Marder und Stinktiere

Vielfrass

Vielfrass (Gulo gulo) im Zoo Eberswalde Vielfrass (Gulo gulo) im Zoo Eberswalde
© Zoo Eberswalde

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Marderverwandte (Mustelidae)
Unterfamilie: Marder (Mustelinae)

D LC 650

EEPVielfraß

Gulo gulo • The Wolverine • Le glouton

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Vielfraß (Gulo gulo) im Zoo Hluboká © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung des Vielfraßes (Gulo gulo)

 

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Vielfrass (Gulo gulo) im Zoo Eberswalde © Zoo Eberswalde

 

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Vielfraß (Gulo gulo) im Zoo Hluboká © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Vielfraß (Gulo gulo) im Zoo Eberswalde © Zoo Eberswalde

 

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Jugendlicher Vielfraß (Gulo gulo) im Zoo Osnabrück © Birgit Strunk / Zoo Osnabrück

 

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10 Wochen alter Vielfraß-Welpe im Zoo Osnabrück © Marilena Koch / Zoo Osnabrück

 

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Vielfraß (Gulo gulo) in Skansens Djurpark, Stockholm © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Vielfraß (Gulo gulo) im Tiergarten Fürstenwalde © Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Vielfraß (Gulo gulo) im Zoo Osnabrück © Zoo Osnabrück (Pressefoto)

 

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Vielfraß (Gulo gulo) in Skansens Djurpark, Stockholm © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Vielfraß (Gulo gulo) in Kolmårdens Djurpark © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Als weitaus größter Vertreter der eigentlichen Marder und europäische Tierart ist der Vielfraß von zoopädagogischem Interesse. Auch Fragen des Klimaschutzes können anhand dieser polaren / subpolaren Art diskutiert werden. Gefördert durch ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm wird er mittlerweile in relativ vielen Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Schulterhöhe von 35-42 cm, einer Kopf-Rumpflänge von 65-95(-110) cm, einer Schwanzlänge von 17-26 cm und einem Gewicht von 11-18(-35) kg bei den Rüden und 6-12(-20) kg bei den Fähen ist der Vielfraß der größte Eigentliche Marder und wird innerhalb der Familie Mustelidae nur noch vom Riesenotter übertroffen.  Er wirkt schwerfällig und plump, fast bärenhaft, kann sich aber mit einer Geschwindigkeit von bis zu 45 km/h fortbewegen. Das Gebiss ist sehr kräftig, die Ohren sind klein, der kurze Schwanz ist buschig, die relativ großen Pfoten sind mit teilweise rückziehbaren Krallen und Spannhäuten zwischen den Zehen ausgestattet. Das Fell ist lang, und dunkel- bis schwarzbraun mit einer hellen Binde über Stirn und Wangen. Die Weibchen haben 2 Paar Zitzen [3; 4; 6].

Verbreitung

Holarktis: Rund um den Nordpol in der borealen Zone (Nordamerika, nördliches Eurasien): China, Estland, Finnland, Kanada, Mongolei, Norwegen, Russland, Schweden, USA [1; 2; 3]

Lebensraum und Lebensweise

Der Vielfraß besiedelt die arktische und subarktische Tundra, die Taiga, boreale Misch- und Laubwälder sowie Gebirge. Er lebt solitär, bewegt sich hauptsächlich am Boden fort, kann aber auch gut klettern und ist überwiegend nachtaktiv. Im Norden, wo die Sonne zeitweilig nicht auf- oder nicht untergeht, hat er polyphasische Aktivitätszeiten. Er ist ein außerordentlich kräftiges Tier, dem sogar ausgewachsene Elche zum Opfer fallen können, wenn auch nur alte und schwache Individuen. In der schneefreien Zeit ernährt er sich von Aas, Elch- und Renkälbern, Lemmingen, bodenbrütenden Vögeln, Wespenlarven, Baumtrieben und Beeren. Im Winter jagt er Rener, Füchse, Marder, Luchse, Eichhörnchen, Mausartige und Raufußhühner. Auch wenn die Nahrung im Winter knapp ist, macht der Vielfraß keine Winterruhe, sondern läuft mit seinen breiten Tatzen täglich lange Strecken um Beute zu machen oder Aas zu finden. Zur Deckung seines Nahrungsbedarfs benötigt er Streifgebiete von 100-600 (50-2'000) km², wobei die Rüden etwa doppelt so viel Fläche beanspruchen wie die Fähen. Die Reviere werden mittel Kot und Duftmarken markiert [1; 2; 3; 4; 6].

Nach einer durch eine Keimruhe bedingten langen Tragzeit von 215-270 Tagen werden zwischen  Januar und April, meistens im Februar, in einem Bau 2-5 weißlich behaarte, blinde Welpen mit einem Gewicht von 80-100 g geboren. Diese werden von der Mutter allein aufgezogen. Sie werden 7-8 Wochen lang gesäugt, verlassen meist im Mai mit einem Gewicht von 4-5 kg den Bau und gehen ab November ihre eigenen Wege. Geschlechtsreife wird mit 2-3 Jahren erreicht [3; 6; 7].

Gefährdung und Schutz

Obwohl die Bestände zurückgehen, wird der Vielfraß global nicht als gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN), da der Rückgang noch nicht so gravierend und das Artareal sehr groß ist. Die Europäischen Populationen alleine gelten allerdings als gefährdet. Die schwedisch-norwegische Poulation umfasst rund 600, die finnische 150 und jene Europäisch-Russlands 1'400 Individuen. Dem gegenüber stehen die relativ großen Bestände in Nordasien und Nordamerika, wo z.B. für Sibirien über 18'000 oder für Britisch-Kolumbien rund 3'500 Tiere geschätzt werden. Für die Verbreitungs- und Bestandsrückgänge sind vor allem eine übermäßige Jagd, Raubtierkontrollprogramme mit Gift und Lebensraumveränderungen verantwortlich [1].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Der Vielfraß ist eine streng geschützte Tierart nach Anhang II des Berner Übereinkommens.

Bedeutung für den Menschen

Vielfraße werden wegen ihres Fells bejagt bzw. mit Fallen gefangen. Sie können Schäden in Schaf- und Rentierherden anrichten - in Norwegen sollen sie gegen 10'000 Schafe pro Jahr töten - und werden deswegen gebietsweise geschossen oder vergiftet. In Finnland wurden in den 1980/90-er-Jahren schadenstiftende Vielfraße aus den nördlichen Rentier-Weidegebieten weggefangen und im Südwesten des Landes angesiedelt, wo sich seitdem eine kleine, vermutlich isolierte Population hält [1].

Haltung

Vielfraße können im Zoo ein Alter von rund 19-20 Jahren erreichen [5]. Da sie in der Natur tägliche Laufpensen von oft über 30 km absolvieren, sollten Gehege deutlich größer sein, als die gesetzlichen Mindestanforderungen es vorsehen. Die Welterstzucht mit erfolgreicher Aufzucht glückte 1916 im Kopenhagener Zoo [7]. Mittlerweile gelingt die Zucht so oft, dass für genetisch gut in der Zoopopulation vertretene Paare eine Geburtenbeschränkung gilt.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 55 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird vom schwedischen Zoo Nordens Ark in Hunnebostrand koordiniert.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL sind, wie von den Tierschutz-Sachverständigen der Zoos vorgeschlagen 100 m² pro Tier als verbindbare Einzelgehege erforderlich. Bei Gehegen mit Naturboden (wie gewachsen) sollen die Maße verdoppelt werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) schreibt für ein Paar ein unterteilbares Außengehege vor, dessen Grundfläche 120 m² misst. Für weitere Tiere sind zusätzliche Gehege erforderlich. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) ist für ein Paar ein Außengehege von 200 m² notwendig.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Vielfraß wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Mustela gulo" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die monotypische Gattung Gulo wurde 1780 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS aufgestellt, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte. Es sind gegenwärtig zwei Unterarten anerkannt: die Nominatform in Eurasien und Gulo g. luscus in Nordamerika. Die Art wird von manchen Autoren auch in eine Unterfamilie Martinae gestellt [6].

Zwar ist der Vielfraß mit einem jederzeit guten Appetit gesegnet, ihm jedoch eine dauernde Fresssucht zu unterstellen, wie der Name ‚Vielfraß’ suggerieren könnte, würde ihm aber nicht gerecht. Der Name des Vielfraßes bezieht sich aber auch nicht auf die Ernährungsgewohnheiten des Tieres, sondern leitet sich vom altnordischen Namen Fjellfräs oder Fjellfras (Norwegisch: fjellfross, Islandisch: fjallfress) ab, was auf Deutsch Gebirgs- oder Felsenkatze bedeutet. Aus dem nordischen Fjellfräs ist so über die Jahre der heute im Deutschen gebräuchliche Name Vielfraß entstanden (PM Zoo Duisburg). Der in Skandinavien heute übliche Name ist allerdings "järv" (Schwedisch), "jerv" (Norwegisch) oder "jarfi" (Isländisch.

Literatur und Internetquellen

  1. ABRAMOV, A.V. (2016). Gulo gulo. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T9561A45198537. http://www.iucnredlist.org/details/9561/0. Downloaded on 22 June 2018.
  2. ALLEN, T. B. (1979)
  3. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009) 
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. & MITTERMEIER, R.A. eds. (2009)
  7. BLOMQVIST, L. & LARSSON, H.-O. (2007)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx