Schwanzlurche

Teichmolch

Männlicher Teichmolch (Triturus = Lissotriton vulgaris Männlicher Teichmolch (Triturus = Lissotriton vulgaris
Axel Kwet, DGHT

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)

Familie: Echte Salamander (Salamandridae)

D LC 650

Teichmolch

Triturus (=Lissotriton) vulgaris  • The Smooth Newt • Le triton ponctué ou lobé

Der Teichmolch war der Lurch des Jahres 2010

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Teichmolch (Triturus (=Lissotriton) vulgaris) kurz vor Winterruhe im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Männlicher Teichmolch (Triturus (=Lissotriton) vulgaris) © Kurt Grossenbacher, Naturhistorisches Museum Bern

 

 

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Weiblicher Teichmolch (Triturus (=Lissotriton) vulgaris) © Kurt Grossenbacher, Naturhistorisches Museum Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Teichmolchs (Triturus = Lissotriton vulgaris)

 

 

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Poster der DGHT zum Lurch des Jahres 2010

 

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Während der Fortpflanzungsperiode ist der Teichmolch eine für Ausstellungszwecke höchst attraktive Art. Er wird deshalb und aus zoopädagogischen Gründen in etlichen Zoos gehalten, obwohl er einen großen Teil des Jahres versteckt an Land verbringt.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit dem hohen, gewellten Rückenkamm des Hochzeitskleids, der, anders als beim >Kammmolch,  am Rumpfende nicht unterbrochen ist, sondern bis zum Schwanzende weiterläuft, und den breiten Hautsäumen an den Hinterbeinen, ist der nur 7-9 cm lange Teichmolch ein prächtiger Bewohner unserer Tümpel und Weiher. Die schwarz gefleckte Bauchseite der Männchen ist leuchtend orange, und der Schwanzsaum teilweise blau. Weibchen bleiben etwa kleiner, ihre Grundfärbung ist hellbraun, ocker oder helloliv, Kehle und Bauch sind blassorange, der Bauch mit dunkeln Flecken [1; 4; 8].

Verbreitung

Fast ganz Europa : Von Irland bis zum Kaukasus und von Skandinavien bis nach Griechenland. In Deutschland ist seine Verbreitung fast flächendeckend. In Österreich wurde er bis zu einer Höhe von 2'150 m.ü.M. (Kärnten) festgestellt, am häufigsten aber in Höhenlagen unter 600 m. Daher findet man ihn vor allem in Wien, Niederösterreich, Burgenland und Oberösterreich. Auch in der Schweiz ist er hauptsächlich auf Lagen unter 600 m beschränkt, in Graubünden etwa auf das Churer Rheintal, wo er nur noch an wenigen Orten vorkommt, im Wallis auf das Mündungsgebiet der Rhone. Im Tessin lebt der Südliche Teichmolch (Triturus (=Lissotriton) vulgaris meridionalis) [3; 6; 7; 8].

Lebensraum und Lebensweise<

Einen Großteil des Jahres leben diese Schwanzlurche versteckt an Land. Als Laichgewässer bevorzugen sie vegetationsreiche, wenig tiefe (max. 1 m), sonnig gelegene und fischfreie Kleingewässer, wo sie im April etwas später als die anderen Molcharten erscheinen und bis im Juni bleiben. Die Winterruhe dürfte bereits im Oktober beginnen [1; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

In Anbetracht seiner weiten Verbreitung und immer noch hohen Bestände gilt der Teichmolch aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2009 global als nicht gefährdet. In Deutschland führen ihn Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern als gefährdet, in fünf weiteren Bundesländern steht er auf der Vorwarnliste. In Österreich bezeichnen ihn alle Bundesländer als gefährdet oder stark gefährdet, in der Schweiz gilt er als stark gefährdet (ENDANGERED), in Liechtenstein als vom Aussterben bedroht [7; 8].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Der Teichmolch ist nicht in den Anhängen der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

Da der Teichmolch gerne Gartenteiche als Laichgewässer annimmt und hier bei seinen komplexen und hoch interessanten Paarungsrituale beobachtet werden kann, steht er, wie kaum eine zweite Amphibienart für den Natur- und Artenschutz direkt vor unserer Haustür. Die Deutsche Herpetologische Gesellschaft (DGHT) hatte ihn deshalb für das internationale Jahr der biologischen Vielfalt 2010 zum Lurch des Jahres ausgerufen, um so auf die Gefährdung der einheimischen Amphibien und Reptilien hinzuweisen.

Praktische Schutzmaßnahmen: Erhaltung und Unterhalt der Laichgewässer, Schaffen von neuen, fischfreien Gewässern im Abstand von bis zu 500 m zu einer bestehenden Population.

Bedeutung für den Menschen

Auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wird der Teichmolch in großer Zahl für den Heimtierhandel gefangen [3]. Im übrigen Europa spielt er nur noch eine Rolle in der Umweltbildung.

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 30 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. In manchen Zoos hat es wildlebende Populationen

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Teichmolch wurde 1758 von Carl von LINNÉ  unter den Bezeichnungen "Lacerta vulgaris", "Lacerta aquatica" und "Lacerta palustris" beschrieben. Der österreichische Arzt und Naturforscher Josephus Nicolaus LAURENTI stellte ihn 1768 als "Triton palustris" in eine neue, für Molche reservierte Gattung. Nach etlichen Umwegen landete er 1918 in der Gattung Triturus und hieß fortan während fast eines Jahrhunderts Triturus vulgaris. 2004 wurde er in eine separate Gattung gestellt, für die der Name Lissotriton aus dem Jahr 1839 reaktiviert wurde [1; 9].

Bis 2009 wurden 7 Unterarten anerkannt:

  • L. t. vulgaris (Linné, 1758)
  • L. t. meridionalis (Boulenger, 1882)
  • L. t. ampelensis (Fuhn, 1951)
  • L. t. graecus (Wolterstorff, 1905)
  • L. t. dalmaticus (Kolombatovic, 1907)
  • L. t. kosswigi (Freytag, 1955)
  • L. t. schmidtlerorum (Raxworthy, 1988)

Dann wurden einige dieser Unterarten in den Rang von Arten erhoben und vulgaris zur Superspezies erklärt [2]. Öfter mal was Neues ...

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THE WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. ARNTZEN, J. W. et al. (2009). Lissotriton vulgaris. The IUCN Red List of Threatened Species 2009: e.T59481A11932252. http://www.iucnredlist.org/details/59481/0. Downloaded on 03 December 2017.
  4. BREHM, A. E. (1882-1887)
  5. BRODMANN, P. (1982)
  6. FREY, U. GROSSENBACHER, K. & MÜLLER, J.P. (1985)
  7. KÜHNIS, J. (2011)
  8. MEYER et al. (2009)
  9. SCHMIDTLER, J. F. (2004)

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Gelesen 920 mal Letzte Änderung am Sonntag, 06 Januar 2019 10:37
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx