über 22 Jahre an [9].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 70 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das seit 2001 bestehende Europäische Zuchtbuch (ESB) wurde am Zoo Duisburg geführt. Nach Umwandlung in ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) übernahm der Zoo Bristol die Koordination.

Nach Europa kamen die ersten Pinselohrschweine erst im Jahr 1852 und zwar in den Zoo London. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Zoo Frankfurt 1956 einen Keiler aus Spanisch Guinea, und 1959 die Bache "Helene" aus Léopoldville (Kinshasa), bekannt aus Bernhard GRZIMEK's Buch "Kein Platz für Wilde Tiere" [1], die beide recht lange gehalten wurden. Auch der Zoo Leipzig erhielt in den 50er Jahren Pinselohrschweine aus Spanisch Guinea [4]. Der Zoo Duisburg importierte 1975 bzw. 1977 ein Paar aus Togo. Dieses und seine Nachkommen werden tagsüber auf der 1'500 m² grossen Außenanlage des Afrikanums gemeinsam mit Watussirindern, Damaraziegen und Schwarzkopfschafen gehalten. Die Schweine überwältigen gelegentlich bis zu sechs Monate alte Schaf- und Ziegenlämmer und fressen sie auf, wobei sie ihre Beute mit einem Vorderlauf festhalten [5].

Forschung im Zoo: Das Pinselohrschwein ist gelegentlich Gegenstand von Forschungsarbeiten. So wurden z.B. im Zoo Berlin Verhaltensstudien durchgeführt, und im Allwetterzoo Münster wurde mittels endokrinologischer Untersuchungen der Einfluss von Besuchern auf das Verhalten und Wohlergehen der Schweine geprüft [2; 3].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Pinselohrschweine ein Außengehege von 60 m² und ein Innengehege von 4 m² mit einem Wasser- und Schlammbecken vorhanden sein muss. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser- und ein Schlammbecken unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur weiteren Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen. Eine derartige Ausstattung der Innengehege drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Als Alternative bietet sich an, die Tiere regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu duschen. Darüber, wie häufig Pinselohrschweine im Außengehege baden, gehen die Angaben Pinselohrschweine haltender Zoos auseinander. Pinselohrschweine haben in der Regel während des ganzen Jahres Auslauf im Freien. Aus diesem Grund ist auch die geforderte Mindesttemperatur von 18°C nicht angebracht. Die Erfahrung in mehreren Zoos zeigt, dass, wenn keine kleinen Jungtiere da sind oder keine Geburten erwartet werden, eine mittlere Raumlufttemperatur von 14-15°C zweckmäßiger ist, wenn Auslauf gewährt wird bzw. die Tiere die freie Wahl haben, denn zu große Temperaturdifferenzen zwischen Innen- und Außengehege sind riskant. Für weitere Adulttiere sind nach Gutachten außen 10 und innen 2 m² zusätzlich erforderlich. Für ein weiteres "Zuchttier" sollen im Außengehege 40 m² mehr gestellt werden, was nicht nachvollziehbar ist. Auch die Vorgabe, dass Gehege grundsätzlich nur in Abwesenheit der Tiere betreten werden sollen, entspricht nicht der tiergärtnerischen Praxis.

In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2019) wird für 2 Tiere ein Gehege von 100 m² und ein Stall mit einer Fläche von 4 m² vorgeschrieben. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche außen um 20 m² zu erweitern. Für das Innengehege fehlt eine entsprechende Angabe. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs muss die Haltung paarweise oder in Gruppen erfolgen. Für 5 Adulttiere ist ein Außengehege von 200 m², ein Innengehege von 30 m³ sowie eine Wurfbox erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche außen um 20 m² zu erweitern. Für das Innengehege fehlt eine entprechende Angabe.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Pinselohrschwein wurde 1766 von Carl von LINNÉ unter dem Namen "Sus porcus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Potamochoerus wurde 1854 von John Edward GRAY, dem Kurator für Zoologie des Britischen Museums in London festgelegt. Zeitweilig wurden von Potamochoerus etwa 13-16 Unterarten unterschieden, die in zwei Gruppen unterteilt wurden, die bunteren pictus-Schweine aus West- und Zentralafrika und die choeropotamus-Schweine mit schwarzbraunem Fell und fahler Stirn aus dem südlichen und östlichen Afrika. Seit 1993 geht man von zwei Arten aus, der monotypischen Potamochoerus porcus und Potamochoerus larvatus mit heute noch drei Unterarten [8; 10].

Eigenartigerweise kam die erste Kunde vom Pinselohrschwein nicht aus seiner afrikanischen Heimat, sondern aus Brasilien: Der deutsche Naturforscher Georg MARCGRAV schrieb im Jahr 1664 an einer Naturgeschichte Brasiliens und bildete darin deutlich erkennbar ein Pinselohrschwein ab. Möglicherweise sind Pinselohrschweine von den Portugiesen bzw. Negersklaven nach Brasilien gebracht worden, konnten sich dort aber trotz ähnlichen klimatischen Bedingungen nicht halten. In seiner Beschreibung bezeichnet MARCGRAV das Schwein als "Porcus guineensis de Guinea in Brasiliam translatus". Merkwürdigerweise lebt Porcus guineensis im Englischen heute noch als die Bezeichnung für das Meerschweinchen (Guinea Pig) fort [4].

Literatur und Internetquellen

  1. GRZIMEK, B. (1954)
  2. HARMUTH, D. (1962)
  3. KALTHOFF, A. (2000)
  4. MOHR, E. (1960)
  5. NEUROHR, B. (1991)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. REYNA, R. et al. (2016). Potamochoerus porcus (errata version published in 2016). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41771A100469961. http://www.iucnredlist.org/details/41771/0. Downloaded on 25 May 2018.
  8. SEYDACK, A. (1991)
  9. WEIGL, R. (2005)
  10. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 2546 mal Letzte Änderung am Freitag, 16 Oktober 2020 07:35
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx