Kröten und Stummelfüsse

Wechselkröte

Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis) Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis)
Axel Gebauer, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)

Familie: Kröten und Stummelfüße (Bufonidae)

D LC 650

Wechselkröte

Bufo (= Bufotes) viridis s. l. • The Green Toad • Le craupaud vert

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Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis) im Allgäuer Reptilienzoo Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Wechselkröte (Bufo = Bufotes viridis) im engeren Sinn

 

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Rufende Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis) © Axel Gabauer, Görlitz

 

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Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis) im Opel-Zoo Kronberg © Martin Becker, Opel-Zoo

 

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Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis) © Axel Gebauer, Görlitz

 

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Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis) im Opel-Zoo Kronberg © Martin Becker, Opel-Zoo

 

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Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis) im Opel-Zoo Kronberg © Martin Becker, Opel-Zoo

 

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Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis) im Allgäuer Reptilienzoo Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wechselkröten (Bufo (= Bufotes) viridis) im Allgäuer Reptilienzoo Füssen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Gut getarnt: Wechselkröten (Bufo (= Bufotes) viridis) im Tierpark Berlin © Tierpark Berlin (Pressefoto)

 

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Auge einer Wechselkröte (Bufo (= Bufotes) viridis) © Axel Gebauer, Görlitz

 

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"Erd-, Wechsel- und Kreuzkröte (Bufo vulgaris, Bufo vatiablis und Bufo calamita)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Die Wechselkröte ist eine kleinere, einheimische, bei uns regional gefährdete oder bereits ausgestorbene Krötenart, die sich aufgrund ihrer Buntheit gut als Botschafter für den Amphibienschutz eignet und die daher relativ häufig in Zoos gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Wechselkröte ist ein mittelgroßer Froschlurch, der eine Länge von (5-)7-9(-12) cm erreicht, wobei die Männchen kleiner bleiben als die Weibchen. Ihr Kopf ist breit, die Pupillen sind waagerecht-elliptisch, die Iris zitronengelb bis grünlich mit schwarzen Sprenkeln. Das Trommelfell ist gut sichtbar, die Parotoiddrüsen sind ziemlich flach, seitlich eingebuchtet und daher nierenförmig. Die Männchen haben eine gut entwickelte Schallblase. Auf der Oberseite trägt sie auf gräulichweißem Grund große, unten auf weißem Grund kleinere, grüne Flecken. Südeuropäische Stücke sind weit bunter gezeichnet als mitteleuropäische, ihre Grundfarben ist viel lebhafter, die Flecken schärfer begrenzt und gewöhnlich dunkler umsäumt [3; 4; 6; 7].

Verbreitung

Westliche Paläarktis: Der Artkomplex ist von Spanien und Nordafrika Italien ostwärts bis in den Nahen Osten und Zentralasien, nordwärts bis Südschweden verbreitet [1] : 

Bufotes viridis sensu stricto: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Estland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Kasachstan, Lettland, Litauen, Mazedonien, Malta, Moldawien, Montenegro, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Ungarn, Weißrussland.

Als Bufotes balearicus oder Pseudepidalea balearica bezeichnet werden Populationen in Italien, einschließlich Sardinien, auf Korsika und den Balearen. Auf Sizilien soll es sowohl B. balearicus als auch B. siculus geben.

Als Bufotes boulengeri abgetrennt wurden Populationen in: Ägypten, Algerien, Italien, Libyen, Marokko, Spanien, Tunesien, West-Sahara.

Populationen in folgenden Ländern werden neuerdings einer Bufotes variabilis genannten Art zugeordnet: Armenien, Aserbaidschan, Dänemark, Norddeutschland, Georgien Griechenland, Irak, Iran, Kasachstan, Libanon, Russland, Schweden, Syrien, Türkei, Zypern.

Welcher "Art" die folgenden Bestände zugeordnet werden sollen, ist den Molekulargenetiken noch unklar: Ägypten (Sinai), Israel, Jordanien, Saudi-Arabien.

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraumansprüche: Vegetationsarme und fischfreie, seichte Tümpel, vorzugsweise in Kies- und Sandgruben, sowie Steinbrüchen. Der Landlebensraum ist sonnig, offen und trocken mit lockerem Boden und lückiger Vegetation. Ruderalstandorte, Abbauflächen, Brachland, auch Dünen und am Rand von lichten Wäldern [6; 7].

Biologie: Die wärmeliebende Wechselkröte sucht die Laichgewässer meist erst im April auf. Die Weibchen produzieren pro Saison 2'000 bis 12'000 (-15'000) Eier - mehr als jede andere europäische Amphibienart, die sie in 2-4 m langen Schnüren, überwiegend in einer Tiefe von 15-20 cm ablegen. Die 3-5 mm langen Larven schlüpfen nach 3-6 Tagen und wachsen dann innerhalb von 2-3 Monaten auf eine Länge von 4 bis 5 cm heran. Die Geschlechtsreife wird im Alter von vier Jahren erreicht [3; 5; 7].

Die Wechselkröte ist eine äußerst mobile Pionierart sie kann neu entstandene Wasser- und Landlebensräume besiedeln, die bis zu 10 km von ihrem Ursprungsgewässer entfernt liegen [6].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weltweit immer noch relativ häufig und wurde deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 als nicht gefährdet eingestuft, obwohl der Populationstrend genrell abnehmend ist [1]. In Hamburg ist sie bereits ausgestorben, in den anderen Bundesländern Deutschlands gefährdet bis vom Aussterben bedroht, desgleichen in Österreich. In der Schweiz kam die Art nur marginal in der Region Basel und auf der Alpensüdseite vor. Nachdem eine im Mendrisiotto wiederangesiedelte Population wieder verschwunden ist, gilt sie seit dem Jahr 2000 als ausgestorben [6; 7].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Die Wechselkröte fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist in Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

Praktische Schutzmaßnahmen: Erhaltung und Unterhalt der Laichgewässer und Landlebensräume. Schaffen neuer Biotope  und weiträumige Vernetzung. Zucht in Menschenhand und Wiederansiedlung.

Zoogestützte Schutzprojekte (Beispiele):

2018 haben die Tierpfleger-Azubis des Tierpark Berlin Wechselkröten, die sich auf eine nahe Baustelle in Lichtenberg verirrt hatten, gerettet. Die Tiere waren in eine Baugrube gefallen und konnten sich nicht mehr selbst daraus befreien. Die evakuierten Amphibien, einschließlich eine große Anzahl an Kaulquappen und Krötenlaich, wurden in die Quarantäne des Tierparks verbracht und danach auf dem weitläufigen, von potenziellen Laichgewässern durchzogenen Tierparkgelände ausgewildert.

Bedeutung für den Menschen

Kröten galten in prähistorischer Zeit und im Altertum als Fruchtbarkeitssymbole. Die Wechselkrötenpopulationen auf den Balearen gehen vermutlich auf aus mythologischen Gründen eingeführte Tiere zurück [3].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 30 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Von 1768 bis 2005 hieß die Art Bufo viridis. Im Zuge der permanenten Reorganisation der Amphibien-Taxonomie während der letzten Jahre wurde sie 2006 in Pseudepidalea viridis umbenannt. 2010 wurden die 16 Arten der Bufo viridis-Gruppe unter dem 1815 von RAFINESQUE verliehenen Namen Bufotes als Untergattung von Bufo definiert. 2011 wurde daraus im Rahmen einer umfangreichen Neuklassifikation der Amphibien eine Gattung. Die Bezeichnung Bufo viridis ist aber nach wie vor oft in Gebrauch, zumal 2014 nordamerikanische Autoren postulierten, dass die neuen, die polyphyletische Bufo ersetzenden Gattungen als Untergattungen eingestuft würden [2].

Die Art B. viridis wird neuerdings als Artkomplex angesehen, zu dem mehrere Arten gehören sollen. Das Ganze wirkt aber etwas unausgegoren, wenn man z.B. bedenkt, dass die Vorkommen von variabilis in Nordwesteuropa und in Osteuropa durch eine Distanz von über 2'000 km Luftlinie getrennt sind, und dass dieses dazwischen liegenden Gebiet durch viridis besiedelt ist...  [1; 2; 8]. 

Literatur und Internetquellen

  1. AGHASYAN, A. et al. (2015). Bufotes viridis. (errata version published in 2016) The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T155333A86444583. http://www.iucnredlist.org/details/155333/0. Downloaded on 04 December 2017. Ferner Datenblätter über andere Arten der viridis-Gruppe.
  2. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  3. AMPHIBIAWEB
  4. BREHM, A. E. (1882-1887)
  5. HERRMANN, H. J. (2005)
  6. KARCH
  7. MEYER et al. (2009)
  8. PYRON, R. A. & WIENS, J. J. (2011)
  9. TIERPARK BERLIN - PRESSEMITTEILUNG VOM 19.06.2018

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Gelesen 5119 mal Letzte Änderung am Freitag, 23 Juli 2021 15:25
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx