Wale und Robben

Seehund

Seehund (Phoca vitulina) mit Jungem im Tierpark Bochum Seehund (Phoca vitulina) mit Jungem im Tierpark Bochum
Pressefoto TP Bochum

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia) bzw. Robben (Pinnipedia)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)

Red list status Least concern

Seehund

Phoca vitulina • The Harbour Seal • Le phoque veau-marin

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Seehund (Phoca vitulina) im Parc animalier et botanique de Branféré, Le Guerno © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Seehunds (Phoca vitulina

 

 

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Seehund (Phoca vitulina) Junger Seehund im Tierpark Nordhorn © Stephan Konjer, Tierpark Nodhorn

 

 

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Seehund (Phoca vitulina) in der Seehundstation Friedrichskoog © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Seehund (Phoca vitulina) mit Jungem im Tierpark Bochum © TP Bochum (Pressefoto)

 

 

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Junger Seehund (Phoca vitulina) im Zoo Osnabrück © Svenja Vortmann / Zoo Osnabrück (Pressefoto)

 

 

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Seehundweibchen (Phoca vitulina) mit Jungem im Zoo Berlin © 2017 Zoo Berlin (Pressefoto)

 

 

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Seehund (Phoca vitulina), Albino im Tierpark Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Seehundbecken im Zoo am Meer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Seehund (Phoca vitulina)in der Seehundstation Friedrichskoog © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Seehunde (Phoca vitulina) im Zoo Saarbrücken © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Forschung zum Hörvermögen am Seehund (Phoca vitulina) im Tierpark Nordhorn © Franz Frieling, TP Nordhorn

 

 

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Seehund-Training mit Target und Pfeife im Zoo Zürich © Zoo Zürich (Pressefoto)

 

 

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Dank dem täglichen Training sind tierärztliche Untersuchungen im Zoo Zürich kein Problem © Zoo Zürich (Pressefoto)

 

 

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Seehunde (Phoca vitulina) im Tierpark Bochum © Tierpark Bochum

 

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Hohe, gewölbte Stirn, große Kulleraugen, kurze Schnauze -damit ist der Seehund ein Paradebeispiel für das Lorenz'sche Kindchenschema, somit ein Sympathieträger und dadurch ein idealer Botschafter für den Meeresschutz, Dies und die Tatsache, dass es sich um eine in Mitteleuropa heimische Tierart handelt, sind die Gründe weshalb der Seehund die mit Abstand an häufigste gezeigte Hundsrobbe in unseren Zoos ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Bei den Seehunden besteht ein Sexualdimorphismus: Rüden erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 130-186(-200) cm und ein Gewicht von 60-150(-200) kg, Fähen werden 120-170 cm lang und 80-120 (45-1420) kg schwer. Jungtiere messen bei der Geburt 75-100 cm und sind 8-12 kg schwer. Der Kopf ist rundlich mit kurzer Schnauze und lagborstigen Schnurrhaaren auf der Oberlippe. Das Fell ist silbriggrau bis graubraun mit sehr variabler schwarzer Fleckenzeichung. Es besteht eine erhebliche regionale Variabilität. Die Jungtiere, in der Regel Einlinge, sind weit entwickelt, haben die weiße Lanugo bereits vor der Geburt gewechselt, kommen mit einem braunen Fell zur Welt und können kurz nach der Geburt bereits schwimmen [3; 4; 9; 12; 14;].

Da sich fast ihr ganzes Leben im Wasser abspielt, sind die Beine der Seehunde zu Flossen umgewandelt. Damit erreichen die Tiere Geschwindigkeiten von 35 km/Stunde. Während sie an Land kurzsichtig sind, können sie im Wasser gut sehen, und die Tasthaare an der Schnauze helfen be4im "Fischen im Trüben". Sie können 20 Minuten lang tauchen, in Notsituationen auch bis zu 40 Minuten [12].

Verbreitung

Nordatlantik und Nordpazifik: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grönland, Großbritannien, Irland, Island, Japan, Kanada (New Brunswick, Labrador, Nova Scotia, Québec, Newfoundland I, Nunavut, Prince Edward I.), Mexiko, Niederlande, Norwegen (mit Svalbard und Jan Mayen), Russland, , Schweden, USA. Als Gastart in Portugal und Spanien [6].

Lebensraum und Lebensweise

Seehunde leben in Verbänden, die bisweilen Tausende von Tieren umfassen können. Sie sind überwiegend tagaktiv. Sie sind perfekt an das Leben im Meer angepasst. Sie leben in eisfreien Küstengewässern, so an der Nord- und Ostseeküste, besonders im Wattenmeer und ruhen und sonnen auf Sandbänken oder Schären, wo sie im Juni oder Juli auch ihre Jungen zur Welt bringen. Die Seehundmutter kann nach elf Monaten Tragzeit die Geburt hinauszögern, bis Ebbe eingetreten ist. Von Juli bis September ist Paarungszeit. Die Tiere paaren sich im Wasser [3; 4; 9; 12; 14].

Seehunde ernähren sich vor allem von Küstenfischen, bevorzugt Plattfischen, wie Flunder (Platichthy flesus), Scholle (Pleuronectes platessa) und Kliesche (Limanda limanda), sowie Sandgrundeln (Pomatoschistus minutus), aber auch von anderen Fischen, wie Wittling (Merlangius merlangus), Hering (Clupea harengus), Dorsch (Gadus morhua), Zander (Sander lucioperca) und Stint (Osmerus eperlanus) sowie von Krebsen und Weichtieren [12; 14].

Gefährdung und Schutz

Der Seehund hat eine außerordentlich weite Verbreitung. Er ist mit einem auf 610-640'000 Individuen geschätzten Bestand als Art häufig und gilt nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 als weltweit nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [6].

Im Wattenmeer Dänemarks, Deutschland und der Niederlande wurden im Jahr 2006 insgesamt 15'426 Seehunde gezählt, wovon gut 4'500 Jungtiere. Im Niedersächsischen Wattenmeer allein nahm der Bestand von 1975-2014 von 1'014 auf 9'343 Tiere zu. Dies trotz massiver Verluste während der Staupeepidemien von 1998 und 2002 [11].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Die Art fällt unter die Anhänge II und V der FFH-Richtlinie (92/43/EWG).

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung, Jagd: Der Seehund wird zur Gewinnung von Fleisch, Tran und Fellen bejagt. Die kommerzielle Jagd wurde jedoch schon vor einigen Jahrzehnten eingestellt, heute wird nur noch gebietsweise Subsistenzjagd betrieben [6].

Bis in die 1930er Jahre war die Seehundjagd in Deutschland Gewohnheitsrecht der Küstenbewohner. Erst 1934 wurde sie im Rahmen des Reichsjagdgesetzes formell geregelt. Es wurden Schonzeiten festgelegt, erste Seehundschutzgebiete ausgewiesen und die Netz- und Hetzjagd verboten. Ab 1951 wurde die Seehundjagd durch amtlich bestellte einheimische Seehundjäger ausgeübt. Auswärtige durften nur mit Ausnahmegenehmigung und in Begleitung Seehunde jagen. 1973 wurde die Seehundjagd in Niedersachsen, 1974 in Schleswig-Holstein eingestellt [12]. Heute hat der Seehund eine touristische Bedeutung namentlich für den seit 1986 bestehenden Nationalpark Wattenmeer und die Seehundstationen an der Küste, wie z.B. in Friedrichskoog und Norden. Die von diesen Stationen aufgezogenen Seehundwaisen, die sogenannten "Heuler", werden nach Möglichkeit wieder ausgewildert, zum Teil aber auch von Zoos übernommen [11; 12].

Haltung

Im Zoo besteht die Gefahr, dass Seehunde - wie auch andere Robben - vom Publikum ins Wasser geworfene Gegenstände, etwa Münzen, im Tauchgang spielerisch aufschnappen und abschlucken, was zu ihrem Tod führen kann. So geschehen z. B. vor über drei Jahrzehnten im Zoo Dortmund [10]. Dies war beileibe kein Einzelfall: Im Essener Grugapark wurden seit Beginn der Robbenhaltung im Jahr 1961 bis 1983 acht Seehunde vom Publikum zu Tode "gefüttert". Im Magen eines Tiers fand man 137 Geldmünzen, nebst einem Plüsch-Teddybären, einem Handschuh, Kronenkorken, Plastiktüten, Ohrclips und diversen anderen Fremdkörpern [2].

Ansonsten können Seehunde im Zoo sehr alt werden. Das publizierte Höchstalter liegt bei 47 Jahren und 7 Monaten erreicht von einem weiblichen Tier im Zoo Berlin [13].

Forschung im Zoo: Im Erlebniszoo Hannover werden Nördlichen Seebären gemeinsam mit Ostsee-Kegelrobben und Kalifornische Seelöwen gehalten. Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurde untersucht, ob und welche Auswirkungen diese in der Natur nicht vorkommende Vergesellschaftung hat [1]. Im Tiergarten Nürnberg wurden die Sozialbeziehungen von Seehunden und Kalifornischen Seelöwen in Gemeinschaftshaltung untersucht [5] und im Rahmen einer Dissertation wurden Maßnahmen zur Optimierung des Gesundheitsmanagements vorgeschlagen [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 100 Einrichtungen gehalten, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014  des BMEL macht die Vorgabe, dass bei Hundsrobben für  jedes Tier ein räumlich gesonderter Liegeplatz von 2 – 6 m² vorzusehen ist. Falls dies nicht möglich ist, muss für bis zu 5 Tiere ein Landteil mit Sichtschutzbereichen von mindestens 100 m² vorhanden sein. Für weitere Tiere sind möglichst räumlich gesonderte Liegeplätze anzulegen. Wie sinnvoll diese Anforderung ist, zeigt drastisch die untenstehende Freilandaufnahme, wo die Tiere in unmittelbarem Körperkontakt ruhen. Weitere Bilder dieser Art sind im Internet zu finden. Der Entwurf der Best Practice Guidelines der EAZA gibt denn auch für vier Seehunde einen Landteil von nur 20 m² vor [8].

Dass die Tiere beim Schlafen stets vertikal im Wasser treiben, ist ebenfalls nicht korrekt. Wenn Seehunde richtig fest schlafen, geschieht dies, indem sie an der Oberfläche einschlafen und dann auf den Grund absinken. Dort bleiben sie bis zu 20 Minuten liegen und tauchen dann "automatisch" wieder auf, um mehrmals Luft zu holen und dann wieder abzusinken. Alternativ treiben die Tiere schräg im Wasser oder schlafen an Land. Dies wurde durch eine Umfrage bei VdZ-Mitgliedzoos und der Seehundstation Friedrichskoog bestätigt. "Vertikales" Schlafen wurde selten oder nie beobachtet, wegen des Auftriebs ist dieses ohnehin nicht vertikal, sondern der Winkel zwischen Wasseroberfläche und Körperachse beträgt knapp 35º.

Für die im Gutachten festgelegten Anforderungen gibt es weder eine wissenschaftliche Grundlage noch lassen sie sich mit tierhalterischer Erfahrung begründen. Im Gutachten 96 wurden für 4 Tiere eine Fläche von 60 m² und eine mittlere Tiefe von 1 m vorgegeben. Dies entspricht dem Entwurf der Best Practice Guidelines der EAZA. Bestehenden Anlagen, die die Vorgaben des Gutachtens 96 erfüllen, sollten daher ohne Auflagen akzeptiert werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 80 m² und einer Tiefe von 2 m vor. Für jedes weitere Tier ist die Fläche um 10 m² zu erhöhen. Ferner ist ein Landteil von 10 m² pro Robbe erforderlich.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) verlangt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 200 m² und einer Tiefe von 1.5 m, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 20 m² zu erhöhen. Es ist ein Landteil erforderlich, der es allen Robben erlaubt, sich gleichzeitig am Land aufzuhalten, ferner müssen Absperrboxen vorhanden sein, deren Maße sich nach der Körpergröße der Art richten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Seehund wurde 1758 von Carl von LINNÉ unterseinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Es werden 4-5 Unterarten anerkannt:

  • Europäischer Seehund (Phoca vitulina vitulina) - europäische Küsten und NW-Atlantik bis Island
  • Westatlantischer Seehund (Phoca vitulina concolor) - Grönland und Ostküste Nordamerikas südwärts bis Maine
  • Ostpazifischer Seehund (Phoca vitulina richardsi) - Westküste Nordamerikas von Alaska bis Baja California
  • Westpazifischer oder Kurilenseehund (Phoca vitulina stejnegeri), Küsten Hokkaidōs, der Kurilen und Kamtschatkas
  • Ungava-Seehund (Phoca vitulina mellonae), Seen (Lacs des Loups Marins) im nördlichen Québec als einziger im Süßwasser lebender Seehund - eventuell identisch mit concolor. Bestand weniger als 100 Individuen.

Früher wurde die Largha-Robbe aus dem Nordpazifik als Unterart des Seehundes eingestuft, heute gilt sie als eigenständige Art (Phoca largha) [14; 15].

Literatur und Internetquellen

  1. BAHRMANN, J. (2015)
  2. DIE ZEIT, 27.05.1983, Nr. 22
  3. GRIMMBERGER & RUDLOFF (2009)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. KURZ, J. (2006)
  6. LOWRY, L. (2016). Phoca vitulina. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T17013A45229114. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-1.RLTS.T17013A45229114.en . Downloaded on 15 June 2020.
  7. MARKOWSKI, S. (2013)
  8. MEIJER, G. & JOUSTRA, T. (2009)
  9. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  10. SARRAZIN, E. & LUTHE, F. (2003)
  11. SEEHUNDSTATION NORDDEICH
  12. SEEHUNDSTATION FRIEDRICHSKOOG, FALTBLATT
  13. WEIGL, R. (2005)
  14. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  15. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Seehunde im natürlichen Lebensraum. Mitlenatch Island, Kanada © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx