Wale und Robben

Nördlicher Seebär

Nördlicher Seebär (Callorhinus ursinus), Weibchen im Zoo Moskau Nördlicher Seebär (Callorhinus ursinus), Weibchen im Zoo Moskau
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia) bzw. Robben (Pinnipedia)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)

Red list status vulnerable

Nördlicher Seebär

Callorhinus ursinus • Northern Fur Seal • L'otarie à fourrure du Nord

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Nördlicher Seebärien-Bulle (Callorhinus ursinus) im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Nördlichen Seebären (Callorhinus ursinus). Dunkelblaue Punkte = Wurf- und Paarungsplätze

 

 

 

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Nördliche Seebärin (Callorhinus ursinus) im Zoo Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

 

 

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Nördliche Seebärin (Callorhinus ursinus) im Zoo Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

 

 

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Junge Nördliche Seebären (Callorhinus ursinus) im ErlebnisZoo Hannover. Hier gelingt die Zucht regelmäßig © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

 

 

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Nördliche Seebärin (Callorhinus ursinus) mit Jungtier im ErlebnisZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

 

 

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Tauchende Nördliche Seebären (Callorhinus ursinus) im ErlebnisZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

 

 

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Nördliche Seebären (Callorhinus ursinus) im ErlebnisZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

 

 

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Nördliche Seebärin (Callorhinus ursinus) im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Nördliche Seebärin (Callorhinus ursinus) im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Der als gefährdet eingestufte Nördliche Seebär war in Zoos außerhalb der Sowjetunion und deren Nachfolgerstaaten nie häufig und wird im EU-Raum auch heute nur ganz vereinzelt gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Nördliche Seebär unterscheidet sich von den anderen Ohrenrobbenarten durch seine kurze, spitz zulaufende Schnauze. Es gibt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Währenddem die Bullen über 2 m lang werden und ein Gewicht von 270(-300) kg erreichen können, werden die Weibchen maximal 1.50 m lang und bringen nur bis zu 50 kg auf die Waage. Die Ohren sind lang und an der Schnauze befinden sich lange Vibrissen. Die Bullen haben eine ausgeprägte Mähne. Die Fellfarbe ist grau bis schwarz oder dunkel rostbraun [2; 0].

Nördliche Seebären sind nahezu perfekt an ihre kalte Umgebung angepasst. Auf einem Quadratzentimeter Haut trägt der Seebär etwa 45'000 Woll- und 4'000 Grannenhaare. Die Haare wachsen in Büscheln zu etwa 30 Haaren, jedes Büschel hat eine eigene Talgdrüse. Der enorm dichte Pelz ist vollkommen wasserundurchlässig. Zudem schützt eine zusätzliche Fettschicht unter der Haut vor der Kälte [6; PM Zoo Hannover].

Verbreitung

Nordpazifik und Nebenmeere: Weit verbreitet von der Westküste von Nordmexiko, den USA und Kanada bis nach Japan, Korea und der Ostküste von Russland. Wurfkolonien auf Kurilen, Kommandeurinseln und Tjuleni-Insel Russlands, den Pribilof Islands und der Bogoslof-Insel Alaskas sowie Fallaron Island und San Miguel Island vor Kalifornien [2].

Lebensraum und Lebensweise

Nördliche Seebären leben im offenen Meer und pflanzen sich auf felsigen Inseln fort. Während der Paarungszeit sind die Bullen territorial und fasten. Sie kommen etwa einen Monat früher auf den Inseln an als die Weibchen und kämpfen während dieser Zeit um Territorien. Schwächere Bullen bilden am Rand der Kolonie Junggesellen-Gruppen. Die hochträchtigen Weibchen kommen ab Mitte Juni bei den Wurf- und Paarungsplätzen an, suchen sich ein Bullenterritorium aus, werfen meist einen Tag nach Ankunft ihr Junges und paaren sich 5-6 Tage später. Die Tragzeit dauert 51 Wochen, wovon 3-4 Monate auf eine Keimruhe fallen. Die Jungtiere kommen weit entwickelt mit offenen Augen zur Welt und messen etwa ein Drittel der Länge des Muttertieres. Wie bei den anderen Seebären auch verlassen die Weibchen ihre Jungen ab dem 8.-9. Lebenstag immer wieder, um im Meer auf Nahrungssuche zu gehen. Die Dauer dieser Exkursionen nimmt zu, je älter die Jungtiere werden. Mit etwa 4 Monaten werden die Jungen entwöhnt. Geschlechtsreife wird mit 3-5 Jahren erreicht, aber Bullen gelangen nicht zur Fortpflanzung, ehe sie 8-9 Jahre alt sind [2; 3; 7; 9].

Nördliche Seebären sind opportunistische Jäger, die sich u.a. von Sardellen (Engraulis spp.), Heringen (Clupea pallasii), Lodden (Mallotus villosus), Pazifik-Lachsen (Oncorhynchus spp.), Atka-Makrelen (Pleurogrammus monopterygius), Seehechten (Merluccius productus), Pazifik-Pollack (Gadus chalcogrammus) Kalmaren und Krebstieren ernähren [2; 9].

Die Isolierung durch Fell und Unterhautfett funktioniert so gut, dass in der Sonne liegende Seebären wie Hunde hecheln müssen, um sich abzukühlen. Im 8-12 C° kalten Wasser fühlen sie sich am wohlsten. Sind sie erst einmal in ihrem Element, können Seebären eine Geschwindigkeit von 27 km/h erreichen und 80 m tief tauchen [6; PM Zoo Hannover].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände des Nördlichen Seebären sind auf den Pribilof-Inseln in jüngerer Zeit stark zurückgegangen. Die Gründe hierfür sind noch unbekannt. Deshalb wurde diese Art - trotz einer globalen Bestandszahl von über einer Million Tieren - seit 1996 als gefährdet eingestuft (Rote Liste: VULNERABLE) [2].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Die kommerzielle Ausbeutung des Nördlichen Seebären begann im 18. Jahrhundert kurz nach der Entdeckung seiner Wurfplätze durch Kommandeur Vitus BERING im Jahr 1742. und dauerte bis 1984. 1870 schätzte man die Zahl der Tiere auf den Pribilof-Inseln auf 4.5 Millionen, 1914 waren davon noch 200'000 übriggeblieben. Danach wurde die Jagd international geregelt, was wieder ein Anwachsen der Bestände erlaubte. Seit 1985 ist die kommerzielle Jagd eingestellt, und es wird jährlich nur noch geringe eine geringe Zahl von Tieren geschlagen [2; 3].

Haltung im Zoo

Das publizierte Höchstalter in Menschenobhut beträgt 25 Jahre und 1 Monat. Es wurde von einem als Jungtier der Natur entnommenen Weibchen erreicht, das im Seattle Aquarium gehalten worden war [8].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in weniger als 10 Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt kein Europäische Zuchtbuch (ESB) oder Erhaltungszuchtprogramm (EEP), jedoch wurden von der EAZA Haltungsempfehlungen herausgegeben [5].

Forschung im Zoo: Im Erlebniszoo Hannover werden Nördliche Seebären gemeinsam mit Ostsee-Kegelrobben und Kalifornischen Seelöwen gehalten. Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurde untersucht, ob und welche Auswirkungen diese in der Natur nicht vorkommende Vergesellschaftung hat [1]. Im Rahmen einer Dissertation wurden Maßnahmen zur Optimierung des Gesundheitsmanagements vorgeschlagen [4].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für 5 Ohrenrobben generell eine Beckenfläche von 200 m² und eine Kubatur von 400 m³ vor bei Wassertiefen, die sich jeweils an der Körperlänge der Tiere orientieren. Wie diese Zahlen zustande kamen, wurde nie begründet. Die Fläche liegt über der Empfehlung der EAZA Best Practice Guidelines [5] und ein fixes Volumen ist sinnfrei, wenn die Wassertiefe auf die Körperlänge der Tiere abgestimmt werden soll. Zudem tragen einheitliche Beckendimensionen dem Umstand nicht Rechnung, dass es massive Größenunterschiede zwischen den einzelnen Arten gibt (mittleres Gewicht weibliche Südamerikanische Seebären 45 kg, Südliche See-Elefanten 700 kg). Eine Differenzierung ist deshalb angezeigt. In Zoos hat sich für Ohrenrobben mittlerer Größe eine Beckenfläche von 150m² bei 5 erwachsenen Tieren bewährt und kann somit als Mindestmaß vorgegeben werden. Für die etwas kleineren Nördlichen Seebären erscheinen 120 m² als Minimum für eine Zucht- oder Weibchengruppe angemessen.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 150 m² und einer Tiefe von 3 m vor. Für jedes weitere Tier ist die Fläche um 15 m² zu erhöhen. Für die Erhöhung um 50% bei der Beckenläche und um 150% beim Volumen gegenüber einer früheren Fassung der Verordnung gibt es keine Begründung. Ferner ist ein Landteil von 15 m² pro Robbe erforderlich. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) verlangt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 300 m² und einer Tiefe von 3 m, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 30 m² zu erhöhen. Es ist ein Landteil erforderlich, der es allen Robben erlaubt, sich gleichzeitig am Land aufzuhalten, ferner müssen Absperrboxen vorhanden sein, deren Maße sich nach der Körpergröße der Art richten.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Phoca ursina" beschrieben und 1859 von John Edward GRAY vom British Museum in London in die monotypische Gattung Callorhinus gestellt [9; 10].

Literatur und Internetquellen

  1. BAHRMANN, J. (2015)
  2. GELATT, T. et al. (2015). Callorhinus ursinus. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T3590A45224953. http://www.iucnredlist.org/details/3590/0. Downloaded on 23 May 2018.
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. MARKOWSKI, S. (2013)
  5. MEIJER, G. (2008)
  6. POHL, A., 2011
  7. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  8. WEIGL, R. (2005)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  10. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 2017 mal Letzte Änderung am Montag, 03 Dezember 2018 08:53
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