Katzen

Tiger

Sumatratiger (Panthera tigris sumatrae) in der Wilhelma Stuttgart Sumatratiger (Panthera tigris sumatrae) in der Wilhelma Stuttgart
Pressefoto Wilhelma

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Grosskatzen (Pantherinae)

D EN 650

Tiger

Panthera tigris • The Tiger • Le tigre

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Sumatratiger (Panthera tigris sumatrae) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Tigers (Panthera tigris)

 

 

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Malayischer Tiger (Panthera tigris jacksoni) im Zoo Halle © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Begaltiger (Panthera tigris tigris) im Zoo Neu Delhi © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sibirischer Tiger (Panthera tigris altaica) im Zoo Hannover © Rieger, Zoo Hannover

 

 

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Java-Tiger (Panthera tigris sondaica) im Zoo Budapest, heute ausgestorben © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sibirischer Tigerkater (Panthera tigris altaica) mit Jungtieren im Zoo Zürich © Robert Zingg, Zoo Zürich

 

 

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Sumatra-Tigerin (Panthera tigris sumatrae) mit Nachwuschs in der Wilhelms Stuttgart. Pressefoto Wilhelma

 

 

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Sibirischer Tiger räkelt sich im Tierpark Hellabrunn © Lothar Philips, ehemals VZP

 

 

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Sibirischer Tiger (Panthera tigris altaica) im Schnee im Tiergarten Schönbrunn © TG Schönbrunn

 

 

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Vor einem halben Jahrhundert war die Freude groß, wenn eine Tigerin Vierlinge zur Welt brachte. Heute wird die Zucht gebremst, weil es schwierig geworden ist Jungtiere, in eine gute Haltung abzugeben © Zoo Basel

 

 

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In der thailändischen Sri Racha-Tigerfarm werden die neugeborenen Tiger laktierenden Sauen untergeschoben, die sie dann mit einem Teil ihrer Ferkel aufziehen. Dadurch können die Tigerweibchen gleich wieder gedeckt werden und drei Würfe pro Jahr bringen. Einige halbwüchsige Tiger werden mit ihren Schweinegeschwister als "Happy Family" für die zahlenden Touristen ausgestellt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Weißer Tiger (Panthera tigris) flehmend im ZooParc de Trégomeur © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae) im Zoo Brünn © Zoo Brünn

 

 

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Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae) im Zoo Melbourne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

Briefmarke Tiger
Briefmarke mit Tigermotiv, DDR, 35. Pf.

 

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Gemessen an der Anzahl Klicks auf dieser Seite, ist der Tiger nach dem Löwen die populärste Wildtierart. Aufgrund seiner kulturellen Bedeutung und seiner starken Gefährdung ist er von großem zoopädagogischem Interesse. Dass es Erhaltungszuchtprogramme für zwei Unterarten gibt, trägt ebenfalls dazu bei, dass die Art in europäischen Zoos sehr gut vertreten ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Körpergröße der Tiger variiert je nach Unterart beträchtlich. Die Kopf-Rumpflänge reicht von 140-290 cm, die Schulterhöhe von 70-95 cm, die Schwanzlänge von 60-95(-109) cm. Der Sibirische Tiger ist die größte noch lebende Katzenform. Die Inseltiger, d.h. der Sumatra- und die ausgestorbenen Bali- und Javatiger sind die kleinsten Tiger. Beim Sumatratiger wiegen Kater 100-140 kg und Kätzinnen 75-100 kg. Bei Bengaltigern aus Nepal sind die Kater 100, die Kätzinnen 50 kg schwerer. Sibirische Tigerkater können über 300 kg schwer werden. Tiger haben eine gelbliche Iris mit ovalen Pupillen und einen Backenbart, der bei Katern und Inselformen stärker ausgeprägt ist als bei Kätzinnen und Festlandformen. Auch die Fellfärbung variiert regional. Die Grundfarbe der Körperoberseite ist gelbbraun bis rotbraun, Bauch, Innenseiten der Beine und Schwanzunterseite sind weiß und ebenfalls gestreift, wobei sich die weiße Färbung an den Flanken mehr oder weniger hoch hinaufziehen kann. Die Streifung kann enger oder weiter und mehr oder weniger kontrastreich sein. Gelegentlich treten weiße Tiger mit hellblauen Augen und wenig ausgeprägter Streifung auf [6; 7; 17].

Verbreitung

Süd-, Südost- und Ostasien: Bangladesch, Bhutan, China, Indien, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Nepal, Russland, Thailand, Viet Nam. In Nord-Korea vermutlich ausgestorben. Ausgestorben in Afghanistan, Iran, Kasachstan, Kirgistan, Pakistan, Singapur, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Usbekistan [5].

Lebensraum und Lebensweise

Tiger besiedeln unterschiedliche Waldtypen vom immergrünen Tropenwald bis zur Taiga, ferner trockenes und feuchtes Grasland, Bambus- und Schilfdschungel. Im Gebirge gehen sie bis auf 4'500 m. Sie sind schlecht kletternde Bodenbewohner und Einzelgänger, die exklusive Territorien für sich beanspruchen. Allerdings kann sich  das Territoriums eines Katers mit jenen von bis zu drei Kätzinnen überlappen. Der Raumbedarf ist in der Wildbahn vom Nahrungsangebot abhängig und kann zwischen 20 und 450 km² liegen. Das Beutespektrum ist sehr groß. Es reicht vom 2 kg schweren Kantschils bis zum 1'000 kg schweren Gaurbullen und variiert regional. Generell sind Hirscharten und Wildschweine die Hauptnahrung. Gebietsweise wird auch der Mensch als Beute angesehen [4; 5; 6; 17].

Im Süden des Artareals gibt es keine feste Fortpflanzungszeit, im Norden werden die Welpen meist im Frühling geboren. Nach einer Tragzeit von etwa 103 (98-115) Tagen wirft die Tigerin in einem Dickicht, einer Felsspalte oder einer Höhle 3 (2-6) blinde Junge. Diese haben ein Geburtsgewicht von 786-1'610 g. Sie werden mit 6 Monaten  entwöhnt, können aber erst mit 12-18 Monaten selbst Beute machen, wenn die definitiven Eckzähne duchgebrochen und funktionsfähig sind. Mit 18-20 Monaten sind sie selbständig, verlassen aber das Territorium der Mutter meist später, nachdem diese wieder geworfen hat. Geschlechtsreife erreichen sie mit 3-4 Jahren [6; 8; 17].

Gefährdung und Schutz

Der Tiger wird als Art seit 1986 als stark gefährdet eingestuft (Rote Liste: ENDANGERED). Der Südchinesische und der Sumatra-Tiger sind hoch bedroht (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED), Bali-, Java-und Kaspitiger sind im 20. Jahrhundert ausgerottet worden. Der letzte Nachweis eines Balitigers datiert aus den 1930er-Jahren, des Kaspitiger von anfangs der 1970er-Jahren und des Javatigers von 1976 [5].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte: Unter den verschiedenen Organisationen, die sich um den Schutz des Tigers bemühen, steht „21st Century Tiger“, eine Partnerschaft der Zoologischen Gesellschaft London (Zoo London und Tierpark Whipsnade) mit der britischen Organisation Global Tiger Patrol, der Zoowelt besonders nahe. Von 2002-2004 führte der Europäische Zoo- und Aquarienverband (EAZA) eine Tigerkampagne durch, um Geldmittel für die Unterstützung von Projekten der „21st Century Tiger“ zu sammeln. Diese Kampagne brachte rund 750'000 € ein. 2003 folgte die Australischen Zoos mit einer Kampagne, die über 100'000 Australische Dollars beitrug. Verschiedene Zoos unterstützten „21st Century Tiger“ auch in den folgenden Jahren, und so kamen innerhalb von sechs Jahren insgesamt 1'102'281 € zusammen. Zu diesem globalen Ergebnis trugen Zoos in Deutschland, Österreich und der Schweiz beinahe ein Fünftel bei. Bis 2017 konnten dank weiterer Zuwendungen über 70 Tigerschutzprojekte mit rund 2.5 Millionen Euro gefördert werden. 2018 fusionierte "21st Century Tiger mit einer Organisation, die sich um den Schutz des Amurleoparden kümmerte, zur WildCats Conservation Alliance. Diese wurde innert kürzester Zeit von Zoos mit über 100'000 € b edacht.

Seit 2004 wurden etwa 2,4 Millionen Hektar Schutzgebiete in der Amur-Region geschaffen. Die Zoos von Köln und Leipzig sind Kooperationen mit dem WWF Deutschland eingegangen, um in diesen Schutzgebieten konkrete Maßnahmen zu finanzieren.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: In der Vergangeheit wurden Tiger zur Gewinnung von Trophäen gejagt, die als Teppiche oder Wandschmuck Verwendung fanden. Im internationalen Pelzhandel spielten sie eine geringe Rolle, weil ihr Fell sehr rau und zur Herstellung von Pelzbekleidung ungeeignet ist. Dagegen waren und sind sie sehr wichtig in der traditionellen orientalischen Medizin und ihre Zähne und Krallen sind als Amulette begehrt. Durch die Aufnahme in Anhang I wurde der internationale Handel mit Naturentnahmen verboten. Es gibt aber in Asien nach wie vor einen beträchtlichen illegalen Handel, und es wurden Farmen errichtet, wo Tiger wie am Fließband produziert, den Touristen vorgeführt und schließlich geschlachtet werden [5].

Kulturelle Bedeutung: Naturgemäß ist der Tiger vor allem in seinem asiatischen Verbreitungsgebiet von grosser kultureller Bedeutung. In China hat er einen festen Platz in den Tier- und Schwankmärchen, wenn er dort auch keine besonders wichtige oder gar rühmliche Rolle spielt, sowie im Zaubermärchen [12].

Allerdings kann sich der Tiger im chinesischen Märchen auch von einer ganz anderen Seite zeigen. So wird etwa erzählt, wie eine Tigerin zum Dank für Hebammendienste bei einer schweren Geburt der Helferin eine Schwiegertochter ins Haus bringt; dem Mann, der einem verwundeten Tiger beistand, rettet der Tiger das Leben oder hilft ihm bei einem Feldzug; einen Mann, der in eine Tigerhöhle gefallen war und die Jungen fütterte, belohnt die Tigermutter mit Geld [12].

In der bei uns verbreiteten Literatur ist er vor allem bekannt durch seine Rolle als König Shere Khan in Rudyard KIPLINGs Dschungelbüchern [9]. Aber es gibt auch zwei Fabeln von Gotthold Ephraim Lessing, in denen der Tiger eine Hauptrolle spielt:

Lessing: Der Fuchs und der Tiger
Lessing: Der Löwe und der Tiger  

Haltung

Es gibt ein Internationales Zuchtbuch (ISB), das für alle noch existierenden Tiger-Unterarten am Zoo Leipzig geführt wird. Es umfasst nebst Tieren unklaren Ursprungs 676 lebende Sibirische Tiger in 249 Institutionen, 151 Südchinesische Tiger in 15 Institutionen, 18 Indochinesische Tiger in 4 Institutionen, 85 Malaiische Tiger in 39 Institutionen, 403 Bengaltiger in 43 Institutionen und 360 Sumatratiger in 116 Institutionen [IZY 52, Daten bis Januar 2018].

Tiger können im Zoo ausnahmsweise ein Alter von 26 Jahren erreichen, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt im Zoo bei 12-18 Jahren [5; 16].

Haltung in europäischen Zoos: Tiger werden in über 400 Zoos gehalten, von denen sich über 60  im deutschsprachigen Raum befinden. Rund 160 Zoos halten nicht näher bestimmteTiger oder Unterarthybriden, rund 180 Zoos haben Sibirische, 60 Sumatranische und 10 Malayische Tiger. Für Details siehe Zootierliste.

Die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) für den Sibirischen und den Sumatratiger werden vom Zoo London koordiniert

Wie Tiger gehalten werden (Beispiele):

Forschung im Zoo: Der Tiger ist immer wieder Gegenstand von tiermedizinischen oder ethologischen Forschungsarbeiten, die darauf abzielen, die Haltungsbedingungen zu optimieren [1; 2; 3; 10 11; 13; 14; 15]

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für einen oder ein Paar Tiger ein zeitlich begrenzt unterteilbares Außengehege von 200 m² Fläche und 3.50 m Höhe vorhanden sein. Für jedes weitere erwachsene Tier soll eine Fläche von 100 m² zusätzlich zur Verfügung stehen. Das Innengehege soll eine Fläche von 20 m² pro Tier und eine Höhe von 2.5 m haben. Für sibirische Tiger ist kein Innengehege notwendig.

Die Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 1-2 Tiere ein Außengehege mit einer Fläche von 80 m² und ein Innengehege von 30 m² vor, die beide eine Höhe von 3 m haben müssen. Für jedes weitere erwachsene Tier ist die Fläche außen um 20 und innen um 15 m² zu erweitern. Für Sibirische Tiger sind anstelle eines Innengehege individuelle Schlafboxen von 2.5 m² anzubieten.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) fordert, dass Tiger mindestens paarweise gehalten werden müssen, dass für ein Paar ein Außengehege mit einer Fläche von 500 m² bei 3.50 m Höhe und für jedes weitere Adulttier 50 m² zusätzlich erforderlich ist, und dass das Innengehege eine Grundfläche von 50 m² bei ebenfalls 3.50 m Höhe haben muss und für jedes weitere Tier 5 m² mehr. Für Sibirische Tiger sind anstelle eines innengehege sisolierte Schlafboxen vorgeschrieben.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Tiger wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Felis tigris" beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Panthera wurde 1816 von dem aus der Ortenau stammenden, nachmaligen Rektor der Universität Zürich, Lorenz OKEN, vergeben. Die Rote Liste der IUCN führt 6 noch lebende und 3 im 20. Jahrhundert ausgestorbene Tiger-Unterarten auf. Der Hinterindische Tiger (Panthera tigris corbetti) wurde erst 1968 beschrieben. 2004 wurde von diesem, der Malaiische Tiger (Panthera tigris jacksoni) abgespaltet. Diese Unterart ist aber vermutlich identisch mit corbetti [5]. Neuerdings werden aufgrund molekulargenetischer Beurteilungen alle südlichen Festlandtigerformen zusammengefasst, ebenso der Amur- mit dem ausgestorbenen Kaspitiger.

Literatur und Internetquellen

  1. ACHENBACH, S. (2002b)
  2. BERGER, H. (1993)
  3. EXNER, C. (1995)
  4. BREITENMOSER-WÜRSTEN, CH. & BREITENMOSER, U. (2013)
  5. GOODRICH, J. et al. (2015). Panthera tigris. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T15955A50659951. http://www.iucnredlist.org/details/15955/0. Downloaded on 16 June 2018.
  6. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  7. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  8. KERN, C. (2012)
  9. KIPLING, R. (2003)
  10. KUPFER, F. (1998)
  11. MOORE-JONES, J. (2013) 
  12. NAUMANN, N. (1997)
  13. SCHIMMELPFENNIG, A. (2015)
  14. VOLLRATH, C. (2010)
  15. WANKER-STEMPELL, S. (2006)
  16. WEIGL, R. (2005)
  17. WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

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Gelesen 1979 mal Letzte Änderung am Dienstag, 20 November 2018 14:44
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx