Wale und Robben

Südafrikanischer Seebär

Südafrikanischer Seebär (Arctocephalus p. pusillus) im Zoo am Meer, Bremerhaven Südafrikanischer Seebär (Arctocephalus p. pusillus) im Zoo am Meer, Bremerhaven
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia) bzw. Robben (Pinnipedia)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)

Red list status Least Concern

Südafrikanischer, Kap- oder Zwergseebär

Arctocephalus pusillus • The South African Fur Seal • L'arctocéphale du Cap

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Kap-Seebär (Arctocephalus p. pusillus), Bulle im Zoo Augsburg © Zoo Augsburg (Pressefoto)

 

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Approximative Verbreitung des Südafrikanischen Seebären (Arctocephalus (p.) pusillus)

 

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Kap-Seebär (Arctocephalus p. pusillus) beim Abrichten im Zoo am Meer, Bremerhaven © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kap-Seebär (Arctocephalus p. pusillus) im Zoo am Meer, Bremerhaven © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kap-Seebär (Arctocephalus p. pusillus), Jungtier im Zoo Rostock © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kap-Seebär (Arctocephalus p. pusillus) im Aquarium East London (Ostkap). Seebären sind gleich ebenso verspielt und lernfreudig wir Kalifornische Seelöwen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Australischer Seebär (Arctocephalus pusillus doriferus) im Sea Life Sunshine Coast, Mooloolaba QLD © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kap-Seebär (Arctocephalus p. pusillus), Jungtier im Zoo am Meer, Bremerhaven © Zoo am Meer (Pressefoto)

 

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Kap-Seebär (Arctocephalus p. pusillus) im Cape Columbine Nature Reserve, Paternoster, West-Kap, Südafrika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kap-Seebär (Arctocephalus p. pusillus) im Cape Cross Seal Reserve, Namibia © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kap-Seebären (Arctocephalus p. pusillus) auf Duiker Island, West-Kap, Südafrika. Die auf dem Bild sichtbaren Seebären benötigten gemäß Schweizerischer Tierschutzverordnung eine Landfläche von 600 m² ... © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Verarbeitete Felle von Südafrikanischen Seebären. Die Felle wurden geschoren oder die Grannenhaare ausgezupft, sodass die 12'000 Wollhaare / cm² hervortraten, und danach eventuell in verschiedenen Tönen gefärbt. Vermarktet wurden sie zumeist unter den Bezeichnungen "Cape Fur Seal", "Lakoda" oder "Lakunene". Bild Mickey Bohnacker †, Verband der deutschen Rauchwaren- und Pelzindustrie. Aus DOLLINGER, P. (Hrsg. 1984) CITES Identification Manual Vol. 4.

 

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Der gebräuchlichste deutsche Name dieser Art ist irreführend, denn der "Zwergseebär" ist effektiv der größte Vertreter seiner Gattung. Die Art ist gegenwärtig nicht bedroht, jedoch könnte der Einfluss des Klimawandels auf den Benguelastrom negative Auswirkungen auf den Bestand haben, was zoopädagogisch verwertet werden kann. In europäischen Zoos ist die Art relativ gut vertreten.

Körperbau und Körperfunktionen

Südafrikanische Seebären zeigen einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Bullen erreichen eine Länge von 200-230(-250) cm und ein Gewicht von 300-350 kg. Die weiblichen Tiere bleiben mit einer Länge von bis zu 180 cm und einem Gewicht von 57-107 kg deutlich kleiner. Welpen sind bei der Geburt etwa 70 cm lang und wiegen zwischen 5 und 6 kg. Die Farbe der Grannenhaare ist graubraun, die der Wollhaare rotbraun. Neugeborene sind dunkler. Die Bullen tragen eine Mähne [2; 5; 8].

Verbreitung

Südliches Afrika und Australien: Süd-Angola, Namibia, Südafrika von der Algoa Bay an westwärts, wandernde Tiere bis Gabun; ferner Australien (New South Wales, Südaustralien, Victoria, Tasmanien) [3].

Lebensraum und Lebensweise

Seebärenkolonien befinden sich an Fels- oder Sandküsten, mehrheitlich aber auf felsigen Inseln. Es gibt im Südostatlantik und anschließender Südküste Afrikas 16 Kolonien in Südafrika, 23 in Namibia und 1 in Angola, die alle miteinander in Verbindung stehen; ferner 17 Kolonien in Australien. Die afrikanischen Populationen konzentrieren sich im Südost-Atlantik, wo der kalte Benguelastrom aus der Antarktis sich mit warmem Oberflächenwasser vermischt und zu einem gewaltigen Planktonwachstum und einem reichen Fischleben führt. Ihre Futtergründe liegen auf dem Kontinentalschelf bis zu 220 km von der Küste entfernt. Täglich nimmt ein Kap-Seebär 5-10 kg Fische, Tintenfische und Krebse zu sich. Kap-Seebären sind opportunistische Jäger. Sie fangen hauptsächlich Fische der oberen und mittleren Wasserschichten wie Sardellen (Engraulis spp.), Sardinen (Sardina spp.), Bastardmakrelen (Trachurus trachurus), Seehechte (Merluccius capensis), bodenlebende Meergrundeln (Sufflogonius spp.), Kopffüßer und diverse Krustentiere in Tiefen bis über 400 m. Ferner jagen sie Brillenpinguine (Spheniscus demersus) und andere Seevögel.

Die Fortpflanzungsperiode fällt auf die Monate November bis Februar. Seebärenbullen verhalten sich dann territorial und legen sich einen Harem zu. Ein Territorium misst im Schnitt 62 m² und ein durchschnittlicher Harem umfasst 9 Weibchen. Bullen, die es nicht schaffen, ein Territorium zu halten, leben am Rand der Kolonie oder in Junggesellengruppen. 6 Tage nach der Geburt werden die Weibchen wieder gedeckt. Die Tragzeit dauert 51 Wochen, wovon 3-4 Monate auf eine Keimruhe fallen. Während der Jungenaufzucht verlassen die Weibchen die Kolonie für anfänglich kürzere Zeit, dann bis zu einer Woche, um zu jagen. Danach bleiben sie 1-2 Tage bei ihren Jungen um sie zu säugen. Die Jungen werden meist mit 9-12 Monaten entwöhnt. Weibchen werden mit 3-6 Jahren geschlechtsreif. Bullen kommen mit 9-12 Jahren erstmals zur Fortpflanzung [2; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Diese Art als solche wie auch ihre beiden Unterarten, der Kap-Seebär (A.p.pusillus) und der Australische Seebär (A.p.doriferus), gelten nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN). Der afrikanische Bestand von rund 2 Millionen Tieren ist stabil, der australische mit 120'000 Individuen hat bis vor ein paar Jahren zugenommen und nimmt jetzt etwas ab [3].

Der Südafrikanische Seebär wurde 1977 als "look-alike"-Art in Anhang II von CITES aufgenommen.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Bis 1990 wurde der Kap-Seebär in Südafrika kommerziell genutzt. In Namibia ist dies heute noch der Fall. Im Jahr 2010 wurden mit offizieller Genehmigung 43'168 Jungtiere und 4'573 Bullen "geerntet*. 2011 waren es 45'794 Jungtiere und 3'626 Bullen. Im Zeitraum 2001-2017 exportierte Namibia u.a. 6'185 kg und 6'379 Stück Penisse hauptsächlich nach Hongkong,wo sie zu Aphrodisiaka verarbeitet wurden, 776'187 Felle hauptsächlich in die Türkei, rund 210'000 Liter Öl und 221 lebende Tiere. Im selben Zeitraum wurden weltweit 36 Nachzuchttiere international verschoben. In Australien wird die Art nicht bejagt [1; 3].

Haltung im Zoo

Das publizierte Höchstalter in Menschenobhut beträgt 32 Jahre und 1 Monat. Es wurde von einem als Jungtier der Natur entnommenen Weibchen erreicht, das im Toronto Zoo gehalten worden war [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 30 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt kein Europäische Zuchtbuch (ESB) oder Erhaltungszuchtprogramm (EEP), jedoch wurden von der EAZA Haltungsempfehlungen herausgegeben [4]. Die Welterstzucht gelang 1939 dem Zoo Berlin. Der Zoo Frankfurt hält seit 1954 Kap-Seebären. Seine mit rund 50 Jungtieren weltweit wohl erfolgreichste Zucht begann 1970.

Forschung im Zoo: Nebst anderen Arten waren Kap-Seebären Gegenstand einer Dissertation zur Untersuchung des Atmungstraktes bei Meeressäugetieren durch Auskultation mittels elektronisch verstärktem Stethoskop [6].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für 5 Hunds- oder Ohrenrobben generell eine Beckenfläche von 200 m² und eine Kubatur von 400 m³ vor bei Wassertiefen, die sich jeweils an der Körperlänge der Tiere orientieren. Wie diese Zahlen zustande kamen, wurde nie begründet. Die Fläche liegt über der Empfehlung der EAZA Best Practice Guidelines [6] und ein fixes Volumen ist sinnfrei, wenn die Wassertiefe auf die Körperlänge der Tiere abgestimmt werden soll. Zudem tragen einheitliche Beckendimensionen dem Umstand nicht Rechnung, dass es massive Größenunterschiede zwischen den einzelnen Arten gibt (mittleres Gewicht weibliche Südamerikanische Seebären 45 kg, Südliche See-Elefanten 700 kg). Eine Differenzierung ist deshalb angezeigt.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 150 m² und einer Tiefe von 3 m vor. Für jedes weitere Tier ist die Fläche um 15 m² zu erhöhen. Für die Erhöhung um 50% bei der Beckenläche und um 150% beim Volumen gegenüber einer früheren Fassung der Verordnung gibt es keine Begründung. Ferner ist ein Landteil von 15 m² pro Robbe erforderlich. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) verlangt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 300 m² und einer Tiefe von 3 m, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 30 m² zu erhöhen. Es ist ein Landteil erforderlich, der es allen Robben erlaubt, sich gleichzeitig am Land aufzuhalten, ferner müssen Absperrboxen vorhanden sein, deren Maße sich nach der Körpergröße der Art richten.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1775 vom thüringischen Naturforscher Johann Christian Daniel von SCHREBER als "Phoca pusilla" beschrieben und wurde 1826 von den französischen Zoologen Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE und Frédéric Georges CUVIER als Typusart in die neue Gattung Arctocephalus gestellt.  Der früher als eigene Art mit zwei Unterarten angesehene Australische Seebär (Arctocephalus doriferus) gilt heute als Unterart von pusillus. In der angelsächsischen Literatur beginnt sich daher die Bezeichnung "Afro-Australian Fur Seal" als Vulgärname durchzusetzen [3; 8; 9]. Aus Zoosicht ist dies alles unerheblich, denn in Europa werden keine Australischen sondern nur Kap-Seebären (Arctocephalus pusillus pusillus) gehalten, aber den Namen "Zwergseebär" sollte man vielleicht besser vergessen.

Literatur und Internetquellen

  1. CITES TRADE DATA BASE   
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. HOFMEYR, G.J.G. (2015). Arctocephalus pusillus. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T2060A45224212. http://www.iucnredlist.org/details/2060/0. Downloaded on 23 May 2018.
  4. MEIJER, G. (2008)
  5. MILLS, G & HES, L. (1999)
  6. SCHARPEGGE, J. (2007)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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