Schutz für heimische Amphibien

Tierpark Goldau: Neue Lebensräume für Amphibien

Amphibienweiher im Natur- und Tierpark Goldau bei der Eröffnung 2009 Amphibienweiher im Natur- und Tierpark Goldau bei der Eröffnung 2009
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Neue Amphibien-Biotope im Natur- und Tierpark Goldau

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Bau von Bachbett und neuen Weihern © Stephanie Heinzelmann

 

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Der neu erstellte Amphibienweiher mit Einblick für die Besucher © Stephanie Heinzelmann, NTP Goldau

 

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Neuer Weiher und renaturierter Bachlauf © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tümpel als Laichgewässer für Amphibien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Informationstafel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Informationstafel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Der Bau der 2009 eröffeten Bär-Wolfsanlage wurde genutzt, um einen grösseren Eingriff zu Gunsten der Natur vorzunehmen: Die Renaturierung eines Gewässers. Jahrzehntelang bot der kommunale Bach, welcher über das Ausbaugelände des Natur- und Tierpark Goldaus floss, einen traurigen Anblick: Stark verbaut, verlief er praktisch schnurgerade durchs Areal und versickerte stellenweise sogar in den Untergrund. Schwoll er bei Hochwasser an, konnte die schmale künstliche Rinne das Wasser nicht mehr abführen, das ganze Gelände wurde überflutet. Pflanzen und Tieren bot der Schuttbach keinen geeigneten Lebensraum mehr. Der Bachlauf wurde daher so korrigiert, dass unterschiedliche Strömungsbereiche entstandenund an verschiedenen Stelle können sich bei Hochwasser Ausbuchtungen und Tümpel bilden.

Im selben Bauvorhaben wurden eine biologische Kläranlage, ein grösserer, vom Bach getrennter Amphibienteich sowie kleinere Tümpel als Brutgewässer für Amphibien erstellt und mit Informationen rund um diese spannende Tiergruppe ergänzt. Auf dem neu gestalteten Gelände wurden auch Gebüsche gepflanzt und Kleinstrukturen wie Stein- und Asthäufen erstellt. Damit wurden Lanlebensräume für die auf dem Gelände heimischen, bedrohten Amphibienarten wie Feuersalamander, GelbbauchunkeLaubfrosch und Erdkröte geschaffen.

Bereits im ersten Jahr konnten einige Erfolge beobachtet werden: Gelbbauchunken und Erdkröten nahmen die neu gestalteten Tümpel an und laichten zahlreich ab, im Bach wurden Larven vom Feuersalamander gefunden und als besonderes Hoch konnten rufende Laubfrösche gehört werden. Von letzteren gab es jedoch keinen Nachweis von Fortpflanzung. Auch  Grasfrösche sind vorhanden. Nebst den Amphibien finden auch Eidechsen, Ringelnattern und viele verschiedene Insekten- und Vogelarten geeigneten Lebensraum. Im Jahr der Biodversität 2010 wurde die Vielfalt an Lebewesen im revitalisierten Areal im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit gründlich erforscht.

Damit auch die Tierpark-Besucher die heimischen Amphibienarten kennen lernen können, wurden Informationstafeln erstellt. Das Ziel ist es, die Leute über Bilder und kurze, ansprechende Texte dazu aufzufordern, den Lebensraum hinter den Tafeln zu beobachten. Ergänzt wird dieses Angebot mit einer interaktiven Hörstation, bei welcher die typischen Rufe einiger Amphibien abgehört werden kann. Zudem bietet der pädagogische Dienst des Tierparks während dem Sommerhalbjahr täglich Kurzinfos zu Amphibien an, wo auch einige der Arten näher gezeigt werden können. Dieses Angebot wird rege benutzt und ist für die Teilnehmer kostenlos.

2013 wurde eine Anlage für Europäische Sumpfschildkröten eingebaut, die von den Amphibien ebenfalls genutzt werden kann, und 2021 wurde auf der angrenzenden ehemaligen Überschwemmungsfläche ein weiteres Großprojekt in Angriff genommen: ein Bauernhof, der in eine extensiv bewirtschaftete Weiherlandschaft eingebettet ist, die  Lebensraum für Weissstorch, Graukranich, Laubfrosch, Gelbbauchunke und weitere Amphibien bietet. Durch Ausheben neuer Weiher werden Laichgewässer für Amphibien, namentlich Laubfrösche und Gelbbauchunken geschaffen. Laubfrösche benötigen Weiher mit intensiver Besonnung und krautreichen Flachwasserzonen als Laichgewässer sowie ausgedehnte Landlebensräume. Die Gelbbauchunke braucht hingegen flache fischfreie Laichgewässer wie Regentümpel oder stehende Pfützen, die nur temporär Wasser führen und sich rasch aufwärmen. Diesen Anforderungen wird durch eine entsprechende Gestaltung und Bepflanzung Rechnung getragen.

Text: Stephanie Heinzelmann, Natur- und Tierpark Goldau (modifiziert und ergänzt 2021)

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Mehr dazu unter: Renaturierung des Schuttbachs (gesperrt)

Gelesen 4712 mal Letzte Änderung am Sonntag, 18 Juli 2021 15:52
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx