Unpaarzeher

Grévyzebra

Grevyzebra-Hengst (Equus grevyi) im Kölner Zoo Grevyzebra-Hengst (Equus grevyi) im Kölner Zoo
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERiA
Ordnung: Unpaarzeher (PERISSODACTYLA)
Familie: Pferdeartige (Equidae)

Red list status endangered

Grévyzebra

Equus grevyi • The Grevy's Zebra • Le zèbre de Grévy

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Grévyzebra (Equus grevyi) im Safari Beekse Bergen, Hilvarenbeek © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Grévyzebras (Equus grevyi)

 

 

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Grévyzebra (Equus grevyi) im Safari Beekse Bergen, Hilvarenbeek © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Grévyzebras (Equus grevyi) im Safari africain de Sigean © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Grévyzebrastute (Equus grevyi) im Zoo Augsburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Grévyzebrastute (Equus grevyi) mit Fohlen im Zoo Edinburgh © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Grévyzebrastute mit Fohlen (Equus grevyi) im Zoologisch-Botanischen Garten Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Junges Grévyzebrafohlen (Equus grevyi) mit teilweise noch rotbraunen Streifen im Zoologisch-Botanischen Garten Mülhausen im Elsass © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Grévyzebra (Equus grevyi) im Safari africain de Sigean © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Grévyzebrasute (Equus grevyi) mit Fohlen in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Grévyzebrasute (Equus grevyi) mit Fohlen in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Grévyzebrafohlen (Equus grevyi) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

 

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Grévyzebras (Equus grevyi) im Schnee, Zoo Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Grévyzebra (Equus grevyi) im Zoo Berlin, Zeichnung Wilhelm Eigener, 1939. Public Domain.

 

 

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Als attraktiv gezeichnete und größte wilde Equidenform findet das Grévyzebra viel Beachtung beim Zoopublikum. Es eignet sich daher bestens als Botschafter für Natur- und Artenschutz in Ostafrika. Die Art selbst ist stark gefährdet. Die Zoos haben deshalb ein Internationales Zuchtbuch und regionale Erhaltungszuchtprogramme eingerichtet. Deren Bestand entspricht etwa 20% des Wildbestands und stellt so eine wichtige Populationsreserve dar.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Grévyzebra erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 250-275 cm, eine Schwanzlänge von 38-75 cm, eine Schulterhöhe von 140-160 cm und ein Gewicht von 350-450 kg. Damit ist es der größte Wildequide. Sein Kopf ist klobig, die Ohren groß und tütenförmig. Die Mähne ist lang, die Kastanien an den Vorderläufen sehr klein. Die dichte und enge Streifung geht bis an die Hufe. Der Bauch und ein "Spiegel" um die Schwanzwurzel sind ungestreift. Ein breiter Aalstrich mit verlängerten Haaren zieht sich über Rücken und obere Schwanzhälfte. Beim Fohlen, dessen Streifen anfänglich nicht schwarz, sondern rotbraun sind, ist er als Mähne ausgebildet [10].

Verbreitung

Nordostafrika: Äthiopien, Kenia. In Dschibuti, Erithrea und Somalia bereits ausgerottet [6].

Lebensraum und Lebensweise

Das Grévyzebra besiedelt arides und semi-arides Grasland und Dornsvannen mit Akazien (Acacia spp.) und Myrrhenbäumen (Commiphora africana) in Höhenlagen zwischen 300 und 2'700 m. ü. M.. Es frisst hauptsächlich Gras, während der Trockenzeiten oder in überweideten Gebieten können aber Blätter und Zweige bis zu einem Drittel der Nahrung ausmachen. Dominante Hengste verteidigen Territorien mit einer Fläche von 2-12 km², die für die Stuten wichtige Ressourcen einschließen. Nicht-territoriale Tiere nutzen bis zu 10'000 km² als Streifgebiet, wobei sie bei Bedarf an einem einzigen Tag bis zu 35 km weit wandern. Die Stuten leben in nicht-stabilen Gruppen, die sich jederzeit auflösen können. Fohlen können das ganze Jahr anfallen, der Höhepunkt der Fortpflanzungsperiode liegt im April-Juni. Nach einer Trächtigkeit von im Mittel 421 Tagen wird in der Regel ein einzelnes Fohlen mit einem Gewicht von 30-40 kg geworfen. Manche Stuten werden kurz nach der Geburt wieder gedeckt (Fohlenrosse), andere erst nach einem Jahr [4; 6; 10].

Gefährdung und Schutz

Bei keinem anderen Säugetier in Afrika hat sich das Verbreitungsgebiet in den letzten Jahrzehnten derartig verkleinert wie beim Grévyzebra. Parallel dazu sind auch die Bestände dramatisch zurückgegangen. Ende der 70er noch auf 15'600 Tiere geschätzt, schrumpfte die Gesamtpopulation auf heute rund 2'600. Seit 1986, letztmals überprüft 2016, gilt die Art daher als stark gefährdet (Rote Liste: ENDANGERED). Bis zur Aufnahme in CITES Anhang I war der Hauptgrund für den Rückgang die nicht nachhaltige Bejagung wegen der als Wandschmuck oder Teppiche geschätzten Felle. Heute spielen Lebensraumzerstörung und Konkurrenz mit der lokalen Bevölkerung und ihrem Vieh um Wasser die Hauptrolle [6].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt. Bereits seit 1979 fällt das Grévyzebra unter Anhang I des Bonner Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten.

Zoogestützte Artenschutzprojekte: Es wurden verschiedene Schutzprojekte initiiert, die wesentlich von Zoos mitgetragen werden. So beteiligt sich die Stuttgarter Wilhelma über den Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma an der Finanzierung des Lewa Wildlife Conservancys in Nordkenia. Auch der Zoo Zürich leistet wesentliche Beiträge an die Ausrüstung und Löhne der Wildhüter des Conservancys. Er hat zum Beispiel das Umrüsten eines Helikopters finanziert, damit dieser auch nachts fliegen kann. Der Kölner Zoo, Zoo und Zoostiftung Berlin, Zoo Augsburg und die Wilhelma Stuttgart unterstützten die Entwicklung eines Computerprogramms, das die Streifenzeichnung eines Zebras liest, in einer Datei speichert und mit schon vorhandenen Fotos vergleicht. Weil das Streifenmuster eines jeden Grévyzebras einmalig ist, kann es wie ein menschlicher Fingerabdruck zur Identifizierung individueller Tiere genutzt werden [5].

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: In Kenia und Äthiopien werden Grévyzebras trotz bestehender Verbote im Rahmen der Subsistenzwirtschaft zur Gewinnung von Fleisch und von Körperteilen für die Zwecke der traditionellen Medizin gejagt. Der kommerzielle Handel mit Fellen konnte unterbunden werden [6].

Haltung

Das erste Grévyzebra, das Europa lebend erreichte, wurde 1891 vom Äthiopischen Kaiser MENELIK II. dem Präsidenten der französischen Republik, Jules GRÉVY geschenkt und in der Ménagerie des Jardin des Plantes zu Paris ausgestellt. 1898 kam ein zweites Tier, ebenfalls als Geschenk MENELIKs an den französischen Präsidenten, mittlerweile Félix FAURE, in Paris an und wurde im Jardin d'Acclimatation im Bois de Boulogne untergebracht [7].

Grévyzebras können unter Zoobedingungen ein Alter von über 30 Jahren erreichen. Als Altersrekord werden rund 31 Jahre für eine Stute angegeben, die 1964 als Fohlen durch die Firma RUHE importiert worden war und 1995 im Marwell-Zoo bei Winchester starb [9].

Es gibt ein Internationale Zuchtbuch (ISB) für das Grévyzebra, das am Marwell-Zoo geführt wird. Darin sind 522 lebende Grévyzebras in 118 Einrichtungen erfasst [IZY 52, Daten bis Dezember 2016].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 60 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Seit 1990 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) das vom Marwell-Zoo koordiniert wird.

Wie Grevyzebras gehalten werden (Beispiel): Afrika-Savanne im Zoo Salzburg ZOOLEX Gallery

Forschung im Zoo: An Grévyzebras werden immer wieder Forschungsarbeiten durchgeführt, die hauptsächlich der Optimierung der Haltung und der Erhaltungszucht dienen, so z.B. über den Einfluss von Haltungsbedingungen auf endokrine Stressparameter [8], über die Zyklus- und Graviditätsdiagnostik durch Bestimmung der Gestagene im Kot [3], über die Gewinnung, Beurteilung und Konservierung von Sperma [2] oder über veterinärmedizinische Aspekte [1].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für das Außengehege eine Mindestfläche von 1'000 m² für 5 Tiere vor, für jedes weitere 100 m² zusätzlich. Für die zeitweilige Abtrennung des Hengstes oder unverträglicher Tiere sollte ein Abtrenngehege von 150 m² mit Sichtschutz vorhanden sein. Für nicht winterharte Equiden galt nach Säugetiergutachten’96 eine Mindeststallfläche von 5 m². Das ist knapp und eine Erhöhung erschien angezeigt, obwohl in einzelnen Zoos Equiden ohne offensichtliche Probleme in Boxen von 5 m² gehalten werden. Das Gutachten von 2014 gibt nun Dimensionen für Einzelboxen vor, die sich anhand einer Formel mit der Widerristhöhe als Parameter errechnen. Eine solche Formel mag für Reitpferde zweckdienlich sein, denn diese werden oft nur einmal pro Woche bewegt. Zebras im Zoo haben jedoch in aller Regel täglich Auslauf, während des größten Teils des Jahres 10 bis 24 Stunden pro Tag. Die Übernahme von Regeln zur Haltung von domestizierten Tieren für Wildtiere ist daher hier nicht sinnvoll. Zudem resultieren Boxengrößen, die im Vergleich mit Boxen für Antilopen oder Wildrindern überproportional hoch sind: Steppenzebrastute (Widerristhöhe ca. 150-160 cm) mit Fohlen: 11.9-13.54 m², Elenantilopenkuh (Widerristhöhe ca. 150 cm) mit Kalb: 5.00 m². Für Grévyzebras erscheinen daher und aufgrund von Tierhaltererfahrung Einzelboxen von 8 m² ausreichend.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Grévyzebrastuten ein Außengehege mit einer Mindestfläche von 500 m² vor. Eine Angabe für weitere Stuten fehlt, es ist anzunehmen, dass 80 m² pro Tier gefordert sind. Zusätzlich ist ein Abtrenngehege von 150 m² für den Hengst vorzusehen. Im temperierten Stall sind Einzelboxen von 8 m²/Tier notwendig. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) fordert für bis zu 5 Tieren ein Außengehege von 800 m², für jedes weitere Tier 80 m² mehr. Junghengste und Jungstuten müssen von der Herde getrennt gehalten werden können. Die Vorschriften für die Innengehege sind in Anbetracht der Sozialstruktur der Grévyzebras wenig sinnvoll: Für ein Paar ist eine Stallfläche von 20 m² notwendig, für jedes weitere Tier 2 m² mehr, d.h. für 5 Tiere 26 m², und es ist für Abtrennmöglichkeiten zu sorgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Grévyzebra wurde erst 1882 vom französischen Zoologen Émile OUSTALET aus Montbéliard unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben und nach dem französischen Staatspräsidenten François Paul Jules GRÉVY benannt, der von Kaiser MENELIK II. von Abessinien ein solches Tier als Geschenk erhalten hatte. Dieses kam zwar nicht lebend in Frankreich an, aber seine konservierten Überreste dienten als Grundlage für die wissenschaftliche Beschreibung. Im Lauf der Zeit wurden zahlreiche Vorschläge gemacht, die Art in einer eigenen Gattung unterzubringen (Dolichohippus, Grevya, Ludolphozecora, Megacephalon, Megacephalonella), was aber nicht funktioniert hat. Molekulargenetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass grevyi in dieselbe Klade gehört wie das Steppen- und das Bergzebra [10; 11].

Literatur und Internetquellen

  1. ABDEL-GAWAD, E. (2007)
  2. FRANCKE, R. (1989)
  3. KALLERT, G. (2004) 
  4. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  5. RADEMACHER, U & LANGENHORST, T. (2006)
  6. RUBENSTEIN, D. e al. (2016). Equus grevyi. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T7950A89624491. http://www.iucnredlist.org/details/7950/0. Downloaded on 24 May 2018.
  7. SCHÜRER, U. (2019)
  8. TRAPP, J. (2011)
  9. WEIGL, R. (2005)
  10. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  11. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 2434 mal Letzte Änderung am Samstag, 08 Juni 2019 14:22
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