Wale und Robben

Walross

Weibliches PazifischesWalross (Odobenus rosmarus) in Hagenbecks Tierpark Weibliches PazifischesWalross (Odobenus rosmarus) in Hagenbecks Tierpark
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia) bzw. Robben (Pinnipedia)
Familie: Walrosse (Odobenidae)

D VU 650

Walross

Odobenus rosmarus • The Walrus • Le morse

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Pazifisches Walross (Odobenus rosmarus divergens) im Zoo am Meer, Bremerhaven © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Walrosses (Odobenus rosmarus)

 

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Weibliches Pazifisches Walross (Odobenus rosmarus divergens) im Tierpark Hagenbeck @ Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Pazifisches Walross (Odobenus rosmarus divergens) im Tierpark Hagenbeck @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Pazifische Walrosse (Odobenus rosmarus divergens) im Tierpark Hagenbeck @ Tierpark Hagenbeck / Lutz Schnier (Pressefoto)

 

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Pazifisches Walross (Odobenus rosmarus divergens) im ZooPark Moskau @ Klaus Rudloff, Berlin

 

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Pazifisches Walrösser (Odobenus rosmarus divergens) im ZooPark Moskau @ Klaus Rudloff, Berlin

 

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Pazifisches Walross (Odobenus rosmarus divergens) im Tierpark Hagenbeck @ Tierpark Hagenbeck

 

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Pazifisches Walross (Odobenus rosmarus divergens) im ZooPark Moskau @ Klaus Rudloff, Berlin

 

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Pazifisches Walross (Odobenus rosmarus divergens) im Tierpark Hagenbeck @ Klaus Rudloff, Berlin

 

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Pazifische Walrösser (Odobenus rosmarus divergens) im Tierpark Hagenbeck @ Götz Berlik / Tierpark Hagenbeck (Pressefoto)

 

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Walrossfigur aus Grünem Serpentin von Noah Parr, Nunavut, im Océanopolis Brest @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Walrosse sind ausgesprochen populäre Tiere und sind, wie andere zirkumpolar lebende Arten auch, in Zusammenhang mit dem Klimawandel von großem zoopädagogischem Interesse. Wegen ihres hohen Raum- und Futterbedarfs werden sie aber nur selten in europäischen Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Gesamtlänge von 310-375 bei den männlichen und 282-338 cm bei den weiblichen Tieren sowie Körpergewichten von 1'000-1'800 bzw. etwa 800-1'000 kg gehört das Walross zu den größten Robbenarten. Sein Kopf ist verhältnismäßig klein. Es hat keine äußeren Ohren. Auffällig ist der kräftige, aus 8-10 cm langen, steifen Borsten bestehende Oberlippenbart. Das Gebiss besteht aus 34 Zähnen, wobei die Schneidezähne meistens früh ausfallen. Die oberen Eckzähne sind wurzellos: Sie können bis zu einem Meter lang werden und bis 5 kg wiegen. Die hellbraune bis rötlich-braune Haut ist dick, faltig oder runzelig. Sie bei Jungtieren von einem dichten, weichen Haarkleid bedeckt, außer an den Innenflächen der Gliedmaßen. Bei Erwachsenen ist sie nackt oder nur schütter behaart. Die Vorderbeine sind gut beweglich, die Hinterbeine können an Land nach vorn geklappt werden [1; 2; 6].

Verbreitung

Arktis und Subarktis: Grönland, Kanada, Norwegen, Russland, Spitzbergen, USA [1; 3]. Im Mittelalter auf Island ausgerottet [7].

Lebensraum und Lebensweise

Walrosse sind im offenenen Meer, auf Packeis, in flachen Küstengewässern und auf Inseln zu finden. An Land bewegen sie sich unbeholfen, tauchen dagegen gut und tief. Sie sind extrem soziale Tiere, die an Land dicht bei dicht zu ruhen pflegen. Während der Paarungszeit bilden sich Haremsgruppen, auch während des übrigen Jahres leben sie in Familien- oder Junggesellengruppen oder in größeren Herden. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Muscheln, Schnecken und Kopffüßern, es werden aber auch Krebse, Manteltiere, Stachelhäuter und Fische, bisweilen auch Robben und Seevögel gefangen. Die Paarungen finden im Wasser statt. Die Tragzeit dauert 12 (-16) Monate, einschließlich einer Keimruhe. Die Jungen werden von Mitte April bis Mitte Juni geboren, sie werden 2-2.5 Jahre gesäugt. Die Geburtsintervalle betragen etwa 3 Jahre [1; 2; 3; 6].

Gefährdung und Schutz

Die globale Population ist zwar noch sehr groß, es gibt aber Hinweise, dass die Bestände namentlich der pazifischen Unterart zurückgehen. Die Ursache für diesen Rückgang wird im Klimawandel vermutet. Ansonsten sind aber nur sehr wenige Informationen über die Populationsgrößen und die Entwicklung der Bestände. Deshalb wird die pazifische Unterart gegenwärtig in der Kategorie "Ungenügende Datengrundlage" aufgeführt und die atlantische mit einem mutmaßlichen Bestand von etwa 25'000 Tieren als potenziell gefährdet eingestuft. In Anbetracht der projizierten, durch Klimaveränderung bedingten, weiteren Beeinträchtigung des  Lebensraums wird die Art insgesamt seit 2016 als gefährdet beurteilt (Rote Liste: VULNERABLE) [3].

Der internationale Handel ist nur in Kanada unter CITES Anhang III geregelt. Das Atlantische Walross ist eine streng geschützte Tierart nach Anhang II des Berner Übereinkommens.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Das Walross hat für die Polarvölker eine große wirtschaftliche Bedeutung. Es wurde seit jeher als Lieferant für Nahrung, Häute, Tran, Knochen und Elfenbein für den Eigenbedarf gejagt. Penisknochen z.B. wurden als Schäfte für Flintbeile verwendet [2]. Ab dem 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Walross auch kommerziell bejagt, was zu einer starken Abnahme der Bestände führte. Ab den 1970er-Jahren wurden die kommerzielle Jagd und der Handel mit Walrossprodukten eingeschränkt [3]. Auf Island, wo seit mindestens 7'500 Jahren eine isolierte Population existiert hatte, wurden die Walrosse von den im Jahr 870 auf der Insel eingetroffenen Wikingern heftig bejagt und waren zwischen 1200 und 1400 ausgerottet [7].

Kulturelle Bedeutung: Das Walross ist Gegenstand von Erzählungen der Polarvölker und wird in Schnitzereien aus Stein, Walrosselfenbein oder Knochen und Ritzzeichnungen dargestellt.

Haltung im Zoo

Die publizierten Höchstalter in Menschenobhut liegen bei 30-31 Jahren. Sie wurden im Zoo Hannover und im Delfinarium Harderwijk erreicht [5].

Haltung in europäischen Zoos:
Die Art wird gegenwärtig (2023) in 13 Zoos gehalten, die sich mehrheitlich in Russland befinden. Für Details siehe Zootierliste. Es gab ein Europäisches Zuchtbuch (ESB), das am Tierpark Hagenbeck geführt, aber 2022 aufgegeben wurde.

Von 1976 bis 2003 lebte in Hagenbecks Tierpark ein "Antje" genanntes Walross, von dem der NDR ab 1978 einen Kurzfilm als Pausenfüller zeigte. "Antje" wurde so populär, dass der NDR es von 1984-2001 in seinem Logo führte. Erst 2013 konnten nach zehnjähriger Pause im "Neuen Eismeer" wieder Walrosse in Hamburg gezeigt werden, wo es bereits 2014 zur deutschen Erstzucht kam. Seitdem wurden mehrere Kälber geboren, die aber nur zum Teil aufgezogen werden konnten. Da der Tierpark Hagenbeck mit "Odin" über den damals einzigen Zuchtbullen in EU-Raum verfügt, wurden im Dezember 2019 drei Walross-Kühe aus dem Oceanogràfic Valencia eingestellt. Diese wurden danach an den Tierpark Pairi Daiza in Belgien weitergehen, wo im Mai 2021 auch ein in Hamburg gezeugte Kalb zur Welt kam [8].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014  des BMEL macht die Vorgabe, dass für bis zu 5 Walrosse ein Becken mit einer Fläche von 300 m² und einer mittleren Tiefe von 4 m vorhanden sein soll sowie für jedes Tier ein gesonderter Liegeplatz an Land von 8 m². Für jedes weitere erwachsene Tier ist die Beckenfläche um 120 m² zu erhöhen. Weshalb Walrosse als Kontaktlieger gesonderte Liegeplätze benötigen, ist für die Tierschutzsachverständigen der Zoos nicht einsichtig.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.06.2023) schreibt für bis zu 3 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 250 m² vor. Die mittlere Beckentiefe wurde gegenüber der früheren Fassung der Verordnung von 3 auf 10 m erhöht! Ein derartiges Becken gibt es weltweit nicht und die Änderung wurde von der zuständigen Behörde nicht begründet. Sie ist auch nicht begründbar. Für jedes weitere Tier ist die Beckenfläche um 40 m² zu erweitern. Ferner ist ein Landteil von 15 m² pro Walross erforderlich.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2023) verlangt für ein Paar ein Becken mit einer Mindestfläche von 400 m² und einer Tiefe von 3 m, für jedes weitere erwachsene Tier ist die Fläche um 40 m² zu erhöhen. Es ist ein Landteil erforderlich, der es allen Walrossen erlaubt, sich gleichzeitig am Land aufzuhalten, ferner müssen Absperrboxen vorhanden sein, deren Maße sich nach der Körpergröße der Art richten.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Walross wurde 1759 von Carl von LINNÉ als "Phoca rosmarus" beschriebeb. Die Gattungsbezeichnung Odobenus (früher auch Odobaenus) geht auf den französischen Zoologen Mathurin-Jacques BRISSON zurück. Es gibt zwei Unterarten: das Atlantische (O. r. rosmarus) und das Pazifische (O. r. divergens) Walross [2; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. LOWRY, L. (2016). Odobenus rosmarus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T15106A45228501. http://www.iucnredlist.org/details/15106/0. Downloaded on 23 May 2018
  4. MARKOWSKI, S. (2013)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  7. KEIGHLEY, X., PÁLSSON, S., EINARSSON, B. F., PETERSEN, A., FERNÁNDEZ-COLL, M., JORDAN, P., OLSEN, M. T. & MALMQUIST, H. J. (2019)
  8. TIERPARK HAGENBECK und PAIRI DAIZA - DIVERSE PRESSEMITTEILUNGEN

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Kontaktliegende Atlantische Walrosse (Odobenus rosmarus rosmarus) auf Prins Karls Forland, Svalbard © Thomas Kauffels, Opel-Zoo Kronberg

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Gelesen 31568 mal Letzte Änderung am Dienstag, 28 März 2023 09:09
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