Insektenfresser und Fledertiere

Riesenflughund

Riesenflughund (Pteropus giganteus), Tiergarten Schönbrunn Riesenflughund (Pteropus giganteus), Tiergarten Schönbrunn
© Daniel Zupanc, Wien

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Fledertiere (CHIROPTERA)

Unterordnung: Flederhunde (Megachiroptera)
Familie: Flughunde (Pteropodidae)
Unterfamilie: Langnasenflughunde (Pteropodinae)

D LC 650

Riesenflughund

Pteropus giganteus • The Indian Flying Fox • La roussette de Livingstone

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Riesenflughund (Pteropus giganteus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Riesenflughunds (Pteropus giganteus)

 

 

 

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Riesenflughund (Pteropus giganteus) im Zoo Berlin © Fritz Geller-Grimm, veröffentlicht unter CC BY-SA 2-Lizenz

 

 

 

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Riesenflughund (Pteropus giganteus) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / TG Schönbrunn

 

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Riesenflughunde sind wegen ihrer Größe beeindruckende Gestalten, die möglichst in Tropenhallen und, als reine Vegetarier, auch in Schmetterlingshäuser als Botschafter für Natur- und Artenschutz, insbesondere für die Erhaltung der Wälder, in Südasien wirken können. In europäischen Zoos sind sie allerdings eher selten, weil stärker gefährdete Inselformen bevorzugt werden.

Körperbau und Körperfunktionen

Riesenflughunde sind die größten Fledertiere. Sie erreichen eine mittlere Kopf-Rumpflänge von 23 cm, Männchen bis zu 30 cm. Die Flügelspannweite liegt zwischen 120 und 150 cm. Männchen werden 1.3-1.6 kg schwer, Weibchen 600-900 g. Die Schulter- und Nackenbehaarung ist gelbbraun und hebt sich scharf vom übrigen rot-, grau- bis schwarzbraunen Körper ab [1; 4].

Verbreitung

Süd- und Südostasien: Bangladesch, Bhutan, Indien, Malediven, Myanmar, Nepal, Pakistan, Sri Lanka und - sehr lokal - in China [3].

Lebensraum und Lebensweise

Der Indische Riesenflughund lebt in großen Kolonien, die Hunderte oder Tausende von Tieren umfassen können. Tagsüber verbringen die Flughunde kopfunter und eingewickelt in ihre Flughäute an ihrem Schlafplätzen in alten, großen Bäumen wie Banyan (Ficus sp.) oder Tamarinden (Tamarindus indica), wobei häufig eine Rangordnung vorherrscht und die älteren Männchen die besten Hängeplätze besetzen. Bei Hitze fächeln sie sich mit den Flügeln kühlende Luft zu. Bei Einbruch der Dunkelheit schwärmen sie aus um Früchte, Nektar und Pollen zu suchen. Dabei werden sie nicht wie die insektenfressenden Fledermäuse vom Schall geleitet, sondern spüren ihre Nahrung durch einen ausgeprägten Geruchssinn und ihre großen Augen auf. Die Weibchen gebären einmal im Jahr nach einer Trächtigkeit von 140-150 Tagen 1, seltener 2 Junge. Diese werden während drei Wochen von der Mutter getragen, hängen danach selbständig am Schlafbaum, werden aber zu den Futterplätzen getragen. Mit 11 Wochen lernen sie fliegen und mit 5 Monaten werden sie entwöhnt. Geschlechtsreife wird mit einem (Weibchen) bis anderthalb  (Männchen) Jahren erreicht [1; 3].

Gefährdung und Schutz

Trotz abnehmender Bestände wird diese Art aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN), da sie weit verbreitet ist und die Bestände immer noch groß sind [3].

Der internationale Handel mit Exemplaren auch nicht gefährdeter Arten der Gattung Pteropus ist nach CITES-Anhang II geregelt. Dies deshalb, weil getötete Flughunden zu Speisezwecken tiefgefroren in Blöcken gehandelt werden, was eine Artidentifikation erschwert.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Gebietsweise werden Riesenflughunde zwecks Fleischgewinnung bejagt. Sie können erhebliche Schäden an Obstkulturen anrichten und deswegen verfolgt werden. Sie sind auch Überträger des Nipah-Virus, das beim Menschen zu Krankheit  und Tod führen kann [1]

Von 2001-2017 exportierte Sri Lanka 30 lebende Riesenflughunde und Bangladesh 15'042 "specimens", was immer das bedeuten mag. Fleischexporte wurden keine registriert. Weltweit wurden 28 Nachzuchttiere international verschoben [2].

Haltung

Die Haltung erfolgt in Nachttierhäusern oder in geräumigen Tropenhallen bzw. Schmetterlingshäusern. Eine Vergesellschaftung ist mit vielen Tierarten möglich. Riesenflughunde können um die 40 Jahre alt werden, Ein in amerikanischen Zoos gehaltenes Männchen war nach 38 Jahren und 11 Monaten noch am Leben [5].

Haltung in europäischen Zoos: Der Riesenflughund wird in etwa 10 europäischen Zoos gezeigt, die sich mehrheitlich im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für bis zu 20 große Flughunde eine Grundfläche von mindestens 30 m² bei einer Höhe von 3 m haben. Für jedes weitere Tier kommt 1 m² zur Basisfläche dazu. Dies bedeutet gegenüber dem Gutachen’96 eine Erhöhung der Grundfläche um 50%. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos stellten dazu fest, dass es dafür keine wissenschaftlichen Grundlagen gäbe und dass aufgrund praktischer Haltungserfahrung kein Anlass für eine solche Erhöhung des Raumangebots bestehe.

Die Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 20 Tiere ebenfalls ein Innengehege von 30 m² mit einer Mindesthöhe von 3 m und für jedes weitere Tier 1 m² mehr vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) sind für 20 Tiere eine Grundfläche von 100 m² und eine Höhe von 5 m erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 10 m² zu erhöhen. Letzteres ist unsinnig, nachdem für die ersten 20 nur eine Fläche von 5 m² pro Tier verlangt wird.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1782 vom dänischen Zoologen Morten Thrane BRÜNNICH unter der Bezeichnung "Vespertilio gigantea" beschrieben und kam später in die 1762 von dem französischen Zoologen Mathurin Jacques BRISSON aufgestellte Gattung Pteropus [3; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. MOLUR, S. et al. (2008). Pteropus giganteus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T18725A8511108. http://www.iucnredlist.org/details/18725/0. Downloaded on 15 May 2018.
  4. NOWAK, R.M. & PARADISO, J.L. (1983)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 2085 mal Letzte Änderung am Samstag, 01 Dezember 2018 10:39
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx