Warane

Komodowaran

Komodowaran (Varanus komodoensis) im Zoo Leipzig Komodowaran (Varanus komodoensis) im Zoo Leipzig
Pressefoto Zoo Leipzig

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Echsen (SAURIA)
Zwischenordnung: Waranartige (Platynota)
Familie: Warane (Varanidae)

D VU 650

EEPKomodowaran

Varanus (Varanus) komodoensis • The Komodo Dragon • Le varan des Komodos

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Komodowaran (Varanus komodoensis) im Tropiquarium Servion © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Verbreitung des Komodowarans (Varanus komodoensis) - Für Detailkarte von Flores und Nachbarinseln drauflkicken. Dunkelblau heutige Verbreitung; rot: ehemalige Verbreitung

 

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Komodowaran (Varanus komodoensis) im Tropiquarium Servion © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Komodowaran (Varanus komodoensis) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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1.0 Komodowaran (Varanus komodoensis) bei der Ankunft im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

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1.0 Komodowaran (Varanus komodoensis) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

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Komodowaranweibchen (Varanus komodoensis) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig

 

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Komodowaran (Varanus komodoensis) im Fort Worth Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Komodowarane (Varanus komodoensis) im Taman Safari Indonesia II, Prigen, Java © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Komodowarane (Varanus komodoensis) im Taman Safari Indonesia II, Prigen, Java © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Komodowaran (Varanus komodoensis) im Aquatis Lausanne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Komodowaran (Varanus komodoensis) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Im Juli 2021 im Zoo Leipzig geschlüpfter Komodowaran (Varanus komodoensis) im Alter von ca. 2 Wochen © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

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Der Komodowaran hat sich bereits vor etwa 4 Millionen Jahren, im Pliozän, entwickelt. Er ist heute heute die größte lebende Echsen der Welt und stößt daher und wegen seiner potenziellen Gefährlichkeit für den Menschen beim Zoopublikum auf Interesse.

Körperbau und Körperfunktionen

Komodowarane sind massige Tiere, die im Freiland bis 60 kg, im Zoo bis 150 kg schwer werden sollen. Männliche Exemplare können eine Gesamtlänge von 3 m, Weibchen von etwa 2.2 m  erreichen. Die ovalen Nasenlöcher befinden sich nahe dem stumpfen Schnauzenende. Die gespaltene Zunge ist gelb. In der Körpermitte haben sie 170-176 Schuppenreihen. Die Kopfschuppen sind groß und rund, die Nackenschuppen groß und konisch, jene von Rumpfoberseite und Schwanz stark gekielt, am Bauch schwach gekielt. Der Schwanz ist etwa so lang wie Kopf und Rumpf, seitlich komprimiert, oben mit niedrigem Kamm. Das Schwanzende ist leuchtend gelbgrün. Ansonsten sind Erwachsene ziemlich eintönig graubraun gefärbt, Jungtiere sind hauptsächlich schwarz mit gelben Flecken und Bändern, Schwanz und Hinterbeine rostfarben bis gelbgrün [1; 6].

Verbreitung

Auf wenigen, kleineren Inseln in der Sundasee Indonesiens: Komodo, Rinca (Rintja), Westende und Nordküste von Flores, Gili Motang und Gili Dasami [3; 6; 8].

Lebensraum und Lebensweise

Komodowarane sind tagaktiv. Sie halten sich meist in savannenartigen Grasland auf, gehen zur Jagd aber auch in den Wald. Nachts schlafen sie in natürlichen Höhlen oder in bis zu 10 m langen selbstgegrabenen Erdbauen. Erwachsene jagen Säugetiere einschließlich Wildschweine, Hirsche und Wasserbüffel und gelegentlich Menschen. Angeblich könnten sie dazu beigetragen haben, die im Pleistozän auf Flores und benachbarten Inseln lebenden Zwergelefanten (Stegodon sompoensis) auszurotten. Diese Annahme gründet darauf, dass alle heute im Areal der Komodwarane lebenden Großsäuger erst vor etwa 5'000 Jahren vom Menschen eingefährt wurden. Wasserbüffel werden auf ihren Wechseln überrascht und in die Beine gebissen. Da der Speichel sehr viele Bakterien enthält, entzünden sich die Wunden. Nach dem Angriff, folgen die Warane dem Beutetier während Tagen, bis es durch die Infektion und den Blutverlust so geschwächt ist, dass sie es überwältigen können. Sie fressen auch Aas.

Die Fortpflanzung fällt in die Trockenzeit, d.h. Juni / Juli. Die Gelege bestehen aus 25-30 Eiern, die im Boden vergraben werden. Die Jungen schlüpfen nach 7-8 Monaten. Die Schlüpflinge haben eine Länge von  40-50 cm und wachsen innerhalb eines Jahres auf 1 m heran. Sie jagen anfänglich gerne auf Bäumen nach Insekten und kleinen Echsen, wie Agamen, Geckos und Skinke. Mit einem Jahr gehen sie zu einer terrestrischen Lebensweise über und fressen nun auch Säugetiere, Vögel und Aas [3; 4; 6; 12].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände des Komodowarans sind in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen und es existieren nur noch wenige tausend Tiere. Der Lebensraumverlust ist wohl der wichtigste Grund für diesen Rückgang. Die Art wird seit 1996 als gefährdet (Rote Liste: VULNERABLE) eingestuft, sollte aber neu beurteilt werden [10].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Die Komodowarane sind eine touristische Attraktion. Monatlich besuchen etwa 10'000 Menschen die Insel Komodo, davon sind 95% Ausländer. Die indonesische Regierung plant, den Besuch zu beschränken und will ab 2021 eine Abgabe von 1'000 USD fürden Besuch der Insel Komodo einführen. Der Besuch von Rinca soll zu den bisherigen Konditionen möglich sein [11].

Von 1980-2015 wurden aus Indonesien im Jahresmittel 1-2 lebende Komodowarane exportiert, hauptsächlich für Zoos. Ausserhalb Indonesiens ist die Verschiebung von Nachzuchttieren ab 1995 feststellbar. Von 2001-2019 betraf dies (nach Abzug einiger unwahrscheinlicher Transaktionen)  gut 100 Individuen. Hautptausfuhrländer waren Tschechien, die USA und Indonesien [2].

Haltung

Die Welterstzucht gelang im Jahr 1941 im Zoo von Batavia, dem heutigen Djakarta. Es handelte sich um eine Naturbrut. Die Eltern waren ein Paar, das sich seit 1938 im Zoo befand [5]. Bei gehaltenen Tieren wurde auch asexuelle Vermehrung (Parthenogenese) festgestellt, z.B. in den Zoos von Chester und London [9].

Haltung in europäischen Zoos: In den letzten Jahren hat die Zahl der Haltungen in Europa deutlich zugenommen, hauptsächlich dank der Einfuhr von zehn Jungtieren aus der Zucht des Zoos von Los Angeles durch den Leipziger Zoo im Jahr 2012. Die europäische Erstzucht war dem Parque Reptilandia auf Gran Canaria gelungen, von dem der Leipziger Zoo 2011 zur Eröffnung von Gondwanaland einen mehr als 2.30 m langen Mann erhielt, der dort am 21.09.2004 geschlüpft war. Im Frühjahr 2012 kamen 10 aus den Vereinigten Staaten importierte Jungtiere hinzu. Der Einfuhr aus den USA war eine Vorbereitungszeit von beinahe einem Jahr vorausgegangen. Sie war das Ergebnis eines Austausches zwischen dem europäischen und US-amerikanischen Zuchtprogramm. Ziel des international angelegten Projektes ist es, die genetische Variabilität für die weitere Zucht zu vergrößern, um mittelfristig eine stabile, selbsterhaltende Population auf beiden Kontinenten aufbauen zu können. Dabei verblieben 1.2 Tiere im Zoo Leipzig und die übrigen wurden auf andere Zoos verteilt [13]. Noch im selben Jahr erhielt u.a. der Frankfurter Zoo zwei Tiere aus dem Leipziger Import. Weitere Tiere gingen nach Prag, Rom und Randers.

Man erinnere sich in diesem Zusammenhangan an die Kritik, die Thomas SCHRÖDER, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, anläßlich der Eröffnung von Gondwanaland geübt hatte, freilich ohne die riesige Tropenhalle zuvor besichtigt, geschweige denn mit den Zooverantwortlichen geredet zu haben: „Der Komodowaran ist nach eigenen Angaben des Zoos das einzige Exemplar in ganz Deutschland. Uns ist allerdings unklar, was ein einzelnes Tier für den Artenschutz beitragen soll“, denn eine Fortpflanzung der stark gefährdeten Tiere sei so nicht möglich. Dem Deutschen Tierschutzbund ist halt so manches unklar, was mit Zoos zu tun hat, was ihn aber leider nicht daran hindert, zu allem eine Meinung zu haben. Seitdem wurde die Art in verschiedenen Zoos (Barcelona, Chester, Colchester, Prag) nachgezogen, und am 18. Juli 2021 schlüpfte auch im Leipziger Gondwanaland das erste Jungtier [13]. Aus der Prager Nachzucht wurden zehn Tiere zurück an Los Angeles gegeben und der europäische Bestand liegt mittlerweile bei über 100 Individuen in 40 Haltungen. Für Details siehe Zootierliste. Seit 2001 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom Chester-Zoo koordiniert wird. Ziel ist, einen Bestand von rund 200 Tieren zu erreichen.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll eine Anlage für ein Paar mindestens 5x so lang, 2x so breit (entspricht etwa 15-18 m² für Adulte) und doppelt so hoch sein sein wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Für jedes weitere Tier kommen 15% zur Basisfläche dazu. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2021) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche das 5x3-fache der Kopf-Rumpflänge und dessen Höhe das Doppelte der Kopf-Rumpflänge messen. Für jedes weitere Tier kommt das 2x2-fache der Kopf-Rumpflänge zur Basisflächen dazu. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1912 von dem Direktor des Zoologischen Museums und Botanischen Gartens von Bogor (Java), Pieter Antonie OUWENS, unter ihrem heutigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben [8]. Sie ist monotypisch und gehört zur Untergattung Varanus [7].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. EIDENMÜLLER, B. (2009)
  4. HORN, H.-G. (1977)
  5. MENDYK, R. W. (2017)
  6. PETER, W. & HOHMANN, G. (1983)
  7. ROTTER, J. (1963)
  8. THE REPTILE DATA BASE
  9. WATTS, P. C., BULEY K. R., SANDERSON, S., BOARDMAN, W., CIOFI, C. & GIBSON, R. (2006)
  10. WORLD CONSERVATION MONITORING CENTRE (1996). Varanus komodoensis. The IUCN Red List of Threatened Species 1996: e.T22884A9396736. http://www.iucnredlist.org/details/22884/0. Downloaded on 10 July 2017.
  11. ABOUT TRAVEL
  12. DIAMOND, J. M. (1987)
  13. ZOO LEIPZIG - Pressemeldungen vom 27.04.2012 und 04.08.2021

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Gelesen 5725 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 04 August 2021 16:04
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