Lebensräume in Eurasien

Geschützte Feuchtgebiete - Camargue

Rosaflamingos (Phoenicopterus ruber roseus) und Graureiher (Ardea cinerea), Pont de Gau Rosaflamingos (Phoenicopterus ruber roseus) und Graureiher (Ardea cinerea), Pont de Gau
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Der Étang de Vaccarès von der Domaine de Méjanes aus, in der Ferne Flamingos © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Die Camargue ist eine Schwemmebene von etwa 930 km², die hauptsächlich zwischen den beiden Mündungsarmen der Rhone, zum kleineren Teil (Petite Camargue) westlich der Kleinen Rhone liegt. 863 km² stehen seit 1970 als Regionaler Naturpark Camargue unter Landschaftsschutz. Davon sind wiederum 131 km² als Réserve Naturelle Nationale du Vaccarès seit 1927 streng geschützt.

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Rosaflamingos (Phoenicopterus ruber roseus) im Marais A. Lamoureux © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Etwa die Hälfte des Regionalen Naturparks besteht aus einem Mosaik natürlicher Landschaften: Sandstränden, Küstendünen, Quellersteppen, Salzwiesen (Sans-ouïres), Brackwasserlagunen, Flachseen, Süßwasserteichen, Schilfröhrichten und Auenwäldern. EUR 10 camargue tamarix1 PdG
Tamariske (Tamarix africana) im Parc ornithologique de Pont de Gau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Die andere Hälfte nehmen Kulturlandschaften ein: Der Norden des Deltas wird für Gemüse- und Obstkulturen, für den Anbau von Reben, Weizen und Mais sowie in großem Stil von Reis genutzt, an der Mündung der Großen Rhone (Salin de Giraud) und im Süden der Petite Camargue (Salins du Midi) befinden sich großflächige Salinen.

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Salz-Alant (Limbarda crithmoides) im Parc ornithologique de Pont de Gau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Vegetation: In der Camargue wurden 1061 Arten Gefässpflanzen, 13 Arten Moose, 157 Arten Algen und Kieselalgen (Diatomeen) sowie 89 Pilzarten gezählt. Charakteristische Bäume  sind die Mittelmeerkiefer (Pinus pinea), der Phönizische Wacholder (Juniperus phoenicea) und auf Salzböden die Afrikanische Tamariske (Tamarix africana).

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Strauch-Melde (Atriplex halimus) im Parc ornithologique de Pont de Gau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Andere weit verbreitete Halophyten sind  der Strandflieder oder Meerlavendel (Plumbaginaceae, Limonium vulgare), dessen Blütenstände, gerne für Trockensträuße verwendet werden, die Strandlilie (Amaryllidaceae, Pancratium maritimum), der bis 90 cm hohe Salz-Alant (Asteraceae, Limbarda crithmoides), die Strauch-Melde (Amaranthaceae, Atriplex halimus) und der einjährige, stammsukkulente Europäische Queller (Amaranthaceae, Salicornia europaea). Die Domäne La Tour du Valat  ist der wichtigste Standort in Frankreich für Cressa cretica, ein halophytisches Windengewächs (Convolvulvaceae). Die stark gefährdete Wasserfalle (Droseraceae, Aldrovanda vesiculosa - Rote Liste: ENDANGERED), eine fleischfressende Pflanze aus der Familie der Sonnentaugewächse, die früher in den Marais de Raphèle vorkam, ist in der Camargue ausgestorben (FAUNE ET FLORE de CAMARGUE).

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Schilfrohr (Phragmites australis) am Ufer des Étang de Ginès © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Weite Flächen der Süßwasser- und der leicht brackigen Sümpfe werden von Schilfrohr (Poaceae, Phragmites australis) eingenommen. Dieses wird stellenweise geschnitten und lokal zur Dachbedeckung verwendet oder zu Schilfmatten ("Paillassons") verarbeitet. Ein Teil der Ernte wird exportiert, hauptsächlich nach den Niederlanden.

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Camargue-Stiere auf Salzweide, Domaine de Méjanes © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Tierwelt: Die augenfälligsten Säugetiere sind die extensiv gehaltenen Camargue-Pferde und Camargue-Rinder und abends Vertreter der 23 vorkommenden Fledermausarten. Die urtümlichen Camargue-Rinder wurden in den 1930er-Jahre im Zoo Berlin für die "Rückzüchung" des Auerochsen eingesetzt und waren in den 1960er-Jahren im Zoo Heidelberg zu sehen.

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Camarguepferde in der Kleinen Camargue am Canal du Rhône à Sète © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Die einzige wilde Huftierart ist das Wildschwein. An Raubtieren kommen Rotfuchs, Mauswiesel (Mustela nivalis), IltisDachs und Kleinfleck-Ginsterkatze regelmäßig, Fischotter und Steinmarder gelegentlich vor (PLAN DE GESTION). Eingeführte Arten sind das Wildkaninchen, dessen Bestände seit einigen Jahren stark abnehmen (MASSEZ et al., 2012) und die südamerikanische  Nutria, die wegen ihrer Grabaktivitäten und weil sie Rhizome des Schilfrohrs frisst, als Schädling betrachtet wird und deren Bestände man mittels Fallenstellens zu regulieren versucht. Der Biber fehlt im Naturschutzgebiet, kommt aber in beiden Rhone-Armen vor, soweit diese von Galeriewald begleitet sind (CHAZEL, 2013).

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Nutria (Myocastor coypus) freilebend im Parc ornithologique de Pont de Gau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Die Camargue ist ein ornithologisch bedeutsames Gebiet (IBA FR239). Von 2001-2011 wurden 277 Arten regelmäßig beobachtet. Im Étang de Fangassier brütet eine riesige, 10-22'000 Paare umfassende  Kolonie des Rosaflamingos. Flamingos sind auch auf anderen Flachseen und Teichen bei der Futtersuche zu beobachten, auf kürzeste Distanz im Parc ornithologique du Pont de Gau, wo sie angefüttert werden.

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Camargue-Stiere mit Kuhreihern (Bubulcus ibis), Domaine de Méjanes © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Hier haben sich auch Heilige Ibisse angesiedelt. Alle neun europäischen Reiherarten kommen vor und mit Ausnahme des Silberreihers brüten sie auch hier. Hauptsächlich in den Salinen brüten Säbelschnäbler, Flussseeschwalbe (Sterna hirundo), Lach- und Weißkopfmöwe (Larus ridibundus, L. cachinnans). EUR 10 camargue ibis PdG
Die Heiligen Ibisse (Threskiornis aethiopicus) der Camargue gehen auf Zoovögel zurück, die in der Réserve Africaine de Sigean frei fliegend gehalten wurden. Der Kuhreiher (Bubulcus ibis) hat 1967 die Camargue als ersten Ort in Frankreich spontan besiedelt. Pont de Gau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Selbstverständlich sind Röhrichtvögel, wie Rohrweihe (Circus aeruginosus), Seiden- (Cettia cetti), Cisten- (Cisticola juncidis) und Mariskensänger (Acrocephalus melanopogon) als Brutvögel vorhanden. Limikolen aller Art, darunter Sandregenpfeifer, Kampfläufer und Rotschenkel, nutzen die Camargue als Rastplatz und Kormorane, rund 150'000 Entenvögel, einschließlich etlicher Zwergschwäne und Graugänse, bis gegen 2'000 Kolbenenten und gegen 3'000 Brandgänse, gelegentlich über 30'000 Blässrallen sowie zahlreiche Mäusebussarde überwintern hier (SALATHÉ, 1995; BIRDLIFE).

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Gefleckte Weinbergschnecken (Helix aspersa), bei Pont de Gau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Von den 15 Reptilienarten kommt die früher in Frankreich weit verbreitete, heute als gefährdet geltende Europäische Sumpfschildkröte in der Camargue noch in guten Beständen vor. Rotwangen-Schmuckschildkröten wurden von Privathaltern ausgesetzt, konnten sich aber offensichtlich nicht halten und sind seit über 15 Jahren wieder verschwunden. Seit über 30 Jahren nicht mehr beobachtet wurde die Perleidechse (Lacerta = Timon lepidus). Die Smaragd- und die Mauereidechse sind dagegen noch weit verbreitet. Die Vipernatter ist relativ häufig, ebenso die Treppen- (Elaphe = Rhinechis scalaris) und die Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus), Glatt-, und merkwürdigerweise die Ringelnatter werden daher nur gelegentlich angetroffen. Giftschlangen gibt es keine (PLAN DE GESTION). Ferner kommen 10 Amphibien- und 75 Fischarten vor und es sind 3822 Arten Wirbellose, bekannt.

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Roter Amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) im Naturschutzgebiet La Capelière © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) wurde anfangs der 1980er-Jahre in die Camargue eingeschleppt. Es handelt sich um eine ausgesprochen invasive Tierart, die zu den problematischsten Neozoen weltweit gehört. Sie bedroht in Europa nicht nur die einheimischen Krebsarten, sonder reduziert auch die Unterwasserflora und verändert dadurch den Lebensraum von Amphibien, Fischen und aquatischen Wiorbellosen in unerwünschter Weise. Ferner führt sie zu einer Bestandeszunahme bei bestimmten Vogelarten, namentlich Reihern (LA TOUR DU VALAT).

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Literatur und Internetquellen:

CHAZEL, L. & CHAZEL, M. (2013)
DUFFEY, E. (Hrsg. 1982)
MASSEZ, G. et al. (Poster, 2012)
SALATHÉ, T. (1995)

BIRDLIFE DATA ZONE - CAMARGUE
LA FAUNE ET LA FLORE DE CAMARGUE 
LA TOUR DU VALAT
PLAN DE GESTION 2011-2015

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Gelesen 142 mal Letzte Änderung am Samstag, 23 Juni 2018 15:40
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx