Schweine, Pekaris und Flusspferde

Warzenschwein

Westafrikanische Warzenschwein-Bache (Phacochoerus a. africanus) im Opel-Zoo Kronberg Westafrikanische Warzenschwein-Bache (Phacochoerus a. africanus) im Opel-Zoo Kronberg
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Nonruminantia) bzw. Schweineartige (Suina)
Familie: Schweine (Suidae)
Tribus: Warzenschweine (Phacochoerini)

Red list status Least concern

Warzenschwein

Phacochoerus africanus • The Warthog • Le phacochère

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Warzenschwein (Phacochoerus africanus) im Zoo Calgary © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung der Warzenschweine. Rot: Phacochoerus aethiopicus; dunkelblau: Phacochoerus africanus

 

 

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Warzenschwein-Überläufer (Phacochoerus q. africanus) im Opel-Zoo Kronberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Warzenschwein-Frischling (Phacochoerus a. africanus) im Zoo Osnabrück © Svenja Vortmann, Zoo Osnabrück (Pressefoto)

 

 

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Warzenschwein-Frischlinge (Phacochoerus a. africanus) im Opel-Zoo Kronberg © Archiv Opel-Zoo

 

 

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Zahme Südafrikanische Warzenschwein-Bache (Phacochoerus africanus sundevallii) in der Okonjima-Lodge, Otjiwarongo, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Besuch von Südafrikanischen Warzenschweinen (Phacochoerus africanus sundevallii) im Mabalingwe Resort © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Südafrikanisches Warzenschwein (Phacochoerus africanus sundevallii) nutzt im Ntshwonde Camp des Itala-Naturschutzgebiets ein Abflussrohr als Rückzugsort © Peter Dolliner, Zoo Office Bern

 

 

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Ostafrikanischer Warzenschwein-Keiler (Phacocgoerus africanus massaicus) in Gesellschaft von Pavianen auf den Karpalgelenken grasend im Nakuru-Nationalpark, Kenia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Westafrikanische Warzenschwein-Bache (Phaciochoerus africanus) mit Frischlingen im Zoo Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

 

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Im "Knien" säugende Westafrikanische Warzenschwein-Bache (Phaciochoerus a. africanus) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Warzenschwein-Keiler (Phacochoerus africanus) im Opel-Zoo Kronberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Westafrikanische Warzenschweine (Phacochoerus a. africanus) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Gehege für Warzenschweine (Phacochoerus a. africanus) im Opel-Zoo Kronberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Warzenschweine sind keine gefährdete Tierart, finden aber wegen ihres Erscheinungsbilds und ihres Verhaltens das Interesse des Zoopublikums. Sie würden sich daher gut als Botschafter für die Erhaltung der Biodiversität in den Trockenwäldern, Savannen und Grasländern Afrikas eignen, werden aber trotz Zuchtbuch nicht allzu häufig in unseren Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Warzenschweine sind mittelgroße Schweineartige mit einer Kopf-Rumpflänge von 125-150 cm und einem Gewicht von 60-100(-150) kg bei den Keilern bzw. von 105-140 cm und 50-65(-75) kg bei den Bachen, Schwanzlängen von 35-50 cm und Schulterhöhen von 55-85. Der Schädel ist massig und breit, die oberen Eckzähne sind weit ausladend nach außen und oben geschwungen. Namengebend sind die paarigen Warzen am Kopf, die bei den Bachen nur schwach ausgebildet sind. Ältere Keiler haben große, bis 15 cm lange, zapfenförmige Warzen unter den Augen und ein Paar kleinere zwischen Maulwinkel und Auge. Bis auf eine schwarze, braune oder rötliche Nacken- und Rückenmähne und allenfalls weiße Backenbärte sind die Tiere nur schwach behaart. Die Haut ist grau, Unterhautfettgewebe ist kaum vorhanden. Die Vorderläufe haben auf dem Karpalgelenk eine breite Schwiele. Der Schwanz trägt in der Regel eine Endquaste. Warzenschweine können weder schwitzen noch hecheln. Sie können aber ihre Körpertemperatur von etwa 34-41ºC variieren [3; 5; 9].

Verbreitung

Afrika südlich der Sahara: Angola, Äthiopien,Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Dschibuti, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Kongo, Dem. Rep. Kongo, Liberia, Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Nigeria, Ruanda, Sambia, Senegal, Sierra Leone, Simbabwe, Südafrika, Sudan, Südsudan, Swasiland, Tansania, Togo, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik. In Niger möglicherweise ausgestorben [1].

Lebensraum und Lebensweise

Warzenschweine besiedeln Trockenwälder, Savannen, Busch und Grasländer. Im Gebirge gehen sie stellenweise bis auf eine Höhe von 3'000 m. Ihre Raumnutzung und Aktivitätsphasen sind in erster Linie durch die Umgebungstemperaturen geprägt, die in Teilen ihres Areals bis auf den Gefrierpunkt absinken oder bis auf 55ºC steigen können. Die Tiere sind tagaktiv und suchen bei sehr hohen oder sehr tiefen Temperaturen oder bei Regen Schutz in ihren Bauen, die sie selten selbst graben, sondern z.B. von Erdferkeln übernehmen. Zur Abkühlung wird gebadet oder gesuhlt. Hauptnahrung sind kurze Gräser, die sie mit ihren festen Lippen dicht über dem Boden anrupfen. Zum Grasen lassen sie sich auf ihre Handgelenke nieder. Nebst Gras wird auch anderes pflanzliches sowie tierisches Material gefressen. Grundlegende soziale Einheit ist die Mutterfamilie, aber mehrere Bachen können sich zusammenschließen und ihren Nachwuchs gemeinsam führen. Keiler verlassen in der Regel mit 2 Jahren den Verband. Sie leben dann einzeln oder in Junggesellengruppen und schließen sich Bachen nur an, wenn diese rauschig sind. Warzenschweine sind sehr schnelle Läufer, Erwachsene flüchten deshalb voir Löwen nicht in ihren Bau, sondern suchen ihr Heil in der Flucht [5; 9].

Nach einer Tragzeit von 160-170 Tagen werden in einer Wohnhöhle meist 2-3, selten 1-8 Junge mit einem Gewicht von 330-910 g geboren. Diese haben etwas mehr Haare als die Erwachsenen, aber kein gestreiftes Jugendkleid. Sie werden mit 18 Monaten geschlechtsreif. Die Geburtsintervalle betragen etwa ein Jahr [4; 5; 9].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung und kommt in zahlreichen Schutzgebieten vor. Sie gilt daher nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), obwohl die meisten Bestände abnehmen. Andererseits dehnt sie in Südafrika ihr Areal aus [1].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt. Die Einfuhr aus den Ursprungsländern ist aber heute wegen tierseuchenrechtlicher Bestimmungen so gut wie ausgeschlossen.

Bedeutung für den Menschen

Das Warzenschwein wird zur Gewinnung von Fleisch und Häuten, im Rahmen der Trophäenjagd, als Köder für die Jagd auf Großraubwild oder zur Verringerung des Weidedrucks und sonstiger negativer Auswirkungen auf die Landwirtschaft bejagt [1].

Haltung

Eine Gemeinschaftshaltung mit anderen Tierarten ist grundsätzlich möglich, so z.B. mit Straußen, Zebras, Breitmaulnashörnern, Watussirindern und diversen Antilopen [4].

WEIGL gibt als Höchstalter für eine im Zoo von Pretoria geborene Bache 20 Jahre und 10 Monate an [7].

Warzenschweine können zwar sehr zahm werden, bleiben aber wegen ihrer scharfen Hauer stets gefährlich. In Frankfurt kam es mehrmals zu Unfällen und in Duisburg wurde gar ein Tierpfleger von einem isoliert gehaltenen Warzenschwein-Keiler getötet.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 35 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Sechstel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Als Zoologischer Assistent am Zoo Frankfurt hat der nachmalige Direktor des Berliner Zoos, Hans FRÄDRICH, das Verhalten von Warzenschweinen im Nairobi-Nationalpark erforscht. Auch der ehemalige Verwaltungsratspräsident des Zoo Basel, Rudolf GEIGY, befasste sich am Forschungsinstitut Ifakara (Tansania) mit Warzenschweinen und wurde wegen seines wissenschaftlichen - und waidmännischen - Interesses an dieser Tierart mit dem Suahelinamen "Bwana Ngiri" (Herr Warzenschwein) bedacht. Frankfurt und Basel gehörten denn auch mit zu den ersten Zoos, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Warzenschweine zeigen konnten, allerdings kam es nur in Frankfurt ab 1959 zur Zucht.

Das Europäische Zuchtbuch (ESB) wird am Flamingo Land in Kirby Misperton in Yorkshire geführt.

Forschung im Zoo: Das Warzenschwein ist selten einmal Gegenstand von Forschungsarbeiten. So wurden z.B. im Zoo Berlin Verhaltensstudien durchgeführt [2].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Warzenschweine ein Außengehege von 60 m² und ein Innengehege von 4 m² mit einem Wasser- und Schlammbecken vorhanden sein muss. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser- und ein Schlammbecken unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur weiteren Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen. Eine derartige Ausstattung der Innengehege drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Warzenschweine haben in der Regel während des ganzen Jahres Auslauf im Freien. Aus diesem Grund ist auch die geforderte Mindesttemperatur von 18°C nicht angebracht. Die Erfahrung in mehreren Zoos zeigt, dass für exotische Schweine, wenn keine kleinen Jungtiere da sind oder keine Geburten erwartet werden, eine mittlere Raumlufttemperatur von 14-15°C zweckmäßiger ist, wenn Auslauf gewährt wird bzw. die Tiere die freie Wahl haben. Für weitere Adulttiere sind nach Gutachten außen 10 und innen 2 m² zusätzlich erforderlich. Für ein weiteres "Zuchttier" sollen im Außengehege 40 m² mehr gestellt werden, was nicht nachvollziehbar ist. Ferner fordert das Gutachten für Warzenschweine im Außengehege „Halbhöhlen“. Kurze Höhlen, die wohl gemeint sind, werden von Warzenschweinen im Freiland nur und – nebst eigentlichen Wohnhöhlen wie Erdferkelbaue - nachts zum Schlafen aufgesucht oder dienen Jungtieren als Zufluchtsort bei Gefahr durch Beutegreifer. Da im Zoo keine Fressfeinde im Gehege zu erwarten sind und die Tiere nachts Ställe zur Verfügung haben, ist diese Anforderung obsolet.

In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2019) wird für 2 Tiere ein Gehege von 100 m² und ein Stall mit einer Fläche von 4 m² vorgeschrieben. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche außen um 20 m² zu erweitern. Für das Innengehege fehlt eine entprechende Angabe. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs muss die Haltung paarweise oder in Gruppen erfolgen. Für 5 Adulttiere ist ein Außengehege von 200 m², ein Innengehege von 30 m³ sowie eine Wurfbox erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche außen um 20 m² zu erweitern. Für das Innengehege fehlt eine entprechende Angabe.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Warzenschwein wurde 1766 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS unter der Bezeichnung "Aper aethiopicus" erstmals wissenschaftlich beschrieben, wobei er als Herkunftsgebiet das südafrikanische Kapland angab. 1788 erfolgte unter dem Namen "Sus africanus" eine zweite Beschreibung durch den Göttinger Professor Johann Friedrich GMELIN, der die Verbreitung mit "Habitat in Africa a capite viridi ad caput bonae spei" (bewohnt Afrika vom Cap Vert (Senegal) bis zum Kap der Guten Hoffnung) angab. Der französische Naturforscher und Direktor der Ménagerie von Paris, Georges Frédéric CUVIER, stellte die Art 1826 in die heute noch gültige Gattung Phacochoerus. In der Folge ging man während über 170 Jahren davon aus, dass es eine einzige, Phacochoerus aethiopicus genannte Warzenschwein-Art mit mehreren Unterarten gäbe. Die Taxonomen der jüngsten Generation haben nun aber zwei Arten draus gemacht: Das Wüstenwarzenschwein (Phacochoerus aethiopicus) mit der in Südafrika vorkommenden, mittlerweile ausgestorbenen Nominatform und der Unterart delamerei vom Horn von Afrika und dazwischen auf einer Distanz von mindestens 3'500 km Luftlinie (!), das Gewöhnliche, nun Phacochoerus africanus genannte, Warzenschwein. Von letzterem werden 4 Unterarten unterschieden:

  • Phacochoerus a. africanus aus Westafrika
  • Phacochoerus a. aeliani aus Nordostafrika
  • Phacochoerus a. massaicus aus Ostafrika
  • Phacochoerus a. sundevallii aus dem Südlichen Afrika [3; 6; 8; 9]

Literatur und Internetquellen

  1. DE JONG, Y. A. et al. (2016). Phacochoerus africanus (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41768A109669842. http://www.iucnredlist.org/details/41768/0. Downloaded on 25 May 2018.
  2. HARMUTH, D. (1962)
  3. MOHR, E. (1960)
  4. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  5. RADKE, R. (1991)
  6. RANDI, E., D'HUART, J.-P., LUCCHINI, V. & AMAN, R. (2002)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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