Hyänen, Schleichkatzen, Mangusten

Indischer Mungo

Indischer Mungo (Herpestes edwardsii) im Zoo Heidelberg Indischer Mungo (Herpestes edwardsii) im Zoo Heidelberg
© Zoo Heidelberg

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Mangusten (Herpestidae)

D LC 650

Indischer Mungo

Herpestes edwardsi • The Indian Grey Mongoose • La mangouste indienne grise

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Indischer Mungo (Herpestes edwardsii) im Zoo Heidelberg © Klaus Wünnemann, Zoo Heidelberg

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Indischen Mungos (Herpestes edwardsi)

 

 

 

 

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Indischer Mungo (Herpestes edwardsi) auf der Rhesusaffenanlage im Zoo Heidelberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Indischer Mungo (Herpestes edwardsii) im Nagarhole-Nationalpark, Karnataka © Kalyanvarma auf Wikimedia Commons. Veröffentlicht unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

 

 

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"Mungos (Herpestes griseus)". Bild aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Der Indische Mungo ist bekannt dafür, dass er Schlangen angreift und tötet. Dadurch und in Verbindung mit entsprechener Literatur, wie dem Dschungelbuch von Rudyard KIPLING, wird er zu einer interessanten Art für die Zoopädagogik. Er wurde aber in den letzten Jahren nur noch selten in Europa gehalten und ist gegenwärtig (2018) gar nicht mehr in unseren Zoos anzutreffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Indische Mungo erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 35-45 cm, eine Schwanzlänge von 32-45 cm und ein Gewicht von 1.4 kg. Männchen sind etwas größer und schwerer als Weibchen. Iris und Nasenspiegel sind rotbraun. Die Ohren sind ziemlich kurz. An jedem Fuß befinden sich 5 Zehen. Das braun- oder gelbgraue Fell ist ziemlich lang, an der Schwanzbasis erreichen die Haare 55 mm. Die einzelnen Grannenhaare sind geringelt, wodurch das Fell meliert wirkt. Die Schwanzspitze ist gleich gefärbt wie der übrige Schwanz oder heller [1].

Verbreitung

Südliches Asien: Afghanistan, Bahrain, Bhutan, Indien, Indonesien, Iran, Kuwait, Malaysia, Mauritius, Nepal, Pakistan, Saudi-Arabien, Sri Lanka [3].

Indische Mungos wurden verschiedentlich außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets ausgesetzt, so in Mittelitalien, wo sich eine Population von 1952-1984 halten konnte. Auf der im Juni 2016 von der EU-Kommission veröffentlichten Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung ist der Indische Mungo nicht aufgeführt, dagegen die nahe verwandte Art Herpestes javanicus, von der eine eingeführte Population in Kroatien und Bosnien lebt.

Lebensraum und Lebensweise

Der Indische Mungo ist ein meist solitär, allenfalls paarweise oder in Mutterfamilien lebender, tagaktiver Kulturfolger. Zu den natürlichen Lebensräumen gehören Trockenwälder und Dornbusch vom Tiefland bis auf eine Höhe von 2'100 m. Ferner werden Baumpflanzungen, Agrarland und menschliches Siedlungsgebiet aufgesucht. Das Nahrungsspektrum umfasst Ratten, Mäuse, Schlangen, Echsen, Amphibien und Wirbellose aller Art, ferner Vogeleier, Früchte und andere Pflanzenteile sowie Aas und Siedlungsabfälle. [1; 3; 5].

Nach einer Tragzeit von 8-9 Wochen werden in der Regel 2-4 Junge geboren, die mit 4-5 Wochen entwöhnt werden. Ein Weibchen kann pro Jahr 2-3 Würfe bringen [1; 5].

Gefährdung und Schutz

Der Indische Mungo wird aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 nicht als gefährdet eingestuft, da er weit verbreitet ist und einen großen Gesamtbestand hat. Vom Menschen dicht besiedelte Gegenden schrecken ihn nicht ab, im Gegenteil, solche Gebiete werden teilweise sogar bevorzugt aufgesucht (Rote Liste: LEAST CONCERN) [3].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Indische Mungos werden lebend gefangen und als Heimtiere und Mäusefänger vermarktet. Von mit  Schlingen gefangenen oder sonstwie getöteten Mungos werden die Felle vermarktet oder es werden aus den Haaren Pinsel gefertigt. Manche Volksstämme essen auch das Fleisch [3].

Kulturelle Bedeutung: Dem Indischen Mungo wurde von Rudyard KIPLING 1894 im Rahmen der "Dschungelbücher" ein literarisches Denkmal gesetzt: Der Mungo "Rikki-Tikki-Tavi", der im Garten einer englischen Familie lebt, rettet diese vor Angriffen durch die Königskobras "Nag" und "Nagaina", die sich durch die Anwesenheit der Menschen gestört fühlen und diese töten wollen, um ihre Jungen ungestört aufziehen zu können [2]. Basierend auf der Erzählung wurden auch Zeichentrickfilme produziert.

Haltung

Indische Mungos können mit Primaten vergesellschaftet werden, z.B. mit Rhesusaffen (Macaca mulatta) früher im Zoo Heidelberg.

Im Zoo können Indische Mungos ein Alter von 11-13 Jahren erreichen [4].

Haltung in europäischen Zoos:
 Die Art wird gegenwärtig (2018) in europäischen Zoos nicht mehr gehalten. Das letzte Tier starb 2017 im Heidelberger Zoo. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt kein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und kein Zuchtbuch (ESB) für diese Art.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 liegt der Flächenbedarf für 2 verträgliche Tiere bei 12 m². Dieser Raum ist in zwei verbindbare Einzelgehege zu unterteilen. Bei dauernder Einzelhaltung sollen mindestens 10 m² angeboten werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 1-2 Tiere Außen- oder Innengehege mit einer Grundfläche von 20 m² vor, für jedes weitere Adulttier kommen außen 5, innen 3 m² dazu. In der Vorgänger-Verordnung waren nur 12 m² für 1-2 Tiere und zusätzlich 4 m² für jedes weitere vorgeschrieben. Für die Erhöhung gab es weder eine Begründung noch einen Anlass. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) fordert für das Außengehege 16 m² pro Paar, und für jedes weitere Tier zusätzlich 1.6 m², ferner ein Innengehege von 8 m² pro Paar und für jedes weitere Tier zusätzlich 0.8 m², wobei der Zugang zum Außengehege ganzjährig zu gewährleisten ist.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Indische Mungo wurde 1818 von Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE, dem Begründer des ersten bürgerlichen Zoos, der Ménagerie im Jardin des Plantes von Paris, als "Ichneumon edwardsii" beschrieben. Später kam er in die bereits 1811 von Johann Karl Wilhelm ILLIGER, der damals die Aufsicht über die königliche Naturaliensammlung in Berlin inne hatte, aufgestellte Gattung Herpestes. Zeitweilig wurde die Bezeichnung "Herpestes griseus" verwendet. Es werden gegenwärtig 5 Unterarten anerkannt, eine Überprüfung scheint aber angezeigt. [5; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  2. KIPLING, R. (2003)
  3. MUDAPPA, D. & CHOUHURY, A. (2016). Herpestes edwardsii. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41611A45206787. http://www.iucnredlist.org/details/41611/0. Downloaded on 19 June 2018.
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-) 

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Gelesen 2427 mal Letzte Änderung am Dienstag, 16 Oktober 2018 07:16
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx