Hyänen, Schleichkatzen, Mangusten

Fossa

Fossa (Cryptoprocta fossa) im Zoo Duisburg Fossa (Cryptoprocta fossa) im Zoo Duisburg
© Zoo Duisburg

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Madagaskar-Raubtiere (Eupleridae)
Unterfamilie: Madagaskar-Schleichkatzen (Euplerinae)

D VU 650

Fossa

Cryptoprocta ferox • The Fossa • Le foussa ou cryptoprocte féroce

AFR 2015 08 Fossa 8 Duisburg
Fossa (Cryptoprocta ferox) im Zoo Duisburg © Zoo Duisburg

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Fossa (Cryptoprocta ferox)

 

 

 

 

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Junge Fossa (Cryptoprocta ferox) im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Junge Fossas (Cryptoprocta ferox) im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Fossa (Cryptoprocta ferox) im Zoo Frankfurt © Klaus rudloff, Berlin

 

 

 

 

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Markierender Fossakater (Cryptoprocta ferox) im Tierpark Hamm © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Fossa (Cryptoprocta ferox) im Zoo Heidelberg © Peter Bastian / Zoo Heidelberg (Pressefoto)

 

 

 

 

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Die auch "Frettkatze" genannte Fossa, das größte und in seiner Heimat gefährdete Raubtier Madagaskars, ist aufgrund ihres Verhalten und ihrer anatomischen Besonderheiten zoopädagogisch sehr interessant. Sie ist eine Flaggschiffart, deren noch kleiner, aber wachsender Zoobestand auch dazu dient, finanzielle Mittel für Artenschutzprojekte in Madagaskar zu generieren.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Fossa ist das größte noch lebende Raubtier Madagaskars. Sie erreicht eine Kopf-Rumpflänge  von (70-)85-90 cm und eine Schwanzlänge von (65-)80-85 cm. Kater wiegen 6.2-8.6 kg, die Weibchen sind kleiner und mit 5.5-6.8 kg deutlich leichter. Sie ist ein Sohlengänger mit 5 Zehen an jedem Fuß, die mit kräftigen, gekrümmten und rückziehbaren Krallen bewehrt sind. Sie vereinigt auf sich Merkmale verschiedener Raubtierfamilien: Wie die Mangusten hat sie eine Analtasche und keine Dammdrüsen, wie die Schleichkatzen einen sehr langen Penis mit Penisknochen, und wie bei den Katzen ist die Glans penis mit Stacheln versehen. Auch die Zeichnung der Rückseiten der Ohren ähnelt der vieler Katzenarten. Das kurze, dichte  Fell ist rötlichbraun, unterseits heller. Es kann am Bauch durch Drüsensekrete orange verfärbt sein [3; 14].

Verbreitung

Madagaskar [5]

Lebensraum und Lebensweise

Die Fossa ist eine im Allgemeinen solitär lebende Art, die in geringer Dichte Trocken- und Feuchtwälder vom Tiefland bis auf eine Höhe von 2'600 m besiedelt. Die Tiere können ausgezeichnet klettern und bewegen sich auch am Boden flink fort. Die Nahrung besteht ausschließlich aus Fleisch, wovon pro Tag etwa  800-1'000 g benötigt werden. Als Beute dienen Säugetiere, hauptsächlich mittelgroße und große Lemuren, Vögel, Schlangen, Echsen und Süßwasserschildkröten sowie Insekten [5; 14]. 

Die Paarung findet hoch im Geäst von Bäumen statt. Die Fossa hat ein unter allen Säugetieren einzigartiges Paarungsverhalten entwickelt, bei dem die Weibchen sogenannte „Paarungsbäume“ monopolisieren und sich mit mehreren Männchen nacheinander und auch wiederholt paaren  Der hyperkarnivore Top-Prädator Madagaskars lebt vorwiegend solitär, fakultativ können die Männchen aber auch stabile Assoziationen, meist zwischen Brüdern, ausbilden- Juvenile weibliche Fossas zeigen eine vorübergehende Maskulinisierung, also eine penisartige Vergrößerung der Klitoris, die sich später wieder zurückbildet und deren genauer evolutionärer Sinn noch nicht endgültig geklärt ist [9; 10; diverse Publikationen von HAWKINS].

Nach einer Tragzeit von 6-7 Wochen werden, meist im Abstand von 2 Jahren,  2-4 Junge geboren. Diese bleiben ein Jahr lang bei der Mutter und erreichen Geschlechtsreife mit 3-4 Jahren [5].

Gefährdung und Schutz

Die Fossa ist auf intakte Wälder angewiesen. Wegen der fortschreitenden Zerstörung der Wälder auf Madagaskar nehmen die Bestände laufend ab. Nach den letzten verfügbaren Daten wird die Gesamtzahl noch auf 2'600 bis 8'600 Tiere geschätzt. Die Art gilt daher aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 als gefährdet (Rote Liste: VULNERABLE) [5].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte: Zeitgleich mit der Errichtung des EEPs Wurde ein Fossa-Fonds eingerichtet, in den die am Zuchtprogramm teilnehmenden Zoologischen Gärten einzahlen, um Naturschutzmaßnahmen auf Madagaskar zu fördern. In- und ex-situ-Projekte – sowohl solche im ursprünglichen Lebensraum  als auch im Zoo – sollten von Anfang an Hand in Hand gehen. Mit Mitteln aus dem Fonds und tatkräftiger Hilfe von Duisburger Pflegern wurde beispielsweise eine Zuchtstation im Zoo der Hauptstadt Madagaskars errichtet.

Bedeutung für den Menschen

Fossas werden zur Gewinnung von Fleisch als Nahrungsmittel und von Körperteilen für die traditionelle Medizin gejagt. Bei der Landbevölkerung sind sie unbeliebt, weil sie Hühner und Ferkel töten [5].

Von 1981-2017 hat Madagaskar die Ausfuhr von 85 Wildfängen genehmigt, davon 50 nach Südafrika. Von den Bestimmungsländerun wurden 47 Importe gemeldet, davon 25 von Südafrika. Im selben Zeitraum wurde weltweit die Ausfuhr von 73 Nachzuchttieren gemeldet [1].

Haltung

Die Zoohaltung der Fossa begann im Jahr 1890, als der Londoner Zoo sein erstes Exemplar erhielt [3]. Die Welterstzucht gelang 1974 im Zoo von Montpellier [ZTL] Als Höchstalter in Menschenobhut werden 23 Jahre und 1 Monat angegeben, erreicht im Zoo Duisburg von einem im Zoo Montpellier geborenen Weibchen [13].

Seit 2000 gibt es ein Internationales Zuchtbuch (ISB), das vom Zoo Duisburg geführt wird. Bei der Gründung des Fossa-EEPs im Jahr 1994 gab es weltweit gerade mal 23 Fossas in 9 Zoos, sechs Jahre später, als das Internationale Zuchtbuch geschaffen wurde, waren es bereits 59 Fossas in 18 Zoos, und Ende 2016 umfasste es 127 lebende Tiere in 60 Institutionen [IZY 52].

Haltung in europäischen Zoos: Seit 1994 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Dieses wird vom Zoo Duisburg koordiniert, der mit 65 von 1980-2017 aufgezogenen Jungtieren der erfolgreichste Züchter war. Am 31.12.2017 hatten allein in Europa 26 Zoos 69 Fossas gemeldet. Für Details siehe Zootierliste.

Forschung im Zoo: Die Fossa ist immer wieder Gegenstand von tiermedizinischen, fortpflanzungsphysiologischen oder ethologischen Forschungsarbeiten, die entweder unser Grundlagenwissen erweitern oder darauf abzielen, die Haltungsbedingungen zu optimieren [2; 4; 6; 7; 8; 9; 10; 11; 12].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 sollen den Tieren verbindbare Einzelgehege mit einer Fläche von 25 m² und 3 m Höhe zur Verfügung gestellt werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 1-2 Tiere ein 3 m hohes Außengehege mit einer Grundfläche von 40 m² vor, für jedes weitere Adulttier kommen 5 m² dazu. Für die Innenanlagen beträgt die Grundfläche 20 m² bei 2.5 m Höhe und 4 m² mehr für jedes weitere Tier. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) fordert für das Außengehege 30 m² pro Paar, und für jedes weitere Tier zusätzlich 3 m², ferner ein Innengehege von 15 m² pro Paar und für jedes weitere Tier zusätzlich 1.5 m², wobei der Zugang zum Außengehege ganzjährig zu gewährleisten ist.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Fossa wurde 1838 von dem englischen Zoologen Edward Turner BENNETT unter ihrem heute noch geltenden Namen beschrieben. Sie ist die einzige überlebende Art der Gattung Cryptoprocta. Eine weitere Art, die Riesenfossa, Cryproprocta spelaea, deren Körpergröße und Gewicht etwa um ein Drittel größer waren als bei der heute noch lebenden Art, starb vor etwa 1'500 Jahren aus [14].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES TRADE DATA BASE
  2. DICKIE, L.A. (2005)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. HAWKINS, C. E. (1998)
  5. HAWKINS, F. (2016). Cryptoprocta ferox. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T5760A45197189. http://www.iucnredlist.org/details/5760/0. Downloaded on 19 June 2018.
  6. JUNGNICKEL, S. (2002)
  7. KLOCKENKÄMPER, M. (1988)
  8. LANGER, S. (2014)
  9. LÜHRS, M-L. (2012)
  10. RÖMER, R. (1997)
  11. STAMMER, S. (2003)
  12. VOGLER, B. (2008)
  13. WEIGL, R. (2005)
  14. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-) 

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Gelesen 832 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 15 November 2018 15:27
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx