Marder und Stinktiere

Riesenotter

Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Zoo Dortmund Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Zoo Dortmund
© Frank Brandstätter, Dortmund

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Marderverwandte (Mustelidae)
Unterfamilie Otter (Lutrinae)

D EN 650

Riesenotter

Pteronura brasiliensis< • The Giant Otter • Laloutre géante du Brésil

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Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Zoo Dortmund © Elias Neideck

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Riesenotters (Pteronura brasiliensis)

 

 

 

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Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Zoo Duisburg © Zoo Duisburg (Pressefoto)

 

 

 

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Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Zoo Dortmund © Frank Brandstätter, Zoo Dortmund

 

 

 

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Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Tierpark Hagenbeck © Tierpark Hagenbeck (Pressefoto)

 

 

 

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Junge Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

 

 

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Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Zoo Dortmund © Zoo Dortmund

 

 

 

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Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Riesenotter (Pteronura brasiliensis) mit Welpen im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

 

 

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Riesenotter (Pteronura brasiliensis), Nahaufnahme eines zugerichteten Fells. Bild: Klaus-Peter Kuhn. Public Domain

 

 

 

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Als große, semiaquatische, soziale und tagsüber sehr aktive Tierart ist der in seiner Heimat stark gefährdete Riesenotter ein idealer Botschafter für Natur- und Artenschutzprojekte im tropischen Südamerika. Weil die Haltung mit viel Aufwand verbunden ist und die Zucht bis vor wenigen Jahren nur selten gelang, ist die Zahl der Zoos, in denen Riesenotter zu sehen sind, noch klein aber stetig zunehmend.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Riesenotter ist, nebst dem Meerotter, der größte Otter und damit einer der größten Marder überhaupt. Er erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 100-130 cm, eine Schwanzlänge von 45-65 cm und ein Gewicht von 26-32 kg bei den Rüden und von 22-26 kg bei den etwas kleineren Fähen. Er hat einen breiten, stark gewölbten Schädel mit kurzer Schnauze und kurzen, abgerundeten Ohren, an allen Füßen gut entwickelte Schwimmhäute zwischen den mit kurzen, scharfen Krallen bewehrten Zehen und einen am Ansatz runden, nach hinten sich abplattenden Schwanz. Das kurze, glatte Fell ist rot- bis dunkelbraun bis auf eine helle, individuell verschiedene Fleckenzeichnung an Lippen, Kinn, Kehle und Brust [5; 7; 9].

Verbreitung

Südamerika: Bolivien, Brasilien, Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Suriname, Venezuela. Ausgerottet in Argentinien und Uruguay [1].

Lebensraum und Lebensweise

Riesenotter besiedeln große, langsam fließende Flüsse, Seen, Stauseen und Sümpfe. Sie sind semiaquatisch, jagen im Wasser und gehen an Land, um sich gegenseitig zu putzen, zu spielen oder Kot abzusetzen. Zum Schlafen und zur Jungenaufzucht dienen Baue, die unter Wurzeln oder umgefallenen Bäumen errichtet werden und aus kurzen, in eine 1.2-1.8 m breite Nestkammer mündenden Gängen bestehen. Die Tiere sind tagaktiv und leben in Gruppen bis zu 10(-20) Individuen, die sich in der Regel aus einem Paar und den Nachkommen der letzten 2-3 Würfe zusammensetzen. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Fischen, wobei kleinere im Wasser gefressen, größere an Land gebracht und dort verzehrt werden. Daneben werden auch Kleinsäuger, Vögel, Reptilien, Amphibien Krebse, Muscheln und andere Wirbellose genommen [1; 7; 9;].

Nach einer Tragzeit von 65-72 Tagen, wozu fakultativ eine Keimruhe kommen kann, werden einmal jährlich 1-3(-5) Welpen mit einem Geburtsgewicht von 200-265 g geboren. Diese sind bei der Geburt blind und öffnen ihre Augen mit rund 30 Tagen. Sie werden 7-9 Monate gesäugt, nehmen aber schon mit rund 10 Wochen feste Nahrung zu sich und beginnen auch in diesem Alter den Bau zu verlassen. Mit 2-3 Jahren sind sie geschlechtsreif und verlassen die Familiengruppe. In der Natur können sie ein Alter bis zu 8 Jahren erreichen [5; 7; 9].

Gefährdung und Schutz

Früher wurden die Bestände des Riesenotters stark durch die Jagd (Pelzhandel) reduziert. Heute gehen sie vor allem durch die Zerstörung des Lebensraums durch Abholzung, Besiedlung, Verschmutzung mit Quecksilber aus Goldminen und durch Überfischung (Nahrungsmangel) zurück. Auch wird der Riesenotter immer noch (illegal) gejagt, da er einerseits von Fischern als Konkurrent angesehen wird, andereseits immer noch wegen seines Pelzes getötet wird. Er gehört deshalb seit dem Jahr 2000, letztmals überprüft 2014, zu den stark gefährdeten Arten (Rote Liste: ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel wird nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Bis zum Inkrafttreten von CITES wurde der Riesenotter so intensiv wegen seines Fells gejagt, dass er beinahe ausstarb. Von 1977-2017 wurden nur noch 12 Pelzmäntel, ein Posten von 123 Fellen und ein paar Einzelfelle im internationalen Pelzhandel registriert. Im selben Zeitraum wurden 6 lebende Wildfänge zur Ausfuhr genehmigt und es wurden 30 Nachzuchttiere international verschoben [1; 2].

Haltung

Riesenotter wurden erst 1971 im Zoo von São Paulo erfolgreich nachgezüchtet und auch in der Folge war global gesehen ihre Haltung problematisch und die Zucht schwierig. Ende 2002 wurden weltweit nur 58 Tiere in 27 Institutionen gehalten, 80% davon in Südamerika. Die Sterblichkeit in Zoos war relativ hoch, denn die Otter sind empfänglich für Infektionskrankheiten, die auch bei anderen Raubtieren, namentlich Hunden, vorkommen, wie der Parvovirose, wobei nicht alle Zoos Zugang zu geeigneten und unschädlichen Impfstoffen hatten. Ferner leiden sie unter Hautparasiten und Eingeweidewürmern (z.B. Haken-, Peitschen-, Bandwürmer) und viele Jungtiere starben früh, nicht zuletzt weil die gestressten Mütter den Wurf verließen oder die Welpen töteten [7].

Es gibt ein Internationales Zuchtbuch, das am Zoo Schwerin geführt wird, 123 lebende Tiere in 37 Institutionen umfasst [IZY 52, Daten bis Dezember 2016] und auch Haltungsempfehlungen enthält [7]. Ergänzende Empfehlungen wurden von der Otter-Spezialistengruppe der IUCN veröffentlicht [3].

Zwei im Zoo von Brasilia geborene Riesenotter waren nach 17 Jahren und 3 Monaten im Zoo Dortmund bzw. Duisburg noch am Leben [8].

Haltung in europäischen Zoos: Im Jahr 2002 gab es nur 3 europäische Zoos, die Riesenotter hielten, zwei davon in Deutschland. Heute (2018) wird die Art in 17 Zoos gehalten, von denen sich 4 in Deutschland befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) existiert seit 2003. Seit 2015 wird es vom Zoo Schwerin koordiniert (zuvor Zoo Dortmund).

Der Zoo Berlin kann den europäischen Erstimport eines Riesenotters verbuchen. Im Jahr 1900 konnte aus Paraguay ein handaufgezogenes Tier erworben werden, dem jeweils ein Hundebrustgeschirr angelegt wurde, damit er an der Leine im Zoo spazieren geführt werden konnte. Während der warmen Jahreszeit durfte "Pitschie" auch an der langen Leine im "Vierwaldstättersee" schwimmen. Als Spielgefährten gab man ihm einen jungen Schweißhund bei, mit dem er sich innig anfreundete. Auf Dauer passte aber dem Hund die Badefreudigkeit seines Freundes nicht, sodass man ihn schließlich aus dem stets nassen Käfig im Kleinen Raubtierhaus entfernen musste [4].

Der Tierpark Hagenbeck war der erste Zoo außerhalb Südamerikas, der Riesenotter erfolgreich züchtete. Um das Aufzuchtgeschehen zu beobachten ohne die Mutter zu stören, wurden hier erstmals Videokameras eingesetzt. In der Folge wurde durch das bis 2015 am Zoo Dortmund (und seitdem am Zoo Schwerin) geführte Internationale Zuchtbuch die Information zwischen den Zoos und in der Folge die Haltungsbedingungen verbessert. 2010 war deshalb ein sehr erfolgreiches Zuchtjahr, in dem 16 Jungtiere geboren und aufgezogen wurden, womit sich der europäische Bestand fast verdoppelte. In den Folgejahren nahm der Zoobestand weiter kontinuierlich zu, u.a. dank Nachzuchten in den Zoos von Dortmund, Duisburg un d Leipzig. Mittlerweile ist man dazu übergegangen, die Zucht zu drosseln, um keine nicht-platzierbaren Tiere zu produzieren [4; 7].

Forschung im Zoo: Weil es nur sehr wenig Feldstudien über Riesenotter gibt, spielten und spielen Zoos eine große Rolle für den Erkenntnisgewinn über diese Art. Untersuchungen im Zoo haben auch dazu beigetragen, die Schutzstrategien im Freiland zu verbessern [7].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL sollen für ein Paar ein Außengehege mit einer Landfläche von 80 m², einer Wasserfläche von 60 m² und einem Wasservolumen von 60 m³ sowie ein Innengehege mit einer Landfläche von 40 m², einer Wasserfläche von 30 m² und einem Wasservolumen von 30 m³ vorhanden sein. Für jedes weitere erwachsene Tier sollen die Flächen und Volumina um 10% erweitert werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 1-2 Riesenotter ein Außengehege mit einer Landfläche von 80 m² und ein Innengehege von 24 m² vor. Für jedes weitere erwachsene Tier sind die Flächen um 10 bzw. 4 m² zu erweitern. Es muss eine Badegelegenheit vorhanden sein. In der Vorgängerversion der Verordnung war eine Wasserfläche von 60 m² und ein Wasservolumen von 90 m³ vorgeschrieben. Dies ist bei der Revision rausgefallen.

Gemäß der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) ist für ein Paar ein Außengehege mit einer Land- und Wasserfläche von je 75 m², einer Raumhöhe von 2 m² und einer Wassertiefe von 1 m erforderlich. In der kalten Jahreszeit muss ihnen eine auf mindestens 15°C geheizte, gleich große Innenanlage mit einem beheizten Schwimmbecken zur Verfügung stehen. Eine Raumhöhe von 2 m für ein Gehege vorzuschreiben, das vom Tierpfleger begangen werden muss, ist ziemlich sinnfrei, dafür wurde unterlassen, bei dieser sozialen Art Anforderungen für weitere erwachsene Tiere festzulegen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Riesenotter wurde 1788 von dem aus Tübingen stammenden Arzt und Naturwissenschaftler Johann Friedrich GMELIN als "Mustela brasilinensis" beschrieben. 1827 stellte John Edward GRAY vom British Museum in London die Art in die neue, monotypische Gattung Pteronura. Früher wurden 2 Unterarten anerkannt, was heute nicht mehr der Fall ist. Aufgrund von molekulargenetischen Untersuchungen wurden jedoch vier evolutionär verschiedene Einheiten  aus folgenden Regionen stipuliert: (a) Rio Madre de Dios mit Rio Madeira, (b) Pantanal, (c) Amazonas mit Orinoco und Flüssen in Guyana, (d) Itenez-/Guaporé-Becken [1; 9].

Literatur und Internetquellen

  1. GROENENDIJK, J. et al. (2015). Pteronura brasiliensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T18711A21938411. http://www.iucnredlist.org/details/18711/0. Downloaded on 23 June 2018.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. DUPLAIX, N, HEAP, C.J., SCHMIDT, T., SCHIKORA, T., CARVVALHO, J. & RUBIANO, T. (2015)
  4. HAGENBECK, C. & WÜNNEMANN, K. (1992)
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)  
  6. RAETHEL, H.-S. (2013)
  7. SYKES-GATZ, S. (2005)
  8. WEIGL, R. (2005)
  9. WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)

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Gelesen 259 mal Letzte Änderung am Freitag, 02 November 2018 18:35
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