Hunde

Goldschakal

Europäischer Goldschakal (Canis aureus moreotica) im NaturZoo Rheine Europäischer Goldschakal (Canis aureus moreotica) im NaturZoo Rheine
© Achim Johann, Rheine

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hunde (Canidae)

D LC 650

Goldschakal

Canis aureus (einschließlich C. anthus) • The Golden Jackal • Le chacal doré

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Goldschakal (Canis aureus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Goldschakals (Canis aureus), einschließlich des "Goldwolfs" (Canis anthus)

 

 

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Goldschakal-Paar (Canis aureus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Ostafrikanischer Goldschakal (Canis aureus = Canis anthus bea) in der Serengeti © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Ceylonesischer Goldschakal (Cani aureus naria) im Dehiwala-Zoo, Sri Lanka © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

 

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Europäische Goldschakale (Canis aureus moreotica) im NaturZoo Rheine © Achim Johann, Rheine

 

 

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Europäischer Goldschakal (Canis aureus moreotica) im Zoo Magdeburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Europäischer Goldschakal (Canis aureus moreotica) im Zoo Magdeburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Der erste wildlebende Goldschakal (Canis aureus) der Schweiz. Fotofallenaufnahme © KORA, Muri b. Bern

 

 

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Darstellung des Anubis mit der Leiche des Baumeisters Sennedjem in dessen Grab (19. Dynastie, 13. Jhdt. AC). Bild gemeinfrei

 

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Der einem kleinen Wolf ähnelnde Goldschakal gehört zur europäischen Fauna und dehnt seit einigen Jahren sein Verbreitungsgebiet vom Balkan in den deutschsprachigen Raum aus. Dadurch erhält er ein besonderes zoopädagogisches Interesse. Sofern die Behörden mit der Umsetzung der Invasiv-Verordnung der EU ernstmachen, wäre er eine valable Alternative für den Marderhund, der auf der Liste der verbotenen Arten steht.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Goldschakal ist ein mittelgroßer Vertreter der Hundeartigen. Er erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 76-84 (60-100) cm, eine Schulterhöhe von 40-50 cm, eine Schwanzlänge von 20-28 cm und ein Gewicht von 7.6-9.8(-16.8) kg bei den Rüden und 6.5-7.8 kg bei den Fähen. Er sieht aus wie ein kleiner Wolf. Im Unterschied zu Wolf und Fuchs sind bei ihm die mittleren Zehenballen verwachsen, und anders als beim Fuchs sind die Rückseiten der Ohren hellbraun und nicht schwarz. Das Fell besteht aus gelbbraunen, schwarzen und weißen Haaren. Kehle Brust und Unterseite sind weiß bis beige, die Schwanzspitze ist schwarz [1; 9].

Verbreitung

Afrika und Eurasien: Nord- und Nordostafrika, Arabische Halbinsel, Südosteuropa (nördlich bis Österreich, Slowakei und Ukraine), westlich bis nach Zentralasien, Indien, Sri Lanka, Burma und Thailand. Das europäische Hauptvorkommen liegt in Bulgarien mit rund 39'000 Tieren. Gegenwärtig breitet sich die Art nach Westen und Norden aus [2]. In Österreich ist er seit etwa 1980 verbreitet (bislang Steiermark, Waldviertel und Salzburg), in Norditalien (Region Udine) gilt er seit 1985 als Wechselwild [10]. Im Winter 2011/12 wurde erstmals in der Schweiz ein Goldschakal nachgewiesen, der in den Kantonen Bern, Waadt und Freiburg umherstreifte. 2015 wurde ein Tier im Kanton Graubünden festgestellt, vermutlich dasselbe wurde im Folgejahr irrtümlich als Fuchs erlegt. 2016 wurde ein völlig abgemagerter Goldschakal im Kanton Schwyz von der Wildhut abgeschossen [5]. Einzelne Individuen wurden auch in Bayern, Hessen Brandenburg, Schleswig-Holstein sowie in Estland festgestellt (diverse Zeitungsmeldungen).

Lebensraum und Lebensweise

Der Goldschakal besiedelt von Halbwüsten bis zu immergrünen Wälder die unterschiedlichsten Lebensräume und ist ein Kulturfolger. Er ist tag- und nachtaktiv und lebt meist paarweise oder in Familiengruppen. Die Tiere besetzen ein Territorium von 1-20 km², das vom Rüden und der Fähe markiert wird. Sie jagen kleinere Säugetiere, hauptsächlich Nagetiere, aber auch Kälber von Hirschen und Antilopen oder Affen, Vögel, Reptilien und Insekten, fressen Aas und Früchte und suchen auf Abfallhalden und in Städten Speisereste. Nach einer Tragzeit von 62-63 Tagen werden meist 3-6 Junge geboren, die 200-250 g schwer sind und gegen zwei Monate lang gesäugt werden. Die Jungen werden mit 1-2 Jahren geschlechtsreif [1; 2; 9].

Gefährdung und Schutz

Der Goldschakal ist eine weit verbreitete Art und ist nicht gefährdet. In Gegenden wo genügend Futter und Schutz zu finden ist, kann er sehr häufig werden. Der Goldschakal ist anpassungsfähig und kann so viele Lebensräume nutzen, auch Siedlungsgebiete. Trotzdem gehen die Bestände eher zurück, da optimale Lebensräume stetig an die intensive Landwirtschaft und an dichte Siedlungen verloren gehen (Rote Liste: LEAST CONCERN) [2].

Der Goldschakal ist im CITES Anhang III (Indien) aufgeführt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: In manchen Ländern, z.B. Israel, werden Goldschakale als Schädlinge angesehen und verfolgt, Andernorts, etwa in Marokko, werden sie wegen ihres Fleischs als Nahrungsmittel bejagt. Felle und Schweif gelangen in den Handel, allerdings in geringem Umfang [2]. Schakale spielen eine Rolle als Überträger der Tollwut, da sie in Kontakt mit streunenden Hunden kommen. Tollwutübertragung direkt vom Schakal auf den Menschen ist allerdings nach WHO selten.

Kulturelle Bedeutung: Im alten Ägypten wurde der Schakal in der Gestalt des Anubis als der Gott der Toten und Wächter der Gräber verehrt. Der meist mit einem menschlichen Körper und dem Kopf eines Schakals dargestellte Anubis hatte Aufgabe, die Herzen der Toten zu wiegen [11].

In Rudyard KIPLINGs "Dschungelbuch" ist der Goldschakal "Tabaqui" der Gefolgsmann und Spion des Tigers "Shere Khan". Er beendet seine Karriere damit, dass ihm der Wolf "Graubruder" das Rückgrat bricht [3].

Haltung

Im Zoo können Goldschakale ein Alter von 18-19 Jahren erreichen [7]. Eine Vergesellschaftung z.B. mit Braunbären ist möglich, sofern geeignete Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind, und wurde lange Zeit im Tierpark Bern praktiziert.

Haltung in europäischen Zoos: Der Goldschakal war früher recht häufig und wird gegenwärtig wird noch in rund zwei Dutzend Einrichtungen gezeigt. Er ist damit in Europa nach dem Wolf und dem Dingo der dritthäufigste Vertreter der Gattung Canis. Es werden nur noch Tiere der europäischen Unterart (Canis aureus moreotica) gezeigt. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt kein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und kein Zuchtbuch (ESB) für diese Art.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 liegt der Flächenbedarf für ein Paar bei 80 m². Für jedes weitere Adulttier sollen mindestens 20 m² zusätzlich angeboten werden. Bei Haltung auf gewachsenen Bäden soll die Fläche verdoppelt werden

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 4 Tieren ein Außengehege mit einer Grundfläche von 150 m² vor, für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 15 m² zu erweitern. Es müssen Abtrennmöglichkeiten vorhanden sein und es sind Schlafboxen anzubieten. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) fordert für ein Paar ein Außengehege von 300 m². Für jedes weitere Adulttier ist diese Fläche um 30 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Goldschakal wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. WILSON & REEDER geben 13 Unterarten an, davon 6 aus Afrika und 7 aus Eurasien [10].

2015 wurde aufgrund einer molekulargenetischen Studie stipuliert, dass die afrikanischen Goldschakale, obwohl morphologisch weitgehen identisch mit den eurasischen, eine eigene, "Afrikanischer Goldwolf" (Canis anthus) benannte Art bildeten. Mit diesem epochemachenden, einschließlich Zusammenfassung und Bibliographie 7 Seiten langen Artikel haben sich nicht weniger als 24 Autoren ein Denkmal gesetzt. Die neue "Art" wurde von der IUCN bislang nicht in die Rote Liste übernommen [2; 4].

 

Literatur und Internetquellen 

  1. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)  
  2. JHALA, Y. & MOEHLMAN, P.D. 2008. (Canis aureus). The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T3744A10054631. http://www.iucnredlist.org/details/3744/0. Downloaded on 20 June 2018.
  3. KIPLING, R. (2003)
  4. KOEPFLI, K. P., POLLINGER, J. (2015)
  5. KORA
  6. SCHWARZ, S. (2013)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WESSENDORF, C. (2011)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-) 
  10. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  11. WOERNER, F. (2016)

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Gelesen 558 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 18 Oktober 2018 13:55
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx