Unpaarzeher

Somali-Wildesel

Somali-Wildeselhengste im Kölner Zoo Somali-Wildeselhengste im Kölner Zoo
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERiA
Ordnung: Unpaarzeher (PERISSODACTYLA)
Familie: Pferdeartige (Equidae)

Red list status critically endangered

EEPSomali-Wildesel

Equus africanus somaliensis • The Somali Wild Ass • L'âne sauvage de Somalie

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Somali-Wildesel (Equus africanus somaliensis) im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Verbreitung des Afrikanischen Wildesels (Equus africanus somaliensis). Dunkelblau: aktuelle Verbreitung, mittelblau: mögliche Vorkommen

 

 

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Somali-Wildesel (Equus africanus somaliensis) im Winterfell im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Somali-Wildesel (Equus africanus somaliensis) im Sommerfell im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Somali-Wildesel (Equus africanus somaliensis) im Zoo Dvůr Králové © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Somali-Wildesel (Equus africanus somaliensis) im Zoo Dvůr Králové © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Somali-Wildesel (Equus africanus somaliensis) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Somali-Wildesel (Equus africanus somaliensis) im ZooParc de Beauval © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Somali-Wildeselfohlen (Equus africanus somaliensis) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

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Somaliesel-Stute (Equus africanus somaliensis) mit Fohlen im Tierpark Berlin © Tierpark Berlin (Pressefoto)

 

 

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Somaliesel-Stute (Equus africanus somaliensis) mit Fohlen im Tierpark Berlin © Tierpark Berlin (Pressefoto)

 

 

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Somaliesel-Stute (Equus africanus somaliensis) mit Fohlen im Zoo Basel © Zoo Basel (Pressefoto)

 

 

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Equus taeniopus Heuglin 1861. Illustration zur Originalbeschreibung . Public Domain.

 

 

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Steppenesel (E. a. "taeniopus"). Illustration aus Brehms Tierleben, 1891.

 

 

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Nubischer Wildesel (Equus africanus nubicus) im Zoo Berlin. Zooführer aus dem Jahr 1899. Public Domain.

 

Weitere Bilder auf BioLib

Der Afrikanische Wildesel ist der Vorfahre unseres Hausesels und als solcher von großem zoopädagogischem Interesse. Die Art ist vom Aussterben bedroht und die Zoos haben deshalb ein Internationales Zuchtbuch und regionale Erhaltungszuchtprogramme eingerichtet.

Körperbau und Körperfunktionen

Afrikanische Wildesel erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 195-205 cm, eine Schwanzlänge von 40-45 cm, eine Schulterhöhe von 115-140 cm und ein Gewicht von 270-280 kg. Der Somali-Wildesel ist die größere der beiden heute unterschiedenen Formen. Zumindest die Tiere der Zoopopulation zeichnen sich durch das Fehlen von Schulterkreuz und Aalstrich und das Vorhandensein von Beinstreifen aus. Aber siehe dazu die Bemerkungen unter Taxonomie und Nomenklatur. Ansonsten ist das Fell grau oder graugelb, Schnauze (Mehlmaul), Bauch und Beininnenseiten sind weiß, Schwanzquaste und Ohrspitzen schwarz. Die lange, aufrechtstehende Mähne ist an der Basis weiß, an der Peripherie schwarz [2; 6; 7].

Verbreitung

Nordostafrika: Äthiopien und Eritrea. Möglicherweise hat es noch Restbestände in Ägypten, Dschibuti, Somalia und dem Sudan, aber  dazu gibt es kaum neuere Informationen. Im ägyptischen Nationalpark Gebel Elba gibt es Esel, die phänotypisch dem Nubischen Wildesel entsprechen. Ob und inwieweit diese Population Haustierblut enthält, ist abzuklären [13; JB 2016 Akademie für Zoo- und Wildtierschutz e.V.].

Lebensraum und Lebensweise

Die Afrikanischen Wildesel besiedeln steinige Wüsten und Halbwüsten mit Dornbüschen und harten Gräsern bis auf eine Höge von 2'000 m. Mutterfamilien sind die einzigen stabilen sozialen Einheiten. Die Stuten können sich zeitweilig mit anderen Stuten oder Hengsten zusammenschließen. Die Hengste leben oft solitär und können sich territorial verhalten. Nach einer Tragzeit von 390 (364-406) wird in der Regel ein einzelnes Fohlen mit einem Geburtsgewicht um die 25 kg geboren. Dieses wird mit 6-8 Monaten entwöhnt. Die Geburtsintervalle liegen meist bei etwa 2 Jahren. [2; 3; 8].

Gefährdung und Schutz

Der Afrikanische Wildesel galt ab 1986 als stark gefährdet und wurde im Jahr 1996, erneut überprüft 2008, als unmittelbar vom Aussterben bedroht (CRITICALLY ENDANGERED) eingestuft. Es wird davon ausgegangen, dass es in Äthiopien und Eritrea maximal noch 200 (70-600) erwachsene Tiere gibt  [5].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt. Wildfänge sind seit vielen Jahren nicht mehr aus ihren Ursprungsländern ausgeführt worden. Die ganze ex situ-Population besteht heute aus Nachzuchttieren. Seit 2017 fallen die Afrikanischen Wildesel unter Anhang I des Bonner Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt (Beispiel):

  • Der Bestand der Somali-Wildesel hat in Eritrea von 1992 bis 2012 um über 90% abgenommen.  Ein Projekt über die Populationsdynamik, den Bestand und die Verbreitung in Eritrea, in dessen Rahmen ab 2016 eine 2020 veröffentlichte Dissertation erarbeitet wurde, liefert wertvolle Kenntnisse über die Biologie der Wildesel unsd für das Verständnis ihrer Ansprüche an den Lebensraum. Auf dieser Grundlage können Schutzbestimmungen für Teilgebiete erarbeitet werden. Ziel ist es, das Ökosystem zu erhalten, die Wildesel zu schützen und die Nahrungsressourcen für die lokale Bevölkerung langfristig zu sichern. Der Zoo Basel unterstützte das Projekt seit 2013.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Der Wildesel wird im Rahmen der Subsistenzwirtschaft zur Fleischgewinnung gejagt. Körperteile werden für die Zwecke der traditionellen Medizin eingesetzt [13].

Kulturelle Bedeutung: TACITUS schrieb den Juden eine Eselsverehrung zu, was aber von anderen Autoren bestritten wurde. Immerhin wird der Wildesel verschiedentlich im Alten Testament erwähnt. Im antiken Rom wurden Wildesel wie viele andere Wildtiere für Darbietungen und Schaukämpfe in der Zirkusarena eingesetzt. Kaiser GORDIANUS (Amtszeit 238-244) hielt 20 Wildesel in seinem Tierpark [5].

Haltung

Somali-Wildesel können unter Zoobedingungen ein Alter von über 30 Jahren erreichen. Die Altersrekorde halten eine im Zoo Basel geborene Stute mit 31 Jahren, 1 Monat und 28 Tagen und eine im Tierpark Berlin geborene mit 30 Jahren und 6 Monaten. Beide Tiere starben nicht eines natürlichen Todes, sondern wurden aufgrund veterinärmedizinischer Indikationen eingeschläfert [9; 14].

Es gibt ein Internationales Zuchtbuch (ISB) für den Somali-Wildesel, das am Zoo Basel geführt wird. Es umfasste am 31. Dezember 2017 290 lebende Tiere in 57 Einrichtungen [14].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 30 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Seit 1989 existiert ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom Zoo Basel koordiniert wird und 2020 zu einem New Style EEP umgewandelt wurde. Die EEP Population umfasste 2020 167 lebende Tiere in 38 zoologischen Einrichtungen [14; 17}.
                
Der erste Somali-Wildesel, der in einen europäischen Zoo gelangte, wurde vom Tierfänger Joseph Menges im Auftrag von Carl HAGENBECK 1882 in Somalia gefangen und nach Hamburg gebracht. HAGENBECK schreibt dazu: "In dieser (d.h. der 1882 gefangenen) Sammlung befand sich eine neue Art Wildesel aus dem Somaliland, mit schönem, blaugrau gezeichneten Fell und mit schwarzen, bis zum Oberkörper reichenden Streifen an den Beinen. Die Zoologen wollten indes merkwürdigerweise von der Neuheit dieser Spezies nicht viel wissen." Der fragliche Esel wurde schließlich an den Zoo London verkauft [7].

1937 erhielt der Tierpark Hellabrunn vom Zoo in Rom 1.3 Esel, die als Nubische Wildesel eingestuft wurden. Es war letztlich aber nicht klar, ob es nicht "Unterart"-Hybriden oder gar Bastarde mit Hauseseln waren. Mit diesen Tieren wurde bis 1974 gezüchtet.  Die Haltung in München dauerte bis 1978. Aus dem Bestand waren Tiere an die Catskill Game Farm in den USA abgegeben worden aus denen sich eine größere Population in amerikanischen und asiatischen Zoos entwickelt, die noch mindestens 20 Jahre Bestand hatte [14; 18;  IZY].

Die heute in Europa lebenden Wildesel gehen ausnahmslos auf einen Import von 3 Hengsten und 2 Stuten im Jahr 1970 durch den Zoo Basel oder einen Import von 12 Eseln (von denen nicht alle zur Zucht gelangten) im Jahr 1972 in das Hai-Bar-Reservat in Israel zurück. Die Basler Tiere stammten aus dem Nogal-Tal in Somalia, die nach Israel eingeführten aus der Danakil-Wüste in Äthiopien [5].

Forschung im Zoo: An Somali-Wildeseln werden immer wieder Forschungsarbeiten durchgeführt, so z.B. zu Sozialstruktur und Fortpflanzungsverhalten unter Gehegebedingungen [3; 4], zur Genetik [2] oder zu veterinärmedizinischen Aspekten [1].

Mindestanforderungen an Gehege: Für nicht winterharte Equiden galt nach Säugetiergutachten’96 eine Mindeststallfläche von 5 m². Das war knapp und eine Erhöhung erschien angezeigt, obwohl in einzelnen Zoos Equiden ohne offensichtliche Probleme in Boxen von 5 m² gehalten wurden. Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt nun Dimensionen für Einzelboxen vor, die sich anhand einer Formel mit der Widerristhöhe als Parameter errechnen. Eine solche Formel mag für Reitpferde zweckdienlich sein, denn diese werden oft nur einmal pro Woche bewegt. Wilddesel im Zoo haben jedoch in aller Regel täglich Auslauf, während des größten Teils des Jahres 10 bis 24 Stunden pro Tag. Die Übernahme von Regeln zur Haltung von domestizierten Tieren für Wildtiere ist daher hier nicht sinnvoll. Zudem resultieren Boxengrößen, die im Vergleich mit Boxen für Antilopen oder Wildrindern überproportional hoch sind: Somalieselstute (Widerristhöhe ca. 140 cm) mit Fohlen: 10.37 m², Elenantilopenkuh (Widerristhöhe ca. 150 cm) mit Kalb: 5.00 m². Für Somali-Wildesel erscheinen daher und aufgrund von Tierhaltererfahrung Einzelboxen von 7 m² ausreichend.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) schreibt für bis zu 5 Wildeseln ein Außengehege mit einer Mindestfläche von 500 m², für jedes weitere Tier 80 m² mehr vor. Pro Tier ist eine Innenbox von 8 m² erforderlich. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) fordert für bis zu 5 Tieren ein Außengehege von 800 m², für jedes weitere Tier 80 m² mehr. Für ein Paar ist eine Stallfläche von 20 m² notwendig, für jedes weitere Tier 2 m² mehr, d.h. für 5 Tiere 26 m², und es ist für Abtrennmöglichkeiten zu sorgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Carl von LINNÉ vergab 1758 den Namen Equus asinus für den Hausesel. Dieser gehört zwar zur selben Art wie die Afrikanischen Wildesel, doch da man nicht die Haustiernamen für Wildformen verwenden sollte, ist für die Art heute zumeist die von HEUGLIN und FITZINGER auf den Wildesel angewandte Bezeichnung Equus africanus in Gebrauch. In Anwendung der BOHLKEN-Nomenklatur heißt der Hausesel daher Equus africanus f. asinus. Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass es zwei rezente Unterarten des Afrikanischen Wildesels gibt: den Nubischen Wildesel (Equus africanus africanus), mit etwa 120 cm Stockmass, Schulterkreuz und ohne Beinstreifen, sowie den etwa 140 cm hohen Somali-Wildesel (Equus africanus somaliensis) ohne Schulterkreuz und mit Zebrastreifen an den Beinen. Der württembergische Afrikaforscher Martin Theodor von HEUGLIN (1824-1876) hatte 1861 eine dritte Form, den "Equus taeniopus" beschrieben, der sowohl ein Schulterkreuz als auch Beinstreifen aufwies. Dummerweise war der genaue Fundort dieses Tieres nicht bekannt, die Richtigkeit der Originalabbildung, auf welcher der Esel ein hauseselartiges, breites Schulterkreuz zeigte, wurde angezweifelt, und in Brehms Tierleben von 1891 wurde eine Abbildung als "Steppenesel" gezeigt, für die ein ägyptischer Reitesel des Zoologischen Gartens Berlin Modell gestanden haben soll. Es setzte eine ausgedehnte wissenschaftliche Debatte um den Status dieser "taeniopus"-Form ein. Wenn es sie als valides Taxon gab, so ist sie jedenfalls heute ausgestorben. Es wird mittlerweile aber auch akzeptiert, dass es innerhalb ein und derselben Population Esel mit und ohne Schulterkreuz geben kann und dass es zwischen Somali- und Nubischem Wildesel Mischformen gibt bzw. eher gab, denn auch der Nubische Wildesel ist möglicherweise seit den 1970er Jahre ausgestorben. Verschiedene Autoren sind allerdings der Ansicht, man könne nicht von Unterarten reden, sondern von Variationen innerhalb einer Kline.  Eine weitere Form, der Atlas-Wildesel (Equus africanus atlanticus) dürfte seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. ausgestorben sein. Bei im 20. Jahrhundert im Tschad und in der Zentral-Sahara beobachteten Eseln wird angenommen, dass es sich um verwilderte Hausesel handelte [5; 8; 10; 11; 12; 15; 16].

Literatur und Internetquellen

  1. ABDEL-GAWAD, E. (2007)
  2. BAUCH, Ch. (2004)
  3. SCHNIDRIG, R. (1988) 
  4. SCHWARZENBACH, O. (2001)
  5. DENZAU, G. & H. (1999)
  6. GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
  7. HAGENBECK, C. (1908)
  8. HEUGLIN, Th. v. (1861)
  9. KERN, C. (2011)
  10. KRUMBIEGEL, I. (1958)
  11. LANG, E. M.  & v. LEHMANN, E. (1972)
  12. MOEHLMANN, P. D. (2002)
  13. MOEHLMAN, P.D., et al. (2015). Equus africanus. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T7949A45170994. http://www.iucnredlist.org/details/7949/0. Downloaded on 24 May 2018.
  14. STECK, B. (2018)
  15. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  16. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  17. EAZA EQUID TAG - REGIONAL COLLECTION PLAN 2020
  18. GIPPOLITI, S. (2014)

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