Krokodile und Gaviale

Philippinen- oder Mindorokrokodil

Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) im Kölner Zoo Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) im Kölner Zoo
Detlef Karbe, Köln

Ordnung: Krokodile (CROCODYLIA)
Familie: Eigentliche Krokodile (Crocodylidae)

D CR 650

EEPPhilippinenkrokodil, Mindorokrokodil

Crocodylus mindorensis • The Philippine Crocodile • Le crocodile de Mindoro

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Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Sehr optimistische Darstellung der Verbreitung des Philippinenkrokodils (Crocodylus mindorensis) nach Roter Liste der IUCN

 

 

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Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) in der Ferme aux Crocodiles, Pierrelatte © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Frisch geschlüpftes Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) im Kölner Zoo © Thomas Ziegler, Kölner Zoo

 

 

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Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) im Kölner Zoo © Detlef Karbe, Köln

 

 

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Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) im Kölner Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) im Krokodýlí Zoo Protivín. Quelle: Facebook-Seite des Zoos

 

 

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Philippinenkrokodil (Crocodylus mindorensis) in der Ferme aux Crocodiles © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Das Philippinenkrokodil ist eine hochbedrohte, knapp mittelgroße Krokodilart, für die es ein Europäisches Zuchtbuch gibt. Unser Wissen über diese Art stammt hauptsächlich von in Menschenobhut gehaltenen Tieren.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Philippinenkrokodil ist dem Neuguineakrokodil, als dessen Unterart es lange angesehen wurde, sehr ähnlich [11] und wird im CITES-Erkennungshandbuch auf demselben Datenblatt behandelt wie jenes [1]. Die Tiere sind allerdings kleiner. Sie erreichen im Mittel nur eine Gesamtlänge von 2 m, das größte Museumsexemplar misst 3.02 m. Männchen und Weibchen werden mit einer Länge von 1.5 m und einem Gewicht von rund 15 kg geschlechtsreif [10]. Es gibt auch Unterschiede hinsichtlich der Schuppenzahl: Das Philippinenkrokodil hat nur 24-36 Querreihen Bauchschuppen zwischen Kragen und Kloake, die in bis zu 14 Längsreihen angeordnet sind. Die Bauchschuppen sind nicht, die Flankenschuppen nur schwach verknöchert [1].

Verbreitung

Philippinen: Luzon, Mindanao, eventuell Masbate, Samar und Sulu-Archipel. Möglicher- oder wahrscheinlicherweise ausgestorben auf Busuanga, Jolo, Mindoro und Negros [9; 10]

Lebensraum und Lebensweise

Das Philippinenkrokodil lebt in Flüssen, Bächen, Weihern und Sümpfen von der Küste bis auf eine Höhe von 850 m. Gelegentlich wird es auch im Salzwasser angetroffen. Die Nahrung adulter Tiere besteht aus größeren Fischen, kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, einschließlich Hausschweinen und Haushunden, Schlangen und Vögeln. Junge fressen Krebschen, Libellen, Schnecken und kleinere Fische. Die Paarung erfolgt im Januar. Danach bauen die Weibchen aus Blättern, Ästen, Bambus, Schlamm etc. einen Nesthügel, in den sie im April/Mai 18-33 Eier ablegen. Gelegentlich kann es 4-6 Monate später zu einer zweiten Eiablage kommen. Die Jungen schlüpfen nach 65-85 Tagen. Bei einer Bruttemperatur von 30-31ºC entstehen hauptsächlich Weibchen, bei 33ºC hauptsächlich Männchen [9].

Gefährdung und Schutz

Das Philippinenkrokodil ist nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2012 stark bedroht, hauptsächlich wegen Lebensraumverlust und weil die lokale Bevölkerung die Tiere als Schädlinge betrachtet und sie tötet [10].

Der Zoo Zürich, der im Rahmen des Erhaltungszucht-Programm der EAZA Philippinen-Krokodile hält, unterstützt - wie verschiedene andere Zoos - aus seinem Naturschutzfonds die Mabuwaya Foundation in ihrer Arbeit zum Schutz der weltweit bedrohtesten Krokodilart auf den Philippinen. Die Mabuwaya Foundation (Mabuhay= willkommen, Buwaya = Krokodil) schützt die drei wichtigsten Brutplätze des Philippinen-Krokodils, macht regelmäßig Bestandserhebungen und arbeitet eng mit der einheimischen Bevölkerung zusammen. Sie führt in der philippinischen Provinz Isabela Projekte zu Umweltbildung und Krokodilschutz an den Schulen, in den Gemeinden und auch mit Mitarbeitern der Regierung durch (PM Zoo Zürich). Aus Beständen des Palawan Wildlife Rescue and Conservation Centre und der Mabuwaya Foundation wurden Nachzuchttiere wiederangesiedelt [9].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Da die Weibchen ihre Nester nicht verteidigen, werden die Eier of von der Landbevölkerung ausgenommen [9]. Der internationale Handel ist bescheiden. Von 1983-2011 wurden von den Philippinen neben einer unerheblichen Zahl von "Teilen und Erzeugnissen" (hauptsächlich Wissenschaftsmaterial) nur 47 lebende Tiere als ausgeführt gemeldet [2].

Haltung

Es wird empfohlen, einem verträglichen Paar durchschnittlich großer Adulttiere mindestens einen Landteil von 5 m² und einen Wasserteil von 15 m² anzubieten (N.B. Diese Werte können eventuell unter den gesetzlichen bzw. behördlichen Mindestanforderungen liegen!). Die Wassertiefe soll von 0.5-2 m variieren. Für jedes zusätzliche Tier sollen 1 m² Land- und 3 m² Wasserfläche mehr zur Verfügung stehen, es wird jedoch Einzel- oder Paarhaltung empfohlen, weil die Tiere unter sich oft unverträglich sind. Die Temperatur soll zwischen 22-32°C liegen (für Jungtiere etwas höher) und es sind punktuell wärmere Bereiche zu schaffen, zu denen die Tiere ungehindert Zugang haben [4; 5]. 

Krokodile gehören zu den "Gefahrtieren", deren Haltung in manchen deutschen Bundesländern unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist.

Höchstalter im Zoo: Die beiden ältesten bekannten Philippinenkrokodile in Menschenobhut wurden 1973 in die USA eingeführt und waren im Juli 2014 nach einer Haltungsdauer von über 41 Jahren immer noch am Leben [12].

Haltung in europäischen Zoos: Philippinenkrokodile werden in weniger als 10 europäischen Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste. Die gegenwärtige europäische Zoopopulation des Philippinen-Krokodils geht im Wesentlichen auf 15 Tiere zurück, die im Jahr 2002 aus den Philippinen nach Dänemark eingeführt wurden. Wie im Fall der Prinz-Alfred-Hirsche bleiben die Tiere im Eigentum der philippinischen Regierung. Auf den Philippinen selbst gibt es einen Bestand von mehreren hundert Tieren in Krokodilfarmen, Zoos und Vergnügungsparks, der leider mehrheitlich nicht im Sinne eines Erhaltungszuchtprogramms bewirtschaftet wird [9].

Die europäische Erstzucht gelang im Juli 2013 dem Kölner Zoo, der auch das Europäische Zuchtbuch (ESB) führt. Vorausgegangen waren ausgedehnte wissenschaftliche Untersuchungen über die Haltungsanforderungen und das Fortpflanzungsverhalten der Tiere, die der Erhaltungszucht der Art dienlich sein sollen [5; 6; 8].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll eine Anlage für ein Paar einen Landteil beinhalten, dessen Fläche mindestens 4x so lang und 3x so breit sein soll wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Der Wasserteil soll das 5x4-fache und der Wasserstand 30% der Kopf-Rumpflänge betragen. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil 20% und beim Landteil 10% zur Basisfläche dazu. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Land- und einem Wasserteil vor, die je das 4x2-fache der Kopf-Rumpflänge messen. Für jedes weitere Tier kommen je 50% der Basisflächen dazu. Die Wassertiefe muss 50% der Kopf-Rumpflänge betragen. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Philippinenkrokodil wurde 1935 vom amerikanischen Herpetologen Karl Patterson SCHMIDT beschrieben. Es wurde zeitweilig als Unterart des Leistenkrokodils (Crocodylus porosus), danach des Neuguineakrokodils (Crocodylus novaeguineae) angesehen [7].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. JENSCH, B., BAUR, M., BRANDSTÄTTER, F., FRIZ, T., KÖLPIN, T., SCHMIDT, F., SOMMERLAD, R. & VOIGT, K.-H. (2009)
  4. JENSCH, B., BAUR, M., BRANDSTÄTTER, F., FRIZ, T., KÖLPIN, T., SCHMIDT, F., SOMMERLAD, R. & VOIGT, K.-H. (2009A)
  5. KLEIN, B. (2011)
  6. SCHNEIDER, M., KLEIN, B., KRÄMER, D., KNEZEVIC, K., TIFLOVA, L., VOGT, S., RAUHAUS, A., VAN DER STRAETEN, K., KARBE, D., SOMMERLAD, R. & ZIEGLER, t. (2014)
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. TIFLOVA, L. (2012)
  9. VAN WEERD, M. (2010)
  10. VAN WEERD, M., C. POMARO, C., DE LEON, J., ANTOLIN, R. & MERCADO, V. (2016). Crocodylus mindorensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T5672A3048281. http://www.iucnredlist.org/details/5672/0. Downloaded on 26 June 2017.
  11. WEBB, G. & MANOLIS, C. (1989)
  12. WEIGL, R. (2014)

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Gelesen 1518 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 26 November 2020 11:25
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx